Peter Bjorn And John – Breakin‘ Point [Album-Review]

Guilty Pleasures sind Filme, Serien oder Musik, die man selbst sehr schätzt, die aber in der Öffentlichkeit kein hohes Ansehen bekommen – so das allwissende Internet. Bestes Beispiel der letzten 30 Jahre: ABBA. Bestes junges Beispiel: Justin Bieber. Meistens passiert es kompromisslos offenkundiger und absurd erfolgreicher Popmusik, dass sie in die unschmeichelhafte Situation gerät, von der Allgemeinheit in öffentlichen Debatten verschmäht zu werden. In Zeiten der krampfhaften Andersartigkeit darf Musik offensichtlich nicht anbiedern. Außer natürlich, sie tut es im Namen der Kunst und so aggressiv, dass es schon wieder sympathisch ist. Peter Bjorn & John veröffentlichten mit Breakin’ Point eines dieser Alben, die eigentlich ein bisschen zu gut ins Ohr gehen, um wirklich ernst gemeint zu sein. Verrückt ist, dass genau das ihr Ziel war.Peter Bjorn and John Breakin' Point Album CoverSchon der Ansatz für Breakin’ Point (man beachte das betont lässige Apostroph im Titel) war direkter kaum möglich. Peter Bjorn And John wollten ein Popalbum machen. Und zwar nicht einfach Pop, sondern so richtig Pop-Pop. Jeglicher Zufall war unerwünscht und  deswegen haben sie sich zur Umsetzung dieses Ziels für ihr siebtes Studioalbum das erste Mal Hilfe geholt. Und mit „Hilfe“ meinen wir hier nicht nur einen, sondern eine ganze kleine Herde von namenhaften Pop-Produzenten.Das Ergebnis der fünfjährigen Zusammenarbeit ist ein Album mit zwölf Songs, von denen einer besser ins Ohr geht als der andere. Die gesamte Platte strahlt ein gewisses – und ich möchte das hier wohlgemerkt aus mir nicht bekannten Gründen positiv verstanden wissen – “Modern Talking”-Appeal aus.

Die Strukturen der Songs sind glasklar und offenkundig anbiedernd. Alles ist einfach zu verstehen und man hat beim Hören immer wieder das Gefühl, dass die Songs eine große Sammlung von Zitaten aus Hits der letzten Jahrzehnte sind. Nur eben zu einem großen Ganzen verdichtet, statt zersplittert über Jahre wahllos in den Charts verteilt. Es gab viele prägende Sounds und Stile im Pop und auf Breakin’ Point findet man sie alle: Funky Gitarren, catchy Klavierpattern, ein wenig A Capella, Chöre und natürlich jeden auch nur denkbaren Retro-Synthie. Lediglich um die omnipräsenten Soft-House-Beats der letzten Jahre haben Peter Bjorn And John zum Glück einen großen Bogen geschlagen. Ein Umstand, der dafür sorgt, dass man ihnen den ein oder anderen Fehltritt oder etwas zu tiefen Griff in die Kiste voller staubigem Popkitsch gerne nochmal verzeiht. Und falls es doch mal zu viel werden sollte, macht man’s einfach wie bei allen gut gepflegten Guilty Pleasures und hört Breakin’ Point ironisch. Und heimlich.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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