Die Sonne bratzelt, das Wasser sprutzt und nachts dröhnt der Bass – Rocken am Brocken 2018

Wir machen da weiter, wo wir letztes Jahr aufgehört haben – am Gang Richtung Festivalgelände, circa 100m vor dem Eingang auf der rechten Seite- nur gepimpt:

mehr Sonne

mehr Menschen

mehr Ausstattung

Nachdem sich die Unannehmlichkeiten eines vergessenen Tickets glücklicherweise aus der Welt schaffen lassen, gibt es mit dem hübschen Bändchen in türkis-lila auch noch mal den expliziten Hinweis darauf, dass Rauchen und Grillen nur in den gekennzeichneten Feuerbereichen gestattet ist.

Deutlich gefragter als Feuer ist in diesem Jahr aber eindeutig dessen Gegenspieler-Element und das gibt es dank ausgezeichneter Vorbereitung in ausreichender Menge. Die Sprutzgeräte (oder auch Drucksprühgeräte) stechen auf der Beliebtheits-Skala sogar den Everybody’s Darling „Pfeffi“ aus, bevorzugt im Genitalbereich eingesetzt, wobei das Angebot eindeutig die Nachfrage übersteigt.

Ein Wiedersehen, das die Herzen erwärmt, ein Ameisenaufgebot, das mit Zaubersprüchen und einer Salzstraße bekämpft zu werden versucht, ein verschwundener Becher, der sich in der eigenen Hosentasche wiederfindet: So geht es los!

Tag 1: Ein Paar Socken für vier Tage und ein streunender Tiger

Musikalisch startet ein Teil von uns mit Das Paradies im Jägerzirkus. Der Sänger hebt mit dem Aufruf, nicht zu dehydrieren seinen Bierbecher in die Luft und wir tanzen uns ein.

Bei We are Scientists, die direkt im Anschluss auf der Brockenbühne spielen und als Band aus New York neben den vielen deutschsprachigen Acts auffällt, sinkt der Alkoholpegel ein wenig ab, wenn auch die Stimmung bei der rockigen Musik gut bleibt. Wir finden uns am Zeltplatz wieder und folgen den freudig-aufgeregten Empfehlungen einiger Gruppenmitglieder vor die Brockenbühne, wo kurze Zeit später kein Bein mehr stillsteht. Zu Bukahara tanzen wir als Gruppe, die Begeisterung schwappt über die sich bewegende Menschenmenge vor der Bühne. Der einsetzenden Abkühlung wird durch eigen-erzeugte Hitze entgegengewirkt.

Pause – Von wegen Lisbeth. Wir feiern unsere eigene Party. Die Eule, die wärmebedingt nicht als Eule auftritt, hat wieder Geburtstag und lädt zum Tanz. Wir tanzen im Kreis, wir tanzen nacheinander in der Mitte, wir tanzen neben einer der schönen Baumstammlampen, die sich in den nächsten Tagen als interner Treffpunkt etabliert und optisch bedingt „Pilz“ genannt wird. Es gibt selten einen Blick zur Bühne und viele Blicke in fröhliche Gesichter. Anschließend gibt es noch eine Privatparty mit Knicklichtern und dem berühmten DJ-Duo Swing dein Ding am Zeltplatz zu Ehren des Geburtstagskindes, die den Tag gebührend abschließt.

In der Nacht ist nicht nur der Brocken am Rocken, sondern auch die Bröckchen im Magen einiger Fetsivalteilnehmer/innen, von denen sich einer unglücklicherweise direkt zwischen zwei unserer Zelte entleert. Während dieser Vorgang einigen Bewohner/innen von Aßlak-City kurzzeitig den Schlaf raubt, denken andere und insbesondere ein gewisser Fuchs noch lange nicht daran, sich hinzulegen, was sich aus Berichten am nächsten Morgen rekonstruieren lässt, die in aller Frühe durch die Zeltwand mitangehört werden und trotz anhaltender Müdigkeit direkt lachen lassen:

Sätze aus der Erzählung eines streunenden Tigers, der eigentlich ein Fuchs ist und von der Security nachts ins Zelt gebracht wird und anderen Bewohner/innen des Camps:

„Bist du besoffen oder verletzt?“

„Du gehst jetzt nach Hause!“ „Ich will doch einfach nur hier stehen!“

„Wo ist dein Zelt?“ „Weiß ich doch nicht!“

„Gehört der streunende Tiger zu euch?“ „Das ist ein Fuchs!“

„Wenn ich betrunken bin, renne ich nach Hause: Ich kotz in ’ne Bar und renne nach Hause“

