Overcoats – Young [Album-Review]

Zwei junge Frauen, die beide leidenschaftlich gerne singen und Musik machen, lernen sich kennen, merken schnell wie perfekt sie sowohl menschlich als auch musikalisch zusammenpassen und beginnen, gemeinsam Songs über ihre Gedanken zur Welt, der Gesellschaft und verschiedenen zwischenmenschliche Beziehungen zu schreiben.

Knapp zusammengefasst ist das die Geschichte, wie Hana Elion und JJ Mitchell, zwei junge New Yorkerinnen, gemeinsam die Band Overcoats gründeten. Das mag erst einmal nicht besonders ungewöhnlich und mehr nach den Anfängen einer von so vielen kleinen Bands aus irgendeiner Großstadt klingen. Wer allerdings das Debütalbum “YOUNG“, das am 21. April bei dem Label Arts & Craft veröffentlich wurde, von Overcoats hört, wird diesen Gedanken sofort verwerfen. Denn dieses Album und damit die Musik von Hana und JJ ist definitiv etwas Besonderes.

Die beiden Frauen verbindet eine tiefe Freundschaft und eine starke Geistesverwandtschaft und genau das kommt bei YOUNG ohne Zweifel in jedem der insgesamt zwölf Songs zum Ausdruck. Sie handeln von gemeinsamen Gefühlen und Gedanken der Beiden, vom Erwachsenwerden der jungen Frauen und den Schwierigkeiten, die damit einhergehen, von Familie, von anderen Menschen, die ihnen nahe sind, von der Erkenntnis, dass eine Beziehung gescheitert ist oder scheitern wird oder ganz einfach von der Welt und der Gesellschaft aus den Augen kritischer, reflektierter Frauen. Jeder Song erzählt seine eigene kleine Geschichte und schafft es, unterschiedliche Emotionen hervorzurufen. Gleichzeitig passen aber auch alle zwölf Songs so perfekt zusammen und ergänzen sich gegenseitig, wie es nur bei wenigen Alben der Fall ist. So ergibt sich ein zartes und schönes Geflecht aus unterschiedlichen Gefühlen, Momenten und Stimmungen, das in meist ruhige, äußerst harmonische Musik übersetzt wird.

YOUNG ist ein Album, das zudem definitiv das Potenzial hat, weit oben in den Charts anzukommen. Der ruhige Elektro- Pop, versehen mit einigen funk- und soul- Elementen, der ein wenig an Oh Wonder erinnert, trifft auf jeden Fall den Geschmack der Zeit. Die Produktion ist einfach und übersichtlich, ein paar Beats, elektronische Klavierklänge und ein paar weitere Tricks mithilfe eines Synthesizers reichen meistens völlig aus. Doch das ist hier genau richtig, denn was eindeutig im Vordergrund der Musik von Overcoats steht sind die klaren, perfekt harmonisierenden und sich ergänzenden Stimmen von Hana und JJ. Mal zusammen, mal abwechselnd singen sie mit einwandfreier Intonation, jeder Ton sitzt und ist genau da wo er sein soll.

Ein paar flottere und durchaus tanzbare Songs, wie beispielsweise die zweite Single-Auskopplung „Leave the Light On“ in dem sonst weitgehend ruhigen Album, sorgen für die dynamische Abwechslung auf der Platte und machen noch mehr Lust darauf, Overcoats auch einmal live zu erleben. Einmal gehört bleiben die Melodien im Kopf, begleiten einen durch den Rest des Tages und hinterlassen ein Lächeln auf den Lippen.

Overcoats präsentieren mit YOUNG ein absolut hörenswertes und gelungenes Debütalbum, bei dem ein internationaler Erfolg sowohl vielversprechend als auch wünschenswert ist. Für Fans von BOY oder Oh Wonder ist dieses Album ein absolutes Muss – für alle anderen, die auf der Suche nach schöner, tiefgehender Musik sind, die gleichzeitig Ohrwurmcharakter hat und zum Nachdenken anregt, ebenso äußerst empfehlenswert! Das einzige, was man jetzt noch an Overcoats bemängeln könnte ist, dass bisher kaum Konzerte in Deutschland geplant sind. Wollen wir hoffen, dass sich das bald ändert!

Linda Ann Davis

Überzeugte Feministin und Weintrinkerin. Reist durch die Welt so viel sie kann und studiert nebenher noch ein bisschen Philosophie und Politikwissenschaft.

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