Schrottgrenze – Glitzer auf Beton [Album-Review]

Es ist in aller Munde: Wir leben in einer heteronormativen Gesellschaft, schließen aus, beurteilen, verurteilen und meinen, immer unseren Senf dazugeben zu müssen. Dabei ist doch völlig irrelevant, wer wann wen in den Mund nimmt.

Auf ihrem neuen Album „Glitzer auf Beton“, das am 20. Januar erscheint, haben Schrottgrenze es geschafft, die passenden Worte in den Mund zu nehmen, um auf den Punkt zu bringen, worum es in dem ganzen Diskurs um sexuelle Orientierungen, Selbstverständnis und -wahrnehmung eigentlich gehen sollte, nämlich darum, dass Liebe und Sex bunt sind, genau wie wir: „Wir fallen runter wie Glitzer auf Beton und mal’n die Stadt so bunt wie wir eben sind“. So heißt es im Opener des neuen Albums, der ziemlich abrupt endet und dem letzten Satz damit besonderes Gewicht verleiht.

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Weitere Stolpersteine werden in den 12 leichten und fröhlich anmutenden Pop- und Indierock-Songs des Albums ausgespart, sodass sich ein gewisser Kontrast zwischen tiefgründiger Textthematik und Ohrwurmcharakter der Gitarrenriffs, Basslinien und Schlagzeug-Untermalung ausmachen lässt.

Die Songs scheinen da ein wenig weichgespült, aber letztlich sind sie das Ergebnis des Versuchs, einem komplexen Diskurs einen Sound zu geben, in dem versunken, zu dem aber auch getanzt werden kann. „Wenn ich von einem binären Geschlechtssystem spreche, ist das einfach nicht funky. Wir mussten erst eine Form finden, in der das für uns funktioniert“, so Sänger und Gitarrist Alex Tsitsigias. Und das ist der Band gelungen, die mit „Glitzer auf Beton“ ein Album liefert, dessen Texte in enger Zusammenarbeit von allen vier Bandmitgliedern entstanden sind.

Da passt es doch eigentlich ganz gut, dass die Musik nicht anstrengend zu hören ist, sondern von Liebe, Menschen und Geschlechterkonstruktionen so selbstverständlich erzählt, wie deren Existenz nun mal ist und auch angenommen werden muss!

„Weil Geschlechter konstruiert sind
und wir sie nicht leben müssen“ – „Sterne“

Ohne Aufriss, einfach klipp und klar und nachvollziehbar. Dabei richtet sich „Glitzer auf Beton“ nicht nur an diejenigen, die sich mit der Thematik gerne befassen, an Leute, die sich der Queer Community zuordnen oder sie unterstützen, sondern auch an Menschen mit Vorurteilen, denen die Band die Message „Lieb doch einfach, wen du willst“ (Sterne) entgegen trällert.

Am Ende geht es um Dich und Mich, um alle, die wir mal Kinder waren und oder auch noch sind. Sich ausleben ist gesund, sich (zurecht)finden wichtig, wobei der Weg zu sich selbst nicht von anderen versperrt werden darf.

„Und nichts hat jetzt mehr Gewicht
als das Morgensonnenlicht
ein Kuss und du und ich
auf unser’m Weg ins Ich“ – „Glitzer auf Beton“

Darum geht’s, das ist wichtig und nicht das pausenlose Ausdiskutieren von Geschlechtern und Sexualitäten.

Was Schrottgrenze mit ihrem neuen Album bieten, ist glitzernde Rebellion, die Aufforderung zum Austreten aus der heteronormativen Komfortzone und Konfrontation mit Natürlichkeiten, die genauso verhandelt werden müssen. Aufbrechen und ausbrechen und das in den schönsten Worten.

„Mit dir noch einmal an der Mauer steh’n,
auf deinen Schultern bis nach drüben seh’n
sich dahin wünschen, wo wir niemals war’n,
alles vergessen, einfach fahr’n“ – „Christiane“

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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