Soulfood: Schokolade und Oh Wonder – Ultralife [Album-Review]

Schokolade ist ein Wundermittel. Zumindest scheinen das nicht wenige Menschen zu glauben. Immerhin schafft sie das, was Sport bei einigen erst nach längerfristiger Anstrengung schaffen kann, auf Anhieb: Sie macht glücklich. Nebenbei ist sie, so scheint es, über Nacht zum Werbestar avanciert – jedenfalls gibt es inzwischen überall Karten und Blechschilder, auf denen Dinge stehen, die Schokolade kann oder auch nicht kann, ein Salat kann diese im zweiten Beispiel dann aber auch nicht, wie etwa Probleme lösen und damit gewinnt die Schokolade immer und überall, was für sie eigentlich eher Verlust als Gewinn ist, denn: sie wird dann gegessen.

Im Sommer ist Schokolade als Süßigkeit eher ungeeignet, vor allem, weil sie geschmolzen nicht eben leicht von Collegeblöcken, Buchseiten, T-Shirtstoffen und Tascheninnenfutter zu entfernen ist, immer ein paar Spuren hinterlässt, die sich festsetzen, um bei Bedarf erneut zu schmelzen.
Dann lieber Schoko-Eis oder das neue Album von Oh Wonder: „Ultralife“.
Das kann auch süß und harmonisch, nimmt auf und mit, flüstert dir zu, dass Alleinsein ok ist, wenn dir danach ist und hat Verständnis und schwungvolle Sounds für’s Zusammensein.

Abgedunkeltes Zimmer, halbgeschlossene Augenlider, Eiswürfel im Glas, das Laken ist kühl und der Beat wie ein Schwimmbecken mit sanft abfallendem Fliesenboden. Einatmen, Tauchen, Ausatmen. Eine Ode ans Alleinesein als Ausgangspunkt, dem sich leichtfüßig der Titelsong des Albums anschließt: „Ultralife“, das zweite, aber irgendwie auch gleichzeitige Debüt-Album von Anthony West und Josephine Vander Gucht.

Vielleicht so, als würde man Milka mit Zotter vergleichen. Da gewinnt die handgeschöpfte Variante und etabliert sich schnell als Original. Nicht, dass der erste Versuch gescheitert wäre – mehr als 300 Millionen Streams bezeugen das Gegenteil! Aber jetzt ist eben klarer, wo es hingehen soll, das Rezept steht erst mal fest und außerdem eben alles handgemacht: selbstgeschrieben, selbstproduziert, selbstgemischt. Hmmm…

Vom ruhigen Tauchbecken auf den Frühsommer-Asphalt, noch nicht zu heiß, aber schon schöner ohne Schuhe. Vom Lob der Allein-Zeit über unbeschwerte Liebeserklärungen, bei denen jederzeit alles stimmt, zum rauschhaften Zustand, in den neue Bekanntschaften versetzen können.

And I can feel the static rising
up and out your mouth
We’re making waves of conversation Got a rush of energy
Cause I am getting high on humans [High on Humans]

Von Rausch und Schwung zu Sog und Schunkeln. Von roboterhaften Stimmen zu simplem Piano. Und gleichzeitig immer weiter weg von der anfänglichen Hymne an das Solo-Sein. Denn, so heißt es, zwischen dir und mir entsteht etwas, dass größer ist als wir zwei allein und sogar „bigger than love“, jetzt wird’s aber etwas sehr zuckrig. Und genauso süß bleibt es dann leider auch erst mal. Da regt sich der Wunsch nach Dissonanz oder einfach ein bisschen weniger Zuckerguss.

Weiße Schokolade ist inzwischen auch einfach zu süß geworden. Lieber Zartbitter oder auch mal 85%, mehr geht auch, aber dann keine ganze Tafel: das kann sonst abführend wirken.
Zum Glück ist dann aber auch doch nochmal Alleingang angesagt:

I sleep away all the light
I keep away out of sight, out of sight
and when the day turns to night
I slip away and lose my mind, lose my mind […]

And as we lie silently
your body soft so close to me, close to me I creep away and let you sleep
I dream today tomorrow speaks.
[Slip away]

Das funktioniert besser irgendwie. Gerne auch ein bisschen Spielautomaten-Feeling, Elektronik, E- Orgel-Sound, Geigen und seichtes Geklimper und dazu ein Beat, der an den Lungenflügeln zieht.

Die Stimmen bleiben harmonisch, die Songs schlagen einen Bogen, versuchen die Lücke zwischen dem Bestreben, für sich zu sein, und der Notwendigkeit von Freund*innen zum Reden und Teilen zu schlagen. So steht am Ende das Eingeständnis, dass bestimmte Erlebnisse erst dann solche sind, wenn sie erzählt werden können.

Wann schmeckt Schokolade am besten? Wenn sie in einem Moment des Für-Sich-Seins genossen wird oder wenn Menschen dabei sind, mit denen sich das Geschmackserlebnis teilen lässt?
Auch, wenn Variante zwei gewinnen sollte, sie alleine zu verzehren ist sicherlich keine Verschwendung! Nur die Abwechslung darf nicht fehlen, also nach viel heller Schokolade unbedingt auch mal etwas dunklere. Falls es doch zum Zuckerschock kommen sollte: Album aus und vielleicht doch mal joggen gehen.

I said I would never come back Screaming at the walls in jet black Hurt until my words are out flat Can I whisper it back?

What a waste, what a waste, what a waste to be so alone
[Waste]

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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