Lola Marsh und Phela & Tex im Kulturzelt in Kassel [Live]

Den meisten ist Tex wohl als Kopf und Moderator der Internet-Musikshow TV Noir bekannt. Dabei macht Christoph Drieschner, wie der Mann eigentlich heißt, schon viel länger selbst Musik, als andere beim Musikmachen in Schwarz-Weiß zu interviewen. Am Mittwoch war er – für uns sehr überraschend, denn wir waren eigentlich wegen Lola Marsh da – zusammen mit der befreundeten Musikerin Phela und ihrer Band im Kulturzelt in Kassel und hat bewiesen, dass er wohl auch locker hätte hauptberuflich Musiker werden können, wenn das mit der Moderatoren-Karriere nicht geklappt hätte.

Eine Stunde lang wechselten Phela, Tex und ihre Band ständig von der Bühne auf die Stühle neben dieser und spielten in den unterschiedlichsten Besetzungen die ehrlichsten deutschen Popsongs, die wir seit langem gehört haben. Dazwischen erzählten die beiden Anekdoten aus den letzten Jahren, in denen sie mehrmals gemeinsam auf Tour waren. Wenn der eine spielte, hörte der andere aufmerksam von der Seite zu. Diese Stunde fühlte sich definitiv nicht wie ein klassischen Pop-Konzert, sondern eher wie ein gemeinsamer Abend von Freunden an, dem wir von außen zuschauen durften.

Ok, zugeben verloren sie sich während dieses „Abends mit Freunden“, wie sich das dann eben gehört, zwischendurch auch mal ein wenig im Kitsch. Da schwirrten dann kurz Namen wie Pur durch unsere Köpfe, wir fühlten uns beim Gutfinden ertappt. Aber halb so wild, denn am Ende wollten Phela und Tex nicht kitschig sein und spielten nicht bewusst mit großen, abgedroschenen Bildern, sondern nahmen einfach hin, dass das Leben eben manchmal kitschig ist. Und dann darf man das wohl auch so besingen.

Phela & Tex auf der Volksbühne in Berlin:

Lola Marsh hatten da direkt einen anderen Anspruch. Gerade im Kontrast zu der Stunde des Konzertes davor, wirkte der Sound der israelischen Band erstmal viel glatter, definierter und kalkulierter. Das war Pop. In Reinstform. Lola Marsh überließen nichts dem Zufall, sondern waren Profis durch und durch.

Sängerin Yael Shoshana Cohen war sich – und das darf sie auch definitiv – zu jedem Moment ihrer unglaublichen Stimme bewusst. Sie steuerte den Sound der Band. Mal ein bisschen Boy, dann plötzlich jede Menge Lana Del Ray. Mal ganz leichter Sommer-Pop, dann tiefe Theatralik. Alles in ihrer Stimme, gehüllt in oft riesige Klangteppiche aus Gitarren- und Synthiesounds, die leider sowohl die Theatralik, als auch die aufkeimende Sommerlaune immer wieder auf ein emotional leicht verdauliches Mittelmaß herunter dimmten und das Konzert damit zwar ok, aber nicht großartig werden ließen.

Bis dann Yael und Gitarrist Gil Landau, die beiden Gründer von Lola Marsh, nur noch zu zweit auf der Bühne standen. Nur noch Gitarre und Gesang. Da war es dann doch kurz, das was die unzähligen Live-Sessions, die auf Youtube zu finden sind, versprechen. Der ehrliche und frische Kern von Lola Marsh.  Klar war es weiterhin Pop. Klar war es im Vergleich zu Phela & Tex weiterhin irgendwie kalkuliert. Aber trotzdem war damit auch klar, dass Lola Marsh den Status als „coolste Band Tel Avivs“ definitiv verdient haben.

Lola Marsh Livesession:

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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