Fil Bo Riva im [Interview]

Mitte Januar fand in Groningen mit dem Eurosonic Noorderslag das Festival für die europäische Newcomerszene statt. Natürlich waren auch wir da und haben mit einer Reihe der Künstler über ihre Musik und Projekte gesprochen. Den Abschluss nach J. Bernardt und den Giant Rooks machen Fil Bo Riva. Im Gespräch haben sie uns verraten, warum sie trotz Angst auf die Bühne gehen und wieso der neu gewonnene Ruhm nicht wirklich zu ihnen durchdringt.

Wie zufrieden seid ihr mit der gestrigen Show?

Fil: Zufrieden! Klar, es gab bessere und schlechtere Shows aber ich finde einfach, dass Festivals generell eine sehr sehr gute Abwechslung zu “normalen” Konzerten und Support-Shows sind. Weil man sich als Musiker einfach anders Mühe geben muss, wenn man vor Leuten spielt, die wahrscheinlich nicht wegen dir da sind. Insgesamt ne sehr geile Erfahrung auf jeden Fall.

Auch wenn der Druck hier vielleicht nochmal ein anderer ist? Ist ja schließlich ein Showcase-Festival und nicht wenige Businessmenschen stehen im Publikum.

Fil: Bei mir persönlich war der Druck nicht so hoch. Eigentlich ist der auch immer gleich hoch, unabhängig davon, wer da vor der Bühne steht. Ich habe eher Angst davor auf einer Bühne zu stehen und zu singen. Das da dann Industrieleute dabei sind, das ist mir eigentlich Wurst.

Felix: Was die Nervosität aber nochmal extrem steigert, ist, wenn man quasi keinen richtigen Soundcheck hat. Man geht auf Bühne und denkt sich: “Hör ich jetzt überhaupt irgendwas?”

Spannend, dass du von “Angst” sprichst. Das ist uns gestern auch aufgefallen. Du wirkst nicht wie ein typischer Bühnenmensch. Wenn du nicht gerne vor Menschen singst, wo ist dann der Antrieb um trotzdem hoch zu gehen?

Fil: Tatsächlich einfach die Überwindung. Es ist doch ein schönes Gefühl etwas zu machen, das man sich eigentlich nicht traut. Das pusht mich ungemein. Ich hasse es Angst vor irgendwas zu haben. Vor jedem Konzert denke ich: “Warum mache ich das eigentlich?”. Aber das Gefühl so etwas 100 Mal im Jahr zu überwinden – das ist riesiger Egopush. Finde ich persönlich irgendwie total geil. Diese Hassliebe zwischen “Fuck ich habe kein Bock drauf zu gehen” und wenn man dann oben ist, ist es voll ok. Dann ist eh alles egal und man kann einfach spielen. Das ist wie eine Droge. Besondern wenn man singt.

Jetzt sitzt ihr hier zu zweit, auf der Bühne sprecht ihr von “Wir sind Fil Bo Riva”, was spannend ist, weil in der Vermarktung und dem öffentlichen Auftritt bist nur du, Fil, alleine. Klärt uns auf.

Fil: Das war ja bei Tame Impala ähnlich. Das war am Anfang auch nur eine Person, die den Namen erfunden und die Band kreiert hat. Und dann hat er sich Leute gesucht oder Leute haben ihn gefunden, mit denen er sich im ganzen Musikkontext intensiv austauscht. Ich hab schon ein halbes Jahr vor dem eigentlichen “Start” ein paar Demos aufgenommen – unter dem Namen – und dann haben Felix und ich uns kennengelernt und so kam das zustande. Ich glaube aber einfach nicht, dass es wichtig ist, von wem oder wie vielen Leuten die Musik kommt, wenn man sie mag.

