Binyo – Der Steg ist das Ziel [Album-Review]

„Ich hab mir diesen Weg ausgesucht, aber jetzt weiß ich nicht mehr, wo ich bin – verdammt!“ 

Dass wir uns immer nach dem sehnen, was wir gerade nicht haben, dürfte so ziemlich jede_r schon einmal am eigenen Leib erfahren haben. Ob in Büchern, Filmen oder auch Liedern, gezeigt, gesagt und gesungen ist diese Tatsache ebenfalls zu Genüge. Zuletzt von Passenger in seiner Ohrwurm-Ballade: „Let Her Go“, die im Radio rauf und runter lief.

Man könnte also meinen, das Thema sei ausgeschöpft, da könne niemand mehr um die Ecke gebogen kommen und dem Ganzen noch mal einen neuen Anstrich geben. Kann aber doch. Das beweist Binyo auf seinem Debütalbum „Der Steg ist das Ziel“ in 13 Songs, die zum Teil nicht unterschiedlicher sein könnten.Binyo Der Steg ist das Ziel Album CoverBinyo singt auf deutsch, das ist schon mal anders als Passenger. Ohrwurm-Charakter kann er allerdings auch und zwar nicht nur bei den ruhigen Balladen, von denen sich zwei auf seinem Debüt-Album finden lassen, die durchaus das Potenzial für nasse Wangen haben.

Binyo reizt nicht etwa ein altbewährtes Thema aus, sondern erzählt Geschichten aus dem Leben eines jungen Mannes, der weiß, wie es ist, Entscheidungen zu treffen und sie später kritisch zu hinterfragen. Seine Lieder erzählen von vergangenen Zeiten und von der Gegenwart. Von Menschen, wie sie jede_r kennt: Arschlöchern, schönen französischen Mädchen, kleinen Kindern, für die das Ausbleiben der gewohnten Milchflasche am Abend einen Super-GAU bedeutet. Er erzählt mit Gefühl, mit Witz und vor einem immer wechselnden und konstant die Stimmung des Textes auffangenden Klang-Hintergrund.

Gitarre, Schlagzeug, Bass, wenn es gerade passt gerne auch mal eine Geige oder ein paar Bläser. Im Sound mal fröhlich-frisch, tanzbar und schnell. Und dann ruhig und ein wenig melancholisch, sodass Binyos Stimme in den Vordergrund rückt und den Text für sich sprechen lässt.

„Ein paar Feder auf dem Kopf und er wird Häuptling. Ich hab vergessen, wie das ging. Auch ich war irgendwann wie du, bitte glaub mir das. Lang her, dass ich mit Mal-Kreide glücklich auf der Straße saß“

Dass die Stimme in den Höhen auch mal an ihre Grenzen kommt, macht einmal mehr  darauf aufmerksam, dass die Geschichten, die da erzählt werden, Gefühls-geladene Alltäglichkeiten sind und Binyo ein ganz normaler junger Mann, der nur einfach besonders talentiert darin ist, diese Alltäglichkeiten in Worte zu fassen, musikalisch zu untermalen und dadurch Lieder zum Mitsingen, Lachen und Nachdenken zu schaffen.

Am Ende bringt es nichts, sich nach den Dingen zu sehnen, die in der Vergangenheit liegen. Jede Entscheidung, die wir treffen, ist eine richtige Entscheidung, allein dadurch, dass wir sie treffen. Wenn die Sehnsucht zurück an diesen einen Moment, in dem die Wahl noch besteht, nach links oder rechts abzubiegen, allerdings solche Lieder entstehen lässt, wie Binyo sie auf seinem Debütalbum „Der Steg ist das Ziel“ versammelt hat, so soll sie bitte nie vergehen!

Binyo – Wohlstand:

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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