Odd Couple – Flügge [Album-Review]

„Haste Strom, haste Licht“. Soweit klar. Und haste das neue Album von Odd Couple, haste 45 Minuten Starkstrom. So. Das Debütalbum des Berliner Duos ist gerade einmal ein Jahr alt und zack – gibt es Nachschub. Der Erstling trug den liebenswerten Titel „It’s a Pressure to Meet You“. Nun folgt „Flügge“ und der Druck hat mit Sicherheit nicht abgenommen. Wie gerne schreibt man über Bands, sie seien „erwachsen“ geworden, hätten sich „emanzipiert“. Odd Couple sind jetzt „Flügge“. So einfach ist das.

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Vierzehn kantige, satte Songs haben Jascha Kreft und Tammo Dehn auf die Platte gepackt. Rock ’n‘ Roll. Ein bisschen Garage, ein bisschen Kraut, ein bisschen laut. Eine ungehörige Platte, die von besagter Single „Haste Strom, haste Licht“ angerissen wird und in deren Mitte die hervorragenden Tracks „Très Mello“ und „Orbit Traveller“ eingebettet sind. Dreizehn verschiedene Instrumente haben Odd Couple nach eigenen Angaben auf dem Album zu zweit eingespielt. Angenehm unzeitgemäß klingen die, wummern und dröhnen. Auf vier der vierzehn Songs singen Kreft und Dehn auf deutsch. „Gedächtnismann“ ist einer von ihnen. Ein kleiner Schnipsel, eine kurze Notiz: „Gedächtnismann, erinnere mich daran, dich zu vergessen.“ An anderer Stelle klagen sie über die furchtbare Leere im „Gehirnkasten“: „Ich hab‘ einfach keine guten Ideen mehr. Weißt Du, ich bin einfach nur so jemand, der funktioniert   – irgendwie.“

Die beiden Jungs von Odd Couple, die sich seit ihren Kindertagen in Ostfriesland kennen und irgendwann in Berlin gestrandet sind, sind fabelhafte Texter. „Du weißt genau, dass es so nicht weiddergehen kann“, wispern sie im Titel-Song „Flügge“ mit größtmöglicher norddeutscher Schnoddrigkeit. Und immer wieder stellen sie den Verstand auf harte Zerreisproben: „When you see someone waving his hand – how do you know that it’s really his hand?“ Stimmt eigentlich. Gut, dass mal jemand fragt.

Nicht alle Songs auf „Flügge“ bereiten freilich gleichermaßen Freude. Dafür kann man beim Hören wunderbar abbiegen, auf diesem Album und sich jedes Mal in einer anderen Ecke der Platte verlieren. Mal klebt man bei einem Tanzstück wie „Tubes&Wires“ fest, mal bei einer besoffenen Westernhymne wie „Serve“, dem genervten Geschrammel von „Gehirnkasten“ oder dem Instrumental „Been Solid“. Bei einer so wechselhaften Tracklist muss man mehrmals hinhören. Sollte man auch.

Lasse

Lasse studiert Literaturwissenschaft. Und liest. Und hört Musik.

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