Die Lieferanten in Münster: so war die EP-Releaseparty – [Konzert]

Die grauen Herren haben wieder zugeschlagen. Unfair nur, dass somit Dinge liegen bleiben, die nicht nur mich betreffen, sondern auch vier sympathische, schwungvolle junge Herren, die alles andere als grau in grau sind und es verdient hätten, dass der ihnen zustehende Konzertbericht so schnell geliefert wird wie sie selbst es tun – und das auch noch mit Ankündigung (kleiner Wortwitz an dieser Stelle).

Also, wie kann ich mich entschuldigen? Mit einem hochlobenden Text zum selbstorganisierten Release-Konzert am 25.01. im Sputnik Café in Münster? Den hätte ich sowieso geschrieben! Mit einem Versprechen, von dem am Ende der zweite Teil nicht eingehalten wird? Ich komme zum nächsten Release-Konzert und trotze den Zeitdieb_innen! Hingehen werde ich sowieso. Bleibt wohl nichts anderes übrig, als einen Entschuldigungs-Drink bzw. vier anzubieten. Auf dem Release-Konzert der nächsten EP oder noch besser des ersten Albums. Wenns so läuft wie letztes Mal, werdet ihr sowieso keine Zeit haben, um den hiermit ausgesprochenen Gutschein einzulösen, dann habe ich mir das also auch gespart ;)

Jetzt aber für alle Verwirrten auf die Frage: worum geht es hier eigentlich? Notizbuch aufgeschlagen und durch die Kritzeleien gewühlt (bitte, habt Nachsicht. Ich verstehe bei Weitem nicht mehr alles, was ich da notiert habe!): Vorhang auf für Die Lieferanten.

Aber erst noch Shipley Road. Die inzwischen 5köpfige Band aus Münster macht das ausgelassen-fröhliche Publikum warm, präsentiert zwei neue Songs und außerdem einen deftigeren Sound als zuvor, der gut ankommt. Dass sich der „Antrag“ vom 02. September 2016 auszahlt, hatte ich bereits erwartet. Trompeter David, nun auch offiziell fester Bestandteil der Band, die außerdem aus Sabrina, Elena, Patrick und Nima besteht, steckt mit seinem Lachen an und Shipley Road schließen schwungvoll den Kreis und überlassen den von ihnen begeistert gelobten Lieferanten die Bühne.  

Die wiederum setzen sich zusammen aus Lukas am Schlagzeug, Jonas am (E)Piano, Aaron am Bass und Moritz an Gitarre und Gesang und haben uns was mitgebracht und zwar (Trommelwirbel von Aaron, der sich ganz grundlos davor fürchtet, sich bei Bedarf von den Tasten zur Trommel zu wenden): Ihre erste EP Eine Frage der Begeisterung.

Instrumenteller Auftakt, die Musiker zeigen direkt schon mal, was sie können, und Moritz begeistert nebenher auch noch mit seiner Haarpracht (Die Frage danach, ob er wohl eine Haarkur verwendet wird kurz und intensiv von Sara und mir diskutiert), nicht nur stimmlich definitiv Wiedererkennungswert!

Der Platz in der ersten Reihe sichert uns einen Blick auf die Setlist sowie Nebelschwaden und Scheinwerfer in rot und lila direkt in die Augen.

Der Sound ist funky, das Publikum schon begeistert, bevor überhaupt die Frage danach gestellt wird. Hieran besteht spätestens ab dem dritten Lied kein Zweifel mehr, als Sänger Moritz zum Ende hin Dancing in the Moonlight von Toploader anstimmt und die ganze Menge mitsingt. Damit zeigen die vier angehenden Lehrer nicht nur, dass sie in der Lage sind, über 200 Menschen binnen 15 Minuten in ihren Bann zu schlagen, sondern kündigen außerdem schon mal an, dass sie auch ruhiger können, was sie dann auch direkt im Anschluss mit ihrer Ballade „Verschwommen“ unter Beweis stellen

Immer nur nach vorn
nie ein Schritt zurück
wir tanzen über Leichen
und stinken nach Glück – (Verschwommen)

Sara vermittelt mir ungläubig, dass sie nicht versteht, wie man so gut singen kann. Da ist es doch ganz beruhigend, dass auf der Setlist Verschwommen mit einem m zu wenig geschrieben ist, wenigstens ein kleiner Triumph, wenn man es schon mit solch talentierten Menschen zu tun hat, die noch dazu sympathisch sind.

