Biffy Clyro – Ellipsis [Album-Review]

„Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!“ Das klingt genauso platt wie es als Lebensmotto schön ist. Hilft aber nur dann weiter, wenn man auch weiß, wie denn dieser bestimmte Traum aussieht und man überhaupt erst mal einen hat. Braucht man nämlich auch gar nicht zwingend, genauso wenig wie Hobbies, auch wenn Freund*innen-Bücher und Lebenslauf-Muster uns ein anderes Gefühl vermitteln. Wenn man nun aber eine der Glücklichen ist und herausgefunden hat, wie der große Traum konkret aussieht, gehört häufig auch eine Prise Mut, Ausdauer und Glück dazu, um den Weg bis dahin hinter sich zu bringen, ohne unsanft aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Biffy Clyro – Simon, James und Neil – haben geträumt und sich getraut und sich das, was dann kam, nie erträumen können. Eine wahrlich traumhafte Geschichte: Drei Schulfreunde gründen eine Band und bringen nach 21 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit ihr 7. Album raus. Dass nach 21 Jahren immer noch neue Ideen für Musik und Texte entstehen, ist dabei genauso beeindruckend und bemerkenswert wie die konstante Freundschaft zwischen den Musikern, die für die drei Schotten primär im Vordergrund steht, so als sei das mit der Musik mehr ein zufällig-geglücktes Nebenprodukt.

Auf Regen folgt Sonne folgt Regen.

Wäre ja auch schlimm, wenn nicht, sonst würden wir irgendwann gar nicht mehr merken, dass die Sonne scheint. Für Biffy Clyro erstrahlte die Sonne 2013 in Form ihres Doppelalbums Opposites und bescherte der Band nach sommerlichem Hochgefühl ein ziemlich brutales Tiefdruckgebiet.

Dass Erfolg auch Druck mit sich bringt, ist dabei keine besondere Überraschung. Dass die Angst vorm Scheitern hierbei nicht vor erfolgreichen Musikern Halt macht, nahezu beruhigend. Dass die Verarbeitung des Gefühlwirrwarrs über Musik stattfinden kann, die dann hoffentlich zum weiteren Erfolgskurs der Künstler beiträgt, ein sehr schöner Gedanke.

Der Wunsch nach etwas Neuem, das Erträumen einer neuen Version von sich selbst in Kombination mit der Verarbeitung von Grenzerfahrungen, die an Albträume erinnern und der Abrechnung mit Enttäuschungen ergeben zusammen 11 Lieder, die das Projekt Ellipsis abbilden. Was dabei ungesagt bleibt und welche Probleme die Musiker einfach „runterschlucken“, statt sie direkt zu nennen, kann dabei nur erahnt werden.Biffy Clyro Ellipsis Album Cover ArtworkNeue Einflüsse lassen sich jedenfalls definitiv finden, die vorgegebene Direktheit und Kompromisslosigkeit in der Verarbeitung von Enttäuschung und Frustration wirkt zuweilen allerdings wie eine Haltung, die mehr zum Schutz als aus Trotz angelegt wird.

Natürlich hat Sänger Neil Recht, wenn er sagt, dass niemand Biffy Clyro so gut kennt, wie seine Bandkollegen Ben und James und er selbst. Das macht es schwierig, überhaupt etwas zu sagen. Trotzdem möchte ich widersprechen.  Und zwar bei der Behauptung, man müsse sich mit der Tatsache anfreunden, dass das eigene Leben am Ende nicht genau so ist, wie man es sich erträumt hat. Das muss man nicht. Und eigentlich zeigt die Geschichte von Biffy Clyro genau das. Träume ändern sich vielleicht im Leben und die Regenschauer dauern manchmal länger als erwartet, aber das heißt nicht, dass man sich keinen Regenschirm kaufen und den Blick dahin richten kann, wo man hin will.

Ellipsis ist eine Sammlung, ein Projekt, in dem ausprobiert und verarbeitet wird und somit genau das, was Musik in meinen Augen sein sollte: Ein Medium, um Gefühle und Erlebnisse zu verarbeiten. Am Ende ist es deswegen eigentlich auch egal, was andere darüber sagen.

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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