Swing dein Ding live am Zeltplatz

Tag 2: Waldschwimmbad und Fotobox

Es bleibt heiß, die Meister der Sprutzgeräte sorgen mit Sprühregen oder Wasserwerfer-Strahl für Erfrischung, halten einen mutigen Trupp aber nicht davon ab, den laut Festivalguide 15 Minuten, in der Realität aber mindestens 20 Minuten-Weg zum Waldschwimmbad auf sich zu nehmen – finally! Nachdem es im letzten Jahr nur den krönenden Abschluss bildete, wird es nun offiziell in den Festivalalltag integriert. Die Idee haben allerdings nicht nur 4 Leute aus unserem Team, sondern circa 10% des Gesamtfestivals. Und wenn um die 500 Leute gleichzeitig ins Schwimmbad gehen, heißt es Schlange stehen – vorm Eingang, vorm Klo, vorm Pommesstand, vor den Duschen, aber duschen wollen wir eh nicht, es ist ja erst Tag 2! Das Wasser ist fresh, die Rutsche schnell, wir spielen Wasserball und machen einen Nap in der Sonne. Auf dem Volleyballfeld findet ein Turnier der Reihe „Zocken am Brocken“ statt, die Jubelrufe und Anfeuerungsschreie schallen über das Waldschwimmbad und am Ende wird die Holztrophäe im Becken spazieren geschwommen.

Den Musikauftakt bildet am Freitag Swiss & die Andern, wobei die Lieder zwar Laune machen und im Gegensatz zu vielen anderen in diesem Jahr auch zum Festivalnamen „Rocken am Brocken“ passen, die Art des Sängers aber eher unangenehm auffällt. So dürfen wir uns mehrfach anhören, dass wir scheiße sind und von uns mehr erwartet wird als so ein „Kindertinder-Pogo“. Schade, das hätte auch cool werden können.

Der Kontrast zu Massendefekt, die anschließend die Brockenbühne in Beschlag nehmen, ist dadurch umso größer und hebt die sympathische Art der Band deutlich hervor.

Zwischen den beiden Bands spielt noch Juse Ju, der beste BWLer Deutschlands, wie er sich selbst betitelt. Die sich breitmachende Rumhängstimmung und das gut ausgefüllte Zelt des Jägerzirkus‘ lässt den dortigen Besuch jedoch recht kurz ausfallen und bietet Zeit für eine Versammlung am Pilz und eine kleine Feedbackrunde:

Wie gefällt es euch denn bislang?

„Das, woran ich mich erinnere, fand ich sehr gut, auch, weil Marc uns kostenloses Bier besorgt hat“

„Scheiße, weil ich kein Bier hab!“

„Mit besserer Musik wäre das ein ganz gutes Festival. Aber das Essen ist geil!“

„Gut“

Und was gefällt euch besonders gut?

„Das vielfältige Musikangebot und das megaschöne Gelände“ – und das trotz Trockenheit und Waldbrandgefah – als es einmal wirklich kurz brennt, ist das Feuer innerhalb von 20 Sekunden wieder gelöscht. Wie bei der Wasserrunde heißt es: Alle machen mit!

„Der Spaß, mit vielen Freunden schöne Tage zu verbringen“

„Die Musik ist eher Beiwerk, eigentlich geht’s um den Zeltplatz und die Leute“

„Man ist einfach happy. Sie können verkacken, was sie wollen…. Man darf nicht mal rauchen und ist trotzdem happy!“

„Die Securities sind sehr cool!“

Kritik?

„Der Zauberwald ist absurd laut!“

„Doppelt so viele Leute am Bierstand würden helfen, die Wartezeiten zu verkürzen“

Bevor wir uns zur nächsten Tanzaktion aufmachen, werden die Klebetattoos gezückt und drauflos verziert. Featherboy und Glitzergirls mischen sich unter die Menge, zum Teil noch bis spät in die Nacht hinein. Wenn der Bass einen sowieso wach hält, kann er ja auch aus nächster Nähe das Trommelfell zum Vibrieren bringen.

Tag 3: Bier-Yoga und Crowd-Surfing

8:00 Uhr: Erste Gitarrenklänge „Wir sind komplett im Harz“

9:15 Uhr: „Ich brauch‘ mehr Vodka-Iso!“

Wir starten in den Tag.

Ab 12:00 Uhr gibt es angeleitetes Yoga aus dem „Rocken am Brocken“-Programmheft und Bier-Yoga bei uns am Zeltplatz: „Das Bier anheben, hochschauen, Hände zur Brust führen und trinken“. Sogar die Biertrinkende Krähe findet ihren Weg in unseren Zirkel, während schon der Vogel ohne alkoholisches Erfrischungsgetränk für überraschte Begeisterungsrufe von Dino-Seite sorgt: „ICH KANN DAS!!“.

Wir sitzen im Kreis, in der Mitte ein Wassereimer, in dem immer wieder Köpfe auf der Suche nach Bierdosen oder einfach zur Abkühlung verschwinden. Ein wunderschön freundschaftliches Gemeinschaftsgefühl hängt neben der Hitze in der Luft und begleitet die nachfolgende Schminksession und T-Shirtbemal-Aktion bis es mit verdorbenem Einhorn auf dem Oberschenkel zum Festivalgelände und direkt in die erste Reihe vor der Hauptbühne geht, um der Höchsten Eisenbahn schon beim Soundcheck zuzujubeln. Und da sind auch wieder unsere Lieblings-Securities, die es sich nicht nehmen lassen, Luftballons und Wasserbälle ins Publikum zu werfen, mit Wasserpistolen zu spritzen und der Menge einzuheizen, wenn ein schnelleres Lied aus den Boxen schallt.

