Das war unser Rocken am Brocken-Festival!

Kuchen, Konfetti, Knallermusik – das Rocken am Brocken Festival hat letztes Wochenende seinen zehnten Geburtstag gefeiert und wir waren dabei.

Von der A7 kommend, Abfahrt Göttingen lassen wir uns auf der B27 durch den Harz treiben. Die Harzer Berge und Wiesen präsentieren sich in ihrem schönsten Geburtstagsgewand und mit dem kleinen Kurort, den wir passieren, kommt ein wenig mehr Urlaubsstimmung auf. Unser Ziel – das Rocken am Brocken Festival in Elend bei Sorge.

Das Festivalgelände liegt inmitten eines Naturschutzgebietes am Rande des Nationalparks Harz. Auf dem Parkplatz angekommen blicken wir auf eine Zeltstadt umgeben von tiefgrünen Tannenwipfeln. Das Festival glänzt nicht nur mit einer idyllischen Lage sondern auch mit kurzen Laufwegen zwischen Parkplatz, Zeltplatz und Infield. Die Atmosphäre ist entspannt-familiär, wir sind also gespannt was das Festival, welches sich „Natur. Musik. Freundschaft“ auf die Fahnen schriebt, in den nächsten drei Tagen so für uns bereithält.

Zur Geburtstagssause spielen insgesamt 70 Bands und DJs auf fünf Bühnen auf. Den Auftakt am Donnerstag machen Odeville, mit ihrer vertonten Leuchtreklamenpoesie erinnern sie ein bisschen an Kettcar und Tomte. Weiter geht es mit dem Hamburger Musikprojekt MEUTE, eine elfköpfige Blaskapelle macht Techno und es hört sich gar nicht mal so übel an – auf jeden Fall zu gut für den doch eher bescheidenen Slot am frühen Donnerstagabend. Es folgt ‚the guardian: band of the week No. 56 – Georgia’  “clean but dirty and dark at the same time”. Danach kommt eine atmosphärisch etwas deplatzierten Sophie Hunger. Gerettet wird der Abend dann letztendlich durch Kakkmaddafakka, irgendwo zwischen Energie und Euphorie, Trash und Sixties. Anschließend laden der Zauberwald und die Hexenhütte, zum Durchtanzen bis in den Sonnenaufgang, ein.

Der Freitag beginnt dann, wie Freitage auf Festivals eben so beginnen, um 14 Uhr mit Dosenravioli und lauwarmem 5,0er bei einer Runde Flunky-Ball mit den Zeltnachbarn. Kulturelles Kontrastprogramm wird allerdings in Form von Radioballett, als interaktive Performancekunst einer komplett verdrehten Gesellschaft, geboten. Das Bühnenprogramm des Freitags gestaltet sich, gebührend des zehnjährigen Wiegenfestes, wie eine große Familienfeier aus alten Bekannten und neuen Geliebten – Brett, The Secnd, Razz, Giant Rooks, Antilopen Gang – um nur einige von ihnen zu nennen. Das Highlight des gesamten Festivals sind für uns allerdings Friska Viljor, langjährige Freunde des Festivals durften sie natürlich auch auf der Geburtstagsparty nicht fehlen. Als Geschenk haben sie extra eine neue Bühnenshow für diesen Anlass komponiert und wir müssen sagen, so viel Liebe, Herzschmerz, Euphorie und ganz, ganz große Gefühle hat lange keine Indie-Band mehr auf die Bühne gebracht. Und während ihr gerade schon eifrig den Bandnamen – ja wir haben übrigens auch keinen Plan wie man das ausspricht – in das Musikportal eures Vertrauens hämmert, legen wir euch wärmstens ans Herz, sucht lieber nach dem nächsten live Gig in eurer Nähe.

Das restliche Bühnenprogramm des Samstagabends wird maßgeblich von deutschen Texten und elektrischen Gitarren geprägt, nachdem wir bei Schluck den Druck kurz im Schokoladenregen tanzen, verschlägt es uns dann doch wieder in die Hexenhütte zu Prismode – Eine akustische, visuelle und emotionelle Gesamterfahrung, die wir nicht mehr missen möchten.

Samstagmorgen, 9:30 Uhr, der Wecker klingelt. Grundlos nehmen wir die Strapazen des frühen Aufstehens natürlich nicht auf uns, nein, es folgt eine ganz besondere Form der sinnlichen Naturwahrnehmung – eine geführte Akustikwanderung durch den Harz. Musik und Natur haben wahrscheinlich selten besser harmoniert als auf diesem Akustikpfad. Wir halten fest – eine sehr angenehme Weise, den Kater der letzten Nacht zu überwinden. Wieder zurück auf dem Festivalgelände darf natürlich eine kleine Stärkung nicht fehlen, es ist Handbrotzeit.

Vor die Bühne schaffen wir es leider erst wieder am frühen Abend zu Kapelle Petra, ihr Song „Geburtstag“ scheint uns eindeutig die Hymne des Wochenendes zu sein. Weiter geht es mit den KYTES – müssen wir nichts mehr zu sagen, außer „Liebe“, oder?! Von wegen Lisbeth waren dann leider der Beweis dafür, dass das Slot- und Bühnen-Timing beim RaB , auch nach 10 Jahren, noch nicht ganz ausgereift ist, never the less großartiger Auftritt. Im späteren Verlauf des Abends finden wir uns irgendwann bei The Subways wieder. Die Show ist gut, mehr aber auch nicht, und fehlt ein wenig Tiefgang und ein bisschen mehr Emotionen.

Die Nerven sorgen letztendlich dafür, dass wir das Zirkuszelt doch noch mit einem subtilen Gefühl von Glückseligkeit verlassen. Unser Abend endet mit Indie.Disko.Gehen, dem Kollektiv Ost und Wehmut im Herzen über das rasche Ende, der Geburtstagssause.

Und was bleibt am Ende übrig, außer einem Häufchen Konfetti und drei warmes Dosen 5,0er? Die Erkenntnis, dass wir alle mehr auf Indie-Partys gehen sollten, dass der Harz mehr ist als ein Ferienidyll für Rentner und Familien, dass es Handbrotzeit-Filialen in jeder größeren Stadt in Deutschland geben sollte, dass kleine Festivals die schöneren Festivals sind und dass wir uns schon auf das nächste Jahr bei Rocken am Brocken freuen, denn Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Hanna Rose

Wahl-Hamburgerin mit einem Faible für Gin und Anglizismen.

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