Sean Koch Trio auf dem JuWi-Festival in Münster [Konzert]

“It’s not really a job and we’re just bringing the good energy that we have”

18. Mai 2017 – 17:30 Uhr

Ich komme nicht auf’s Gelände. Ein Austausch-Student auch nicht. Mich störts nicht, er ist verwirrt. Die Personen, die den VIP-Eingang betreuen, der noch gar nicht VIP ist, weil es keine Gästeliste gibt, sind allerdings auch wenig bereit, klare Auskünfte zu geben. Ein Fotograf übersetzt schließlich, nachdem der Student sich mit einem freundlichen „Tschüss“ Richtung Festivalgelände und Bibliothek verabschieden will und von einer der Security-Personen leicht genervt zurückgehalten wird.

Fast scheint es so, als sei zu wenig Werbung für das alljährliche JuWi-Fest in Münster gemacht worden, so viele enttäuschte bis -rüstete Gesichter formen sich, als ihren Ohren mitgeteilt wird, dass ihre Fahrräder jetzt für den Rest des Tages eingesperrt sein werden. Und das in Münster, wo ohne Fahrrad gleich gar nichts geht. Außer die Person, die keins hat. Aber sonst auch Niemand.

Ich hab mein Fahrrad mit einem bedachten Sicherheitsabstand geparkt und bekomme kurz nach dem Fotografen Einlass in das Fahrradgefängnis und den „pinke Bändchen VIP-Bereich“. Wir steigen hoch unter’s Dach in einen Raum, der keine Ahnung was für eine Funktion im Alltag hat und ungefähr so gemütlich ist wie ein Klassenzimmer — so etwas in der Art ist es auch, nur eben in der Uni. Na ja.

Hauptsache, Sean, Shaun und Ross vom Sean Koch Trio, dem ersten Act des Abends, sind da. Und das sind sie. Essend, Oberkörperfrei und bester Laune, wodurch die ganze Klassenzimmeratmosphäre dann auch gar nicht mehr so steril wirkt. Außerdem gibt es Bier und warmen Tequila. Gestern sind die Jungs aus Südafrika in Köln gelandet und heute spielen sie in Münster, der Stadt in Deutschland, von der sie sagen, dass sie sie dank zahlreicher Spaziergänge am besten kennen. Zum dritten Mal verschlägt es das Sean Koch Trio nach Deutschland und dabei darf auch noch eine Premiere gefeiert werden: Sie spielen nämlich zum ersten Mal auf einem Unifestival und da macht das Juwi-Fest mit seiner Größe und den auftretenden Musiker*innen schon mal einen sehr guten Eindruck: „very impressive, veryvery cool“.

Die Überraschung darüber, dass eine Band aus Südafrika, die lässige Feelgoodsurfsound-Musik macht, in einer Stadt wie Münster auftritt, besteht nur auf meiner Seite. Die Jungs finden beeindruckend viele nette Worte für die Studistadt, insbesondere für ihre „cycling culture“ – auch wenn die ganzen Fahrradwege etwas nerven und, dass ständig alles verboten ist, aber sofern man sich nicht erwischen lässt, kann man ja auch ruhig die ein oder andere Straßenverkehrsregel brechen. Auch mit der Vermutung, dass die lässige Musik der Band, die überaus häufig in Surf-Magazinen besprochen wird, eventuell nicht so große Wellen in Deutschland schlagen könnte, stehe ich alleine da. So hat Deutschland laut dem Trio eine ziemlich starke Surf-Kultur zu bieten und dass die Musik auch außerhalb dieser ankommt, zeigt sich dann kurze Zeit später bei ihrem Auftritt.

19:00 Mainstage

Der Himmel ist bewölkt und die Rasenfläche vor der Mainstage noch relativ leer, als Sean, Shaun und Ross die Bühne betreten — inzwischen nicht mehr Oberkörperfrei, aber mit Hemden, die das Urlaubsgefühl, das ihre Musik schon im nächsten Moment verströmt, auch optisch widerspiegeln: leicht, locker und nicht zugeknöpft (zumindest nicht ganz).

Schon beim dritten Song klatscht die Menge mit, bereit, sich der Musik voll hinzugeben. Trinkend, sie aufsaugend, absorbierend und wieder ausströmend.

„We move with the city and we run with wind. Sing with the birds, open up to the world.“ (Flow)

Das Schlagzeug lässt Herz und Trommelfell vibrieren, es wird voller. Es gibt Menschen mit Glitzerhüten, -kleidern, und -schminke. Ein Mädchen tanzt mit Krücken. Ich sehe Sonnenbrillen und geflochtene Zöpfe. Das Bühnenlicht ersetzt irgendwann die Sonne, so hell strahlt es, Publikum und Band wirken gleich lässig und entspannt. Ross erzählt im Gespräch, dass Shaun sein persönlicher Gitarrenlehrer ist, dass er ihm andersrum auch was beigebracht zu haben scheint, zeigt sich, als der Gitarrist seinen Kumpel am Schlagzeug unterstützt. Das Publikum ist zunehmend betrunkener und allzeittanzbereit.

„I wanna lift you up / I’m gonna set you down / I’m gonna take your hand and spin you round and round/ I’m gonna open my arms and open my ears / I’m gonna listen to your stories / wipe away your tears.“ (Lift you up).

Ob es am Ende an der Musik, an der Sympathie der Jungs gegenüber Münster oder ihrem freundschaftlichen Miteinander liegt, egal, ob Wolken oder nicht: Das Sean Koch Trio holt direkt zu Beginn des JuWi-Fests das Festivalfeeling auf das Juridicum-Gelände.

Dass ihnen das gelingt, verwundert kaum, wenn man sich vor Augen führt, dass die drei Jungs mit ihrer Band nicht nur einer Leidenschaft nachgehen, sondern außerdem – egal, wie weit weg von zu Hause – immer ihre Freude dabeihaben:

„Having your friends around and having good music […] is so important in life!”

Schön, dass sie das hieraus entstehende Gefühl mit uns geteilt haben und somit ein gut gelauntes und aufgewärmtes Publikum für die nachfolgenden Acts hinterlassen.

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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