Shipley Road in Münster – [Live]

Am Montag, den 24.05., ist Band Contest im Cuba Nova. Die Band, die am meisten begeistert, darf am 23.06. auf dem JuWi-Fest in Münster spielen. Ich bin mit Freundinnen da, um eine Freundin und ihre Bandkollegen anzufeuern. Wir kommen deutlich später als die anderen. Es läuft Musik, als wir reinkommen, sollte ja auch so sein und irgendwie ist das ganz schön gut, was wir da zu hören bekommen, auch wenn es nicht die Band der Freundin ist. Eine Mischung aus Indie, der bekannten Singer-Songwriter-Melancholie, die insbesondere vom Schlagzeug aber davon abgehalten wird, Überhand zu nehmen, und die Stimme ist definitiv nicht 08/15, sondern besonders und zwar besonders berührend.

Trotz der gewissen Ruhe und Tiefe, die sich im Raum verbreitet, auch durchaus tanzbar und so wippt die Menge und wir wippen mit. Wer jetzt genau die Musiker_innen sind, die da zu 5. auf der engen Bühne stehen, können wir dem Flyer, den es zum Eintrittsstempel dazugab, erst mal nicht entnehmen, macht aber nichts, der Name ist zunächst nicht so wichtig, Hauptsache es gibt noch mehr zu hören. Und das gibt es. Nächste Woche Mittwoch in der Pension Schmidt als Support von der englischen Band Dancing Years, da muss ich hin, also geh ich hin.

Das gemütliche Café mit Wohnzimmeratmosphäre ist mit Bänken und bald auch mit Menschen voll-gestellt bzw. -gesetzt. Sitzkonzert, die Band steht, bis auf die Schlagzeugerin, die sitzt, wie ich in der zweiten Reihe. Als die Musik einsetzt, schmeißt hinter uns ein Mädchen ein Weinglas um, das überdurchschnittlich gefüllt gewesen sein muss, jedenfalls breitet sich rasant eine enorme Rotweinlache hinter uns aus und Papiertaschentücher werden auf dem Holzboden verteilt. Die Band scheint nichts zu bemerken, jedenfalls sehen alle ganz entspannt aus. Sänger und Gitarrist Patrick steht mittig im Scheinwerferlicht und sieht auf den Fotos aus, als hätte er einen Ganzkörper- Heiligenschein. Die Rolle des erfahrenen, gefühlvollen Sängers steht ihm gut, mit Nima und seiner E-Gitarre und Elena mit ihrem Bass neben sich, steht ihm das Ganze noch besser. Und dann gibt’s da noch Sabrina am Schlagzeug, die ganz leise, sanft, behutsam und gefühlvoll, aber auch laut, schnell und aufbrausend kann, sodass die Kontrolle über den Fuß verloren geht, aber wir sind ja nicht in der Bib, wo sich jemand über einen wippenden Fuß aufregen würde. Ich haue mit meinem Kuli auf mein Schreibheft und lasse die Musik auf mich wirken. Die Reihe hinter uns hat sich inzwischen auch von der Rotweinflecken-Anspannung in die Mittwochabend-Wohnzimmerkonzert- Entspannung begeben und alle sind mit den Lippen an ihren Getränken und den Augen an den Lippen von Patrick oder den Fingern von Nima, Elena und Sabrina.
Damit haben wir zwei Musiker und zwei Musikerinnen und einen Namen: Shipley Road.

Nach der Straße, in der Patrick seine Kindheit verbracht hat. Praktisch, dass er in Kanada aufgewachsen ist, denn, wenn die Texte englisch sind, sollte es der Name auch sein, da ist sich die Band einig. „Bahnhofsstraße“ wäre meiner Meinung nach auch hübsch gewesen, aber das Argument überzeugt natürlich und außerdem sind die Straßen unserer Kindheit irgendwie wichtiger als die, in denen wir heute wohnen, weil sie mehr Bestand hatten und somit mehr Gefühl an ihnen hängt. Elena kündigt nach dem ersten Lied an, dass Shipley Road mit diesem Konzert ihr einjähriges Bestehen feiern, ein Jubiläum für die Band und ein Jubel-Jubiläum für die Freundschaft der Musikant_innen. Das ist nämlich der Ursprung der Band: Freundschaft. Erst gab es nur Patrick und Nima, dann kam Elena dazu, die die beiden aus dem Studium kannte und schließlich vervollständigte Sabrina das junge Quartett. Und dann gibt es da noch David. Der steht auch immer mal wieder auf der Bühne und hat eine Trompete in der Hand oder vor den Lippen und eigentlich steht er auch viel weniger, als dass er tanzt.

Nicht nur AnnenMayKantereit wissen, dass ein befreundeter Trompeter einem Konzert nochmal einen ganz anderen Anstrich verleihen kann und David trägt definitiv dazu bei, dass der Abend Spaß macht, trotz vieler entspannter, ruhiger Töne und zum Teil schwerer Texte, die auch durch Nimas E- Gitarre immer wieder eine befreiende Leichtigkeit eingehaucht bekommen. So lassen sich die diskussionswürdigen Fragen mit einem positiven Gefühl annehmen, das dem Grübeln Freude verleiht.

„What if our time was just a dot on a life-line?
What if some things were just to hard to live for?
Were just another excuse for us to seek another dream?“

Es überrascht und überzeugt mich gleichzeitig, als als Quelle der Songs die Spontaneität genannt wird. Das scheint sich ein bisschen durch die Bandgeschichte zu ziehen. Immerhin reