Margaret Glaspy – Emotions And Math [Album-Review]

Ein junges, schmales Mädchen betritt die Sear Sound Studios in New York. Sie zieht einen Stuhl vom Tisch zurück, greift in einen alten Gitarrenkoffer, um ihr Instrument herauszunehmen und beginnt ein paar Songs zu spielen. Nach gut einem Dutzend legt sie die Gitarre zu Seite. “Dazu brauch ich so ein bisschen Background. Ein wenig Schlagzeug und Bass, mehr nicht. Den Rest mach ich.” So in etwa stelle ich mir den ersten Studiobesuch von Margaret Glaspy vor, als sie nach Jahren der Bastelei endlich entschied, ihre Musik auf kleine, silberglänzende und große, schwarze Plastikscheiben pressen zu lassen und vorne Emotions And Math drauf zu schreiben.Margaret_Glaspy_Emotions_And_Math_Album_CoverDenn mit diesem Debüt legt die 27-jährige – und das traut sich zur Zeit wirklich nicht jede Künstlerin – ein echtes Rockalbum vor. So richtig echt echt. Ohne doppelten Boden. Ohne nachträgliche, akustische Photoshop-Kur zum Entfernen der kleinen Makel. Für ein Debüt in der Popwelt ist es erstaunlich kompromisslos. Durch die offensichtliche verordnete Zurückhaltung von Schlagzeug und Bass auf das Minimalste, das konsequente Weglassen von jeglicher künstlicher Aufdickung, hinter der sie sich verstecken könnte, und den absoluten Fokus auf ihren Gesang und die schweren bluesigen Gitarrenriffs macht Margaret Glaspy sich auf Emotions And Math verletzlich. Und zum Glück verletzlicher als sie es nach alten Produktionsgesetzen müsste. Wenn ihre Stimme ausbricht – ob nach oben oder auch gerne in die rotzige Heiserkeit – oder das Riff eben nicht ganz sauber klingt, dann wird Emotions And Math besonders und unglaublich stark!

“Tonight I’m a little bit to turned on, to talk about us. And tomorrow I will be to turned off and don’t give a fuck.” – You and I, Margaret Glaspy

Auch, weil Margaret Glaspy, ganz ihrer eigenen Musik folgend, in den 12 Songs textlich nicht an Ehrlichkeit und Direktheit spart. Statt zwanghaft nach großen Themen und Bildern zu suchen, die beeindrucken und anbiedern sollen, bewegt sie sich zwischen vermeintlich Plumpen, wie pubertär verunsichertem Trotz (Situation), klischeehafter weiblicher Verunsicherung (You Don’t Want Me) und einem deutlich ausgewachsenen weiblichen Selbstbewusstsein (You And I). Damit erfüllt Emotions And Math wahrscheinlich weder textlich noch musikalisch die Erwartungen, die viele an eine 27-jährige Kalifornierin mit Gitarre und ihr erstes Album haben. Und das ist wohl das beste daran.

“You haven’t got a clou, so don’t tell me what to do!” – Situation, Margaret Glaspy

Tourdaten – Margaret Glaspy

(*supporting BOY)

  • 25.08. Hanau – Amphitheater *
  • 26.08. Köln – c/o pop Festival
  • 27.08. Bochum – Zeltfestival Ruhr *
  • 30.08. Rees-Haldern – Haldern Pop Bar
  • 31.08. Berlin – Fluxbau, Bergfest Spezial
  • 01.09. Nürnberg – Serenadenhof *
  • 14.11. Köln – Yuca
  • 15.11. Wiesbaden – Schlachthof
  • 16.11. Hamburg – Molotow
  • 19.11. Berlin – Privatclub
  • 21.11. München – Kranhalle
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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