I’m Not a Band – Past Forward [Album-Review]

Was kann man wohl von einem Musiker-Duo erwarten, das von sich selbst behauptet, definitiv keine Band zu sein? Wahrscheinlich nicht nur eingängige Mainstream-Musik mit bandtypischen Schlagzeug- und Gitarrensounds. I’m Not a Band machen zwar Pop aber irgendwie doch nicht, sind elektronisch ohne Electro zu sein und eben auch eine Band ohne Band zu sein. Das alles behaupten sie zumindest von sich selbst und wer ihr neues Album Past Forward hört, fängt ein bisschen an, zu verstehen, was diese Band-oder-nicht-Band mit ihren kryptischen Aussagen und Selbstbeschreibungen meint. Die beiden Berliner Stephan Jung und Simon Ortmeyer, die hinter I’m Not a Band stecken, haben auf ihr neues Album Lieder gepackt, die ganz klar dem schönen Elektro-Pop zuzuordnen sind, wie zum Beispiel die Songs Stronger oder Bloodstream, aber auch solche, die deutlich experimenteller, überraschender und schwerer einzuordnen sind, wie der Instrumentalsong Pans & Pipes.

I’m Not a Band bedienen sich an unterschiedlichen Musikrichtungen und verschiedenen Beats, was dafür sorgt, dass ihre Lieder nie eintönig oder vorhersehbar klingen und den Einfallsreichtum der Beiden hörbar werden lässt. Die von Stephan eingespielte Violine wird gekonnt eingesetzt, kommt gut zur Geltung ohne überrepräsentiert zu wirken und gibt ihrer Musik neben all den elektronischen Tönen noch eine realere Note, sodass man großzügig übersehen kann, dass das Einsetzten von Geigentönen auch in der Popmusik schon lange nichts Innovatives mehr ist.

Doch insgesamt sprüht das zweite Album der beiden Berliner Jungs vor Kreativität und interessanten Einfällen, sodass man auch beim wiederholten Hören immer noch Neues entdeckt. Sogar Alltagsgegenstände oder Baustellenlärm dienten ihnen als Klangkulissen, die so stark verfremdet und neu interpretiert wurden, dass sie sich perfekt und fast unerkannt in die Musik einfügen.

Dass das Musiker-Duo auch mit Worten umgehen kann und Spaß an einfallsreichen Wortspielen hat, zeigen schon ihr Bandname und der Titel ihres Albums. Auch in ihren Lyrics wird das deutlich, die von Neuanfängen, von Dingen, die zu Ende gehen, von unterschiedlichen Emotionen und Erinnerungen erzählen. Sie ergänzen somit die musikalisch ausgedrückte Zerissenheit und Unentschlossenheit auf lyrischer Ebene. Ein zusätzlich noch ästhetisch äußerst ansprechendes und interessantes Albumcover rundet die ganze Sache perfekt ab und macht Past Forward zu einer empfehlenswerten Platte, die einen dazu anhält, sich beim Musikhören wieder voll und ganz auf die Klänge und Prozesse dahinter zu konzentrieren.

Ab Anfang November sind I’m Not a Band in Deutschland und in der Schweiz auch Live zu hören. Die genauen Daten und Orte findet ihr hier.

Linda Ann Davis

Überzeugte Feministin und Weintrinkerin. Reist durch die Welt so viel sie kann und studiert nebenher noch ein bisschen Philosophie und Politikwissenschaft.

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