Von banalen Texten, die das Ganze hätten trüben können, kann auch in keinster Weise die Rede sein. Das wird spätestens dann klar, wenn plötzlich ein Kriminalfall im antiken Rom in einem Song (Sperling) verarbeitet wird oder Platons Höhlengleichnis als Idee für einen anderen fungiert (Tief im Berg). Die Technik gibt sich größte Mühe und sorgt mit Nebelfontänen, die an isländische Geysire denken lassen, und flackerndem Licht, das die erste Reihe immer wieder erschrocken die Augen zusammenkneifen lässt, für eine treffend mystische Stimmung bei erstgenanntem Lied.

Die wird dann aber schnell wieder durchbrochen, als aus der Menge ein kräftiges „Lukas, du geile Sau“ ertönt. Die Lieferanten bleiben lässig, zeigen, dass sie professionell und lustig zugleich sein können und knien gegenseitig voreinander nieder, um visuell darzustellen, was das Publikum akustisch ausdrückt. Bei aller Liebe füreinander, schreckt Sänger und Gitarrist Moritz aber auch nicht davor zurück, seinen Freunden flapsig darzulegen, dass er aber auch nicht alles so sieht wie sie und sich gerade, wenn er Lukas, Aaron und Jonas betrunken erlebt, manchmal denkt:

„Es ist ja schön, dass ihr Spaß habt am Leben, aber den Scheiß muss ich mir nicht geben“ – (Den Scheiß muss ich mir nicht geben)

Seit September 2016 gibt es die Band in der jetzigen Konstellation, also vierköpfig.

Dass sie aber auch zur Zusammenarbeit mit anderen Musizierenden fähig sind, wird klar, als  plötzlich der angekündigte Specialguest auf der Bühne steht: Peter Panisch, als bandeigener Hiphopper bezeichnet und in seinem Ton an Dendemann erinnernd. Die Begeisterung bleibt oder steigt sogar, das funktioniert also auch. Schade nur, dass die Musik nur im Kopf gespeichert bleibt und sich nicht auch noch als Bonus auf der EP finden lässt. Das wäre auf alle Fälle ein Grund mehr, pro Person 5 ½ CDs zu kaufen, wie Peter Panisch die Zuhörer_innen auffordert, damit am Ende auch alle verkauft sind und nachbestellt werden kann. Am schönsten wäre es natürlich, würden die Lieferanten direkt ein Album liefern (mit solchen Wortspielereien muss man bei dem Namen rechnen), denn sechs Lieder sind zwar auch schon mal was, wenn man aber weiß, was sonst noch so geht, eindeutig zu wenig!

„Wut macht dich nur hässlich, wenn man im Wahn versinkt
und Tränen schmecken grässlich, wenn man sie in Litern trinkt.
Sie nehmen dir die Sicht wie der Nebel im Verkehr
und, wenn du Salzwasser so gern hast, Baby,
dann fahr doch mal ans Meer“ – (Salzwasser)

Bei der Zugabe (Das, was keinen Namen braucht – Teil 2) fliegt ein mit Herzen und Text verzierter BH auf die Bühne, der an der Bass Drum befestigt wird und bei den letzten beiden Liedern schwungvoll mitwippt, während der Bass bis in die Hosenbeine fährt und sie erzittern lässt.

Die Verblüffung darüber, dass so viele Menschen Menschen mit so einem beschissenen Bandnamen sehen wollen (Eigene Worte der Band!) findet nach einem heftigen Andrang am Merchstand (wenn schon 5 ½ CDs, dann aber auch mit Autogrammen) Ausdruck, wenn Lukas das Konzert als „überwältigend“ bezeichnet. Ich bin froh, in dem Gewühle überhaupt noch jemanden aus der Band zu erwischen. Die Vorstellung, dass die vier Jungs zunächst nur 100 Tickets für den Abend drucken lassen wollten, scheint bei der Menge von berauschten Menschen nahezu absurd. Gut, dass sie es sich anders überlegt haben und die Frage nach Begeisterung an diesem Abend  über 200 Leute mit JA beantworten können!

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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