Júníus Meyvant im Vera in Groningen – [Live]

Nachdem wir ihn jetzt schon mehrmals auf Reissnadel durch die Decke gelobt und mit einem weinenden Auge zwei Tickets für seine Deutschlandtour an jemanden von euch verschenkt haben, mussten wir ihn früher oder später auch unbedingt selbst live sehen. Letzten Mittwoch war es so weit: Júníus Meyvant spielte im Vera in Groningen. Wir waren da!

Und schon beim Ticketkauf kamen Fragen auf, die wir uns vorher so nie gestellt hatten: Wie schafft der Isländer es eigentlich seinen gigantischen Pop, den Bombast und Pomp seine Platte quer durch Europa zu tragen? Hat er eine Bigband? Oder ist in den Clubs einfach alles ganz anders? Ganz intim vielleicht? Nur mit Gitarre und einer seichten Begleitung von ausgewählten isländischen Singer-Songwriter-Freunden?Junius Meyvant Vera GroningenDie Antwort war so einfach, kompakt wie auch ein wenig desillusionierend: Synthies. Vier an der Zahl: Chor, Bläßer, Streicher, E-Piano. Da hätten wir auch vorher drauf kommen können. Die gute Sache daran: Tatsächlich standen die Songs den Aufnahmen auf der Platte in nichts nach. Alles war genau da, wo wir es nach den unzähligen Runden, die “Floating Harmonies” mittlerweile auf dem Plattenteller hinter sich gebracht hat, erwarteten. Unnar Gísli Sigurmundsson, wie Júníus Meyvant eigentlich heißt, seine beiden Brüder an den Keyboards und die restliche Band haben perfekt gespielt, definitiv. Und es ist wohl schlicht der Komplexität der Songs auf “Floating Harmonies” zuzuschreiben, dass sie sich leider vergleichsweise wenig Freiraum nahmen, um zu experimentieren und um den Songs – die ich unbedingt trotzdem als grandios empfunden wissen möchte – live nochmal eine andere Note zu geben.

Aber: Was musikalisch vielleicht ein wenig auf der Strecke blieb, machte Júníus Meyvant in den Ansagen wieder gut. Wer glaubt, dass Briten einen trockenen Humor haben, der kennt offenbar keine isländischen Musiker: “We invited some guys from a skate shop, we went to yesterday. But I can’t see any of them. Please, they were on the guestlist?! Bastards!”

Und so wechselte sich exzellenter – ja, das ist in diesem Fall tatsächlich die passende Vokabel – Pomp-Pop (während der Songs), mit vulgärem Prollo-Gehabe und surrealen Gedankenfetzen aus Meyvants Leben (zwischen den Songs) ab. Oder wie der Sänger sagte: “Was a fucking amazin‘ day!”

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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