Newcomer in Hamburg: Mukke bei die Fische #1 – [Konzert]

Acht verschiedene Acts auf drei Bühnen im Molotow, unserem Herzensclub in Hamburg. Der Clou, alle Künstler haben, bis auf eine Ausnahme, noch nie in Deutschland gespielt – ein Abend voller musikalischer Blinddates also. Bühne dunkel, Vorhang, Licht.

Der Abend beginnt wie viele erste Dates – mit Verspätung. In diesem Fall liegt die Schuld bei uns, ein sehr misslicher Zwischenfall, der das Anrücken eines Schlüsseldienstes erforderte und letztendlich leider dazu führte, dass wir dem Gig der Viagra Boys nicht beiwohnen konnten. Alles was wir wissen: Sie kommen aus Stockholm und machen einen ziemlich knurrig-groovenden Postpunk, welcher im Großen und Ganzen unsere Stimmung vor dem ersten Astra wiederspiegelt.

Es folgte eine eher zaghafte Annäherung mit Matt Wills; 22 Jahre jung aus London. Schnell ist klar, dieser junge Mann hat von den Großen gelernt und er übertreibt nicht, wenn er sagt, dass Ben Howard,  Ed Sheeran und Jack Penante seine Influencer sind. So wird es also ein sehr kuschelig-romantisches Kennenlernen in der Skybar im Molotow, nicht zuletzt wegen der räumlichen Gegebenheiten.

„Zwei Astra und eine neue Band, bitte.“ – Wyvern Lingo hält die Running Order als nächstes für uns bereit. Die Ladys aus Irland überzeugen mit klaren Vocals und unglaublicher Bühnenpräsenz. Für unseren Geschmack allerdings teilweise zu Country-Club-tauglich. Was sich zum Ende der Show, mit den neueren Songs, glücklicherweise wieder legt und sehr sexy R’n’B-Vibes Platz macht.

Nichtsdestotrotz, Zeit wieder in den siebten Himmel auf Kuschelkurs zu gehen. Tom Grennan erwartet uns in der Skybar. Singer-Songwriter #2 des Abends kommt ein bisschen weniger akustisch daher und besticht durch seine krächzige Marlboro-Stimme. Wir verlieren uns in cleveren Lyrics und bluesy, soulful Indie-Sounds, das nennt man dann wohl Liebe auf den ersten Beat. Tom Grennan macht die Musik, mit der ihr euer nächstes Tinder-Date garantiert von eurem Musikgeschmack überzeugen könnt. Bleibt nur zu hoffen, dass es in nach seiner fast ausverkauften Tour in Großbritannien auch nochmal auf die andere Seite des Ärmelkanals verschlägt.

Aber leider gehen auch die schönsten Konzerte viel zu schnell vorbei und wir landen im Karatekeller des Molotow, auf der Bühne vor uns Francobollo. Vier Briten, die handgemachten Indie-Rock-Alternative-Post-Punk-Pop-Irgendwas machen und ja, sie machen es verdammt gut. Zeit ein bisschen zu tanzen, das ist diesen Abend bis jetzt leider dezent kurz gekommen. Das ist Musik, wie für das abgefuckte China-Flair des Molotow gemacht – rotzig, edgy, wenig Vocals, überzogen, trotzdem melodisch.

Der nächste Act ist Be Charlotte, der Inbegriff eines britischen Pop-Sternchens in der Indie-Szene. Ein bisschen Piano, ein bisschen Robo-Voice, ein paar „fancy Beats“. Uns ein bisschen zu klischeehaft, aber nicht zwangsläufig schlecht. Am besten macht ihr euch selbst ein Bild, wir genehmigen uns in der Zwischenzeit eine Zigarette und Brokkoli-Cheese-Nuggets bei Hessburger.

Frisch gestärkt geht es, mit zwei Molotow Cocktails bewaffnet, wieder in den Keller, diesmal zu Albert af Ekenstam, unseren alten Bekannten vom Reeperbahnfestival 2016 – schön euch wiederzusehen! Uns erwartet folkiger Post-Punk at its best! Melancholische Gitarrenklänge, grandiose Soundarrangements, intensive Vocals und berührende Lyrics. Selten war Musik so gänzlich spürbar für uns, was nicht zuletzt der phänomenalen Akustik im Molotow geschuldet ist.

Der Abend erreicht schließlich seinen Zenit mit dem Auftritt von The Magic Gang. Vier Indie Boys aus Brighton. Punkt. Wir tanzen sehr viel, weinen ein bisschen vor Rührung, lachen nicht gerade wenig, trinken Mexikaner und kommen zu dem Entschluss, dass über guten Indie-Pop einfach schon alles gesagt ist – zumindest für diesen Abend.

Ob wir nochmal auf einen Abend voller musikalischer Blinddates gehen würden? Unbedingt!

Hanna Rose

Wahl-Hamburgerin mit einem Faible für Gin und Anglizismen.

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