Warhaus – We Fucked A Flame Into Being [Album-Review]

Ein gutes Album braucht keine passende Stimmung. Nein, ein gutes Album bringt dich innerhalb der erste Minute des ersten Songs in die Stimmung, die es gerne von dir hätte. Und zwar mit Nachdruck. Maarten Devoldere liefert mit dem Debüt seines Solo-Alter-Egos Warhaus ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Und der bildhafte Titel “We Fucked A Flame Into Being” – ein Zitat aus dem Roman “Lady Chatterleys Liebhaber” von D.H. Lawrences – lässt wohl absolut keinen Zweifel daran, um welche Stimmung es sich dabei handelt.

Hauptberuflich kennt man Maarten Devoldere als einen der Songschreiber und Sänger von Balthazar. Und natürlich hört man der Musik von Warhaus das deutlich an. Wie auch mit Band glänzt die Musik durch eine unglaubliche Dynamik und einen ausgeprägten Mut zur Lücke. Sekundenlange Pausen und dann ein behäbiges aber konsequentes Wieder-anlaufen. Nur, wo sonst Jinte Deprez – als Konterpart von Devoldere – das totale Abdriften in die Abgründe der Verruchtheit verhindert, da fängt dieser auf “We Fucked A Flame Into Being” gerade erst an. Warhaus We Fucked A Flame Into Being ArtworkDurch acht der zehn Songs begleitet uns der dunkle, wie immer etwas neben dem Takt sitzende Gesang von Devoldere. Er zelebriert die Freiheit, die er bei Warhaus hat und gibt sich völlig der unterschwelligen Erotik und dem Drama hin. Das fängt schon bei der Instrumentalisierung an: Kontrabass, Klavier, Gitarre, Streicher und ein paar vorsichtig platzierte Gesangs-Samples – als einzige Zeugen der Zeit. Schnell entwickelt sich beim Hören eine angenehme Retro-Romantik.

Die beiden Instrumentalstücke “Beaches” und “Wanda” legen auf die klassischen Songs des Albums atmosphäretechnisch aber sogar noch einen drauf. Gerade ersteres ist die Essenz des Soundtracks eines jeden Oldie-Agenten-Thrillers. “We Fucked A Flame Into Being” klingt auch ganz ohne Fähigkeit zur Synästhesie faszinierend schwarz-weiß. Und wie die ersten vorsichtigen Gehversuche der Erotikbranche wirkt es schlüpfrig und irgendwie gefährlich.

Warhaus – Tourdaten:

  • 21.-24.09.2016 Hamburg – Reeperbahn Festival
  • 18.10.2016 Köln – Gebäude 9
  • 19.10.2016 Berlin – Postbahnhof
  • 20.10.2016 Frankfurt – Brotfabrik
  • 21.10.2016 München – Strom
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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