Júniús Meyvant – Floating Harmonies [Album-Review]

Ein bisschen Pomp gefällig? Ein bisschen Größenwahn im gut gepflegten Retro-Chic? Diesen Freitag veröffentlicht Júniús Meyvant, der isländische (und “aus Island sein” ist ja zur Zeit pauschal erstmal immer etwas Gutes) Singer-Songwriter, der eigentlich Unnar Gísli Sigurmundsson heißt, sein Debütalbum Floating Harmonies. Und sagen wir es so: Der Mann strahlt auf seinem ersten Langspieler ein mindestens als “gesund” zu bezeichnendes Selbstbewusstsein aus. Ein Eindruck, der wohl vor allem etwas damit zu tun haben könnte, dass schon der Opener Be A Man sowohl titeltechnisch als auch musikalisch nachdrücklich das Gefühl vermittelt, hier aus Versehen den Soundtrack zu einem alten John Rambo Film oder einer Boxer-Einlaufhymnen-Compilation gekauft zu haben. Junius_Meyvant_FloatingHarmonies_coverAber keine Angst: Júniús Meyvant stellt mit dem drei Minuten Instrumentalepos am Anfang der Platte nur kurz klar, dass Floating Harmonies nicht einfach ein verträumtes und durch und durch melancholisches Folk-Plättchen aus dem dunklen, kargen Isländer Einsiedlertum ist, zu dem du Abends gut selbstmitleidig Wein aus dem Tetrapack süppeln kannst. Nein, so einfach ist es nicht! Ein passenderes Aktivitätenprogramm zu Floating Harmonies sieht spannungstechnisch wohl eher ein ständiges Wechseln zwischen aufreibendem Circletraining à la Eye Of The Tiger und einem romantischen Abendessen zu zweit bei wohlig knisterndem Vinyl vor.

Kurz: Floating Harmonies ist endlich mal wieder ein Folk-Album, zu dem es sich eben nicht einfach nur angenehm langsam eindösen lässt, sondern zu dem sich, unter dem angenehmen Druck der Staccato-Geigen, die Wohnung erst fast von alleine aufräumt und du danach entspannt mit dem Kopf wippend ins Sofa sinken und dein Werk betrachten kannst! Im einen Moment schraubt Júniús Meyvant die Streicher und Bläser nahe an die Lautstärkeekstase. Im Nächsten präsentiert er dann zu einer gezupften Gitarre wieder zaghaft  ganz den klassischen Singer-Songwriter. Wahrscheinlich aber auch nur, weil die Big-Band kurz ‘ne Pause braucht.

Júniús Meyvant – Tourdaten:

  • 02.09.2016 – Privatclub (Berlin)
  • 04.09.2016 – The Sound Of Bronkow Music Festival (Dresden)
  • 07.09.2016 – Ampere (München)
  • 09.09.2016 – Nochtspeicher (Hamburg)
  • 24.09.2016 – Kornern Festival (Köln)
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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