I Have A Tribe im Milla in München – [Live]

„Alles gut“, erklärt Patrick O’Laoghaire seinem Publikum am Abend des 20. Juni, sei sein Lieblingsausdruck in der deutschen Sprache. „The answer to everything“. Die ultimative Entgegnung. Das trifft sich gut. Denn auch an seinem Auftritt als I HAVE A TRIBE in der Münchner Milla, ist rundherum alles gut. Es ist ein wunderbarer, ein leiser und bisweilen auch selbstironischer Abend. „Passenger“, der Song, der bereits das kürzlich erschienene Debütalbum Beneath a Yellow Moon eröffnete, bildet auch den Auftakt für das Konzert in München. „If I’m not welcome in this town, where should I go to?“, fragt O’Laoghaire darin und es macht den Anschein, als würde er dabei verschmitzt in seinen Bart schmunzeln.I_Have_A_Tribe_BEneath_A_Yellow_Moon_CoverWillkommen ist er. Daran lassen die wenigen, aber aufmerksamen Zuhörer in der Milla keinen Zweifel. I HAVE A TRIBE sind neben O’Laoghaire an diesem Abend Mary-Kate Geraghty und David Hedderman. Zu dritt arbeiten sich die Iren eindringlich durch ein Set, das noch viel reduzierter ist, als ihr Album. Und das muss man erst einmal schaffen. Kein Ton ist zu viel, kein Wort überflüssig. Klar und verletzlich stehen Patrick O’Laoghaires Stimme und Klavierspiel im Vordergrund. Schmucklos im besten Sinne. An seltenen und dafür umso eindrücklicheren Stellen ergänzen Hedderman und Geraghty den Sound um Bass und zweite Gesangsstimme. Die meiste Zeit aber sitzen beide bescheiden auf dem Bühnenboden und singen leise für sich mit. Zu Beginn steht noch ein Keyboard auf der Bühne. Während O’Laoghaire seinen Tango spielt, schüttelt Mary-Kate Geraghty den Kopf und räumt das Instrument zur Seite, ohne überhaupt darauf gespielt zu haben. Ein Fremdkörper, ein unangebrachtes Gerät. Intim ist dieser Abend.

Und beeindruckend ist es, dieser vertrauten Dreisamkeit zuzusehen. Es sei ihre erste gemeinsam Tour, erzählt O’Laoghaire und man möchte es ihm nicht glauben. Die Höhepunkte des Konzerts sind ähnliche, wie auf dem Album: Cold Fact, eine nachddrückliche Familie-und-Freunde-Ode, Tango und Battle Hardened Pacifist. Und dann ist da noch Casablanca, dieses irgendwie traurige und irgendwie versöhnliche Lied, das ganze neun Minuten dauert, während derer I HAVE A TRIBE ihren Zuhörern ununterbrochen in die Augen sehen, den Kontakt nie abbrechen lassen. Kaum ist der letzte Song verhallt, kommen einem wieder die Verse aus Passage in den Sinn: „I think I’m gonna quit this game, find a new job“. Bitte nicht, Mr. O’Laoghaire.

Lasse

Lasse studiert Literaturwissenschaft. Und liest. Und hört Musik.

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