Am Anfang habe ich tatsächlich noch gesagt “Ich bin Fil Bo Riva”. Aber dann haben wir uns gefragt wieso. Ist ja auch irgendwie schade oder klingt komisch, wenn ich sagen muss: “Ich bin Fil Bo Riva, das ist Felix und das ist Michelle”. Es ist doch schöner, wenn man das aufteilen kann und jeder die gleich Rolle spielt, wenn man sich damit wohlfühlt. Außerdem hilft es ja auch einfach, wenn man Dinge aufteilen kann. Auch wenn ich vielleicht der bin, der dem Projekt sein Gesicht schenkt.

Um nochmal bei gestern zu bleiben: Ihr habt irgendwann ganz explizit um Ruhe gebeten, weil ein ruhiger Song kam. Klar, gerade auf Festivals sind die Zuhörer meistens wirklich laut. Aber nervt euch das so sehr?

Fil: Naja, ich meine das auch ein bisschen ironisch. Ich wollte einfach gerne testen, wie sehr die Leute dann ruhiger werden. Und tatsächlich waren sie genauso laut wie vorher. Einfach um zu testen, wie viele der Leute zuhören. Oder ob die einfach nur da sind, um zu sagen, dass sie bei Fil Bo Riva oder allgemein auf einem Konzert sind. Oft haben die Leute einfach keinen Respekt für die Musik.

Vor drei Monaten erschien die EP “If You’re Right, It’s Alright”. Was ist seitdem passiert? Wie habt ihr das empfunden? In Kritiker-Kreisen seid ihr ja extrem gut angekommen.

Fil: Tatsächlich merken wir das gar nicht so – auch wenn wir das Tag und Nacht mitbekommen und die Anfrage vom Management bekommen und mehr Interviews geben und Konzerte spielen. Es ist definitiv mehr Arbeit geworden. Aber so ein krasses Gefühl von Erfolg haben wir nicht. Auch weil das Geld fast gleich ist, weil wir viel mehr Kosten haben. Wir haben aber die selben Wohnungen, die selben Freunde. Die Freunde sehen wir nur viel weniger, aber es hat jetzt keinen großen persönlichen Push fürs Ego oder so gegeben. Wir merken eigentlich nur, dass wir viel mehr Zeit mit der Musik verbringen müssen und möchten.

Nicht, dass wir das relativieren wollen und sagen: “Ausverkaufte Show, scheiß egal!” Sondern eher, dass wir uns einfach freuen zu sehen, was danach noch kommt. Ich freue mich extrem bald die ganzen Konzerte zu spielen, wo die Leute nur wegen uns kommen, aber ich freue mich noch mehr, danach wieder im Studio zu sitzen, neue Musik aufzunehmen und die nächste Tour zu planen – alles noch ein bisschen besser zu machen.

Ich glaube, wenn man jetzt sagt: “Wow, wir haben auf dem Eurosonic und auf der Reeperbahn gespielt” und das alles zu ernst nehmen, dann wird man irgendwann verrückt.

Felix: Vor allem sind wir ja noch ganz am Anfang.

Fil: Unser erstes Konzert war in Köln bei AnnenMayKantereit vor einem Jahr und sechs Monaten. Wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Wir hätten viel weniger gespielt. Eventuell hätten wir auch einfach direkt ein Album aufgenommen, weil wir die Zeit gehabt hätten.

Ein Album ist aber demnächst angedacht, wenn ihr Zeit habt?

Fil: Nach der Tour, Ende Januar fangen wir zu 100% an, zu schreiben und aufzunehmen. Zwei Monate lang. Full Time. Keine Konzerte, keine Drogen, keine Frauen, keine Clubs. Nur Zigaretten und Bier und Studio – beste Zeit. Ich freu mich so sehr!

Fil Bo Riva – Tourdaten:

  • 03.04.17 Zürich (CH), Eldorado
  • 21.04.17 Essen, Zeche Carl
  • 22.04.17 Münster, Gleis 22
  • 23.04.17 Dresden, Groovestation
  • 30.04.17 Wien (AT), Rhiz
  • 01.05.17 Würzburg, Cairo
  • 11.05.17 Mainz, Schon Schön
  • 12.05.17 Hannover, Lux
  • 13.05.17 Erlangen, Unter einem Dach Festival
  • 14.05.17 Berlin, Badehaus
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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