Findlay – Forgotten Pleasures [Album-Review]

Die rohe Rotzig- und Lässigkeit einer Allison Mosshart (The Kills) trifft auf Beats, wie auch die junge Santigold sie hätte machen können. Wer Findlay – ein kleines Mädchen aus einer nicht ganz so kleinen britischen Stadt nahe Manchester – das erste Mal sieht und dazu ihr Debütalbum “Forgotten Pleasures” hört, der glaubt es nicht.

Nicht, dass die groben Rap-Parts auf noch gröberen Beats aus dieser zierlichen Kehle kommen können. Und noch weniger, dass aus eben jener im nächsten Moment eine fein arrangierte, ja fast radiotaugliche Melodie erklingt.

Dieses Debüt ist eine Art Zusammenfassung von dem, was Findlay bereits auf ihren zwei EPs “Off & On” und “Electric Bones” so besonders machte. Wer sie schon länger verfolgt, wird zwar leider viel “altes” Material zwischen den 13 Songs finden – was einerseits zurecht ein leicht säuerliches Gefühl von Recycling aufkommen lässt, aber gleichzeitig auch erstaunlich wenig stört.findlay_forgotten-pleasures_squareDenn wo die EPs jeweils noch einen ihnen anhaftenden eigenen Sound hatten, eröffnet die Zusammenkunft aller Phasen aus Findlays künstlerischem Leben auf “Forgotten Pleasures” eine ganz neue Sichtweise.

Plötzlichen lieben wir die kleine Dame aus England nicht mehr nur für ihre kratzigen Vocals auf “Electric Bones”, sondern eben auch für all die seichten und verletzlichen Momente, die erst im direkten Kontrast zu ihren harscheren Songs wirklich ihr ganzes Potential entfalten.

Und um die Sichtweise mal etwas zu drehen: Vielleicht stehen hinter den Zweitveröffentlichungen einiger Songs gar keine besonderen kommerziellen Überlegungen, sondern einfach der Drang, sich mit Debüt als ein Ganzes zu zeigen.

Vielleicht will Findlay sich mit diesen 13 Songs nicht verkaufen, sondern einfach erklären; zeigen wo sie herkommt, was sie bisher ausmachte und was sie antreibt. Denn dann begreifen die Menschen vielleicht auch, das es tatsächlich dieses kleine Mädchen sein wird, das die Indie-Rock-Szene in den nächsten Jahren von hinten aufrollt.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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