Mura Masa in Hamburg [Konzert]

„Wer braucht Robin Schulz, wenn man Mura Masa haben kann?“, fragt sich der Musikexpress. Wir fragen uns: Wer möchte mit Robin Schulz verglichen werden, wenn er sich eigentlich musikalisch in völlig anderen Sphären bewegt?

Nun denn, machen wir uns also selbst ein Bild. Mura Masa am Mittwoch, den 9. November im Übel & Gefährlich in Hamburg. Was wir erwarten? Na dieses Newcomer DJ-Klischee-Dings halt, ein Kerl Ende 20 hinter einem Mac Book Pro, vor ihm kreischende Teenie-Girls. Was wir zu sehen bekommen überrascht uns: Alex Crossan alias Mura Masa ist süße 20 Jahre jung, Brite, Elektroproduzent, Songwriter, Multi-Instrumentalist und  unterwegs für sein eigenes Label Anchor Point Records, das Mac Book suchen wir vergeblich auf der Bühne. Dafür finden wir ein Sammelsurium an Drums, ein Keyboard und eine Sängerin mit Rastazöpfen; im Publikum tatsächlich mehr Yuppie-Boys als kreischende Teenie-Girls. Bleibt nur noch die ewig gleiche Frage, die Shows von DJ-Livesets immer mit sich bringen: Hält es live, was es digital verspricht?

Auch Mura Masas Karriere startete 2014, wie die vieler Electro-Artists, mit einem Mixtape auf Soundcloud, später vertrieben und groß gemacht vom deutschen Label Jakarta Records. Damals noch ohne Vocals, sehr experimentellem Sound und ohne klare Linie. Als Mura Masa ein Jahr später mit der EP „Someday Somewhere“ sein Debut veröffentlicht, hat sich das geändert. Vocals dominieren und die sieben Songs fügen sich zu einem harmonischen großen Ganzen. Außerdem holt Mura Masa einen alten Bekannten zurück in unser Bewusstsein – das Xylophon. Fast schon in Vergessenheit geraten, den meisten eher aus Stadt, Land, Fluss – „Ein Beruf mit X? – Xylophonspieler“ – bekannt, aber nicht gerade die typische Assoziation mit elektronischer Musik. Wir werden an diesem Abend mehrmals vom Gegenteil überzeugt, wer dies ebenfalls tun möchte, dem legen wir das Video „Night Swimmers“ von den Foals in der Mura Masa Edition wärmstens ans Herz. Für seine neuste Single hat sich der junge Brite prominente Unterstützung aus Amerika geholt, kein geringerer als A$AP Rocky sampelt den Track „LOVE$ICK“.

Das Konzept der Liveshow überzeugt. Im Hintergrund Alex Crossan zwischen Drumset und Keyboard, im Vordergrund seine erstaunlich gute Sängerin, die eine ebenbürtigen Ersatz für NAO und A$AP Rocky darstellt. Die Musik absolut tanzbar, komplettiert durch eine beeindruckende Lightshow, dass sogar die eigentlich eher dürftige Akustik im Bunker nebensächlich wird. Die Robin-Schulz-Analogie ist also vollkommen zu Unrecht gewählt, wir sind uns sicher, diese Musik würde am Ballermann niemand feiern und das ist auch gut so! So können wir also mit gutem Gewissen behaupten: Ja, es hält live, was es digital verspricht und die knapp 20€ für ein DJ Liveset sind gut angelegt.

Upcoming Shows in Deutschland gibt es aktuell leider keine, aber wir sehen in Mura Masa einen heißen Kandidaten für die Festivalsaison 2017, zumal kommendes Jahr auch noch ein angekündigtes Debüt-Album fällig ist – man darf also gespannt sein.

Hanna Rose

Wahl-Hamburgerin mit einem Faible für Gin und Anglizismen.

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