Francesco begrüßt mit „Ich hab leider gar keine Stimme, aber die geb ich euch!“ und bis zum Zugabelied bleibt die Stimmung super. Ein Security-Mann schwingt sich über die Absperrung und landet im Publikum, um mitzutanzen und am Ende klatschen alle füreinander. Die „Viva con Agua“-Schminke läuft beim Einsatz der Wasserwind-Geräte über die Wangen davon, immer wieder schießen Wasserfontänen links und rechts von der Bühne aus den hierfür vorhandenen Konstruktionen. „Wasser!“ wird der Lieblingsruf vor und von der Bühne und schon regnet es wieder auf die schwitzenden Körper herunter. Fangirls tummeln sich in der ersten Reihe und freuen sich gegenseitig, wenn ihre Lieblingslieder gespielt werden, denn: „Es gibt viele komische und zugleich schöne“.

Ein wirklich schöner Auftakt für einen sehr Poplastigen Festivalabend. Nach einer kurzen Zeltpause geht es schwingend weiter mit Faber, wobei wir uns wieder in Pilznähe aufhalten und nur recht wenig davon mitbekommen, was auf der Bühne passiert – bis auf die musikalischen Gegebenheiten natürlich. Die sind gut tanzbar und wirbelig und das zeitgleiche Spiel von Posaune und Schlagzeug durch eine Person schwer beeindruckend!

Für Isolation Berlin ist mir dann leider der Boden zu trocken und die Luft dadurch bedingt zu staubig, mein Auge tränt und ich brauche ein bisschen Ruhe im Zelt, wo ich dann bemerke, dass es das erste Mal seit Tagen ist, dass ich mich zurückziehe und gleichzeitig erkenne, wie schön es ist, sich innerhalb weniger Stunden auf einem Zeltplatz zu Hause und bei den Mitbewohner/innen so wohl zu fühlen, dass es nicht unangenehm, sondern erfreulich ist, ständig jemanden um sich zu haben – bis auf die anschwellenden Stimmen um 8:00 Uhr morgens versteht sich!

Es gibt ein Problem bei Mighty Oaks. Ein technisches, was schade ist, weil sich alle gerade schon so schön eingeschaukelt haben, als die Musik wieder endet und das Mikro versagt. Da hilft am Ende nur noch ein Extraglas Whiskey und das Publikum macht erst mal alleine weiter. Mit Robbie Williams, das ist zwar nicht so schön, klappt aber ausgezeichnet, da muss die Band, als technisch wieder alles läuft, dann noch einen kleinen Moment warten bis der letzte Ton verklungen ist und die Menge wieder bereit für die bandeigenen Lieder. Die Stimmung ist träumerisch schön, es wird zunehmend dunkler, Seifenblasen zerplatzen an Hälsen und Wasserbälle und Luftballons klatschen abwechselnd gegen aktive Fingerspitzen und passive, zunehmend genervte Gesichter, gut, dass Ventile so einfach zu bedienen sind…

Immer mehr Zuschauer/innen lassen sich auf Händen gen Bühne tragen, wo sie von freundlichen Securities empfangen werden, die selbst nach 20 Personen noch nicht die Fassung verlieren, während wir im vorderen Publikumsbereich allmählich denken, dass es weiter hinten in der Menge vermutlich um einiges entspannter gewesen wäre. So bleibt die Musik schön und zum Abend-zu-Nacht-Übergang passend, gleichzeitig strengt das ständige Aufpassen, dass sich nicht wieder ein Schuh zu sehr in Kopfnähe verirrt hat, aber auch an. Abschließend wirft sich auch Sänger Ian nochmal in die Menge und lässt sich vom Händemeer vor- und zurücktragen

Den letzten gemeinsamen Tanz unseres Camps untermalt Rawley. Mit Knicklichtern ausgestattet, erleuchten wir gemeinsam mit Regenschirmquallen den Zauberwald, bevor es nach einem kurzen Tänzchen bei Razz oder alternativ Schluck den Druck zum letzten Mal auf das nicht allzu bequeme Matratzenlager im Zelt geht. Nachts locken Liedfett, die staubedingt erst zu späterer Stunde vollständig spielen können, nachdem am Nachmittag schon ein Soloprogramm mit Fan-Tisch auf der Bühne stattgefunden hat, noch einmal kurz aus dem Schlaf, aber nicht mehr vor die Bühne.

Mit dem gleichen Elan wie an den letzten Morgenden, sind die Zelte in Windeseile abgebaut, der Müll entsorgt, die Pfandsäcke aufgeteilt und die ersten Bewohner/innen von Aßlak-City verabschieden sich in die verschiedensten Himmelsrichtungen. Für den Rest gibt es noch Erbseneintopf bei Kukkis und dann heißt es winkend am Waldschwimmbad vorbei Abschied nehmen. Bis zum nächsten Jahr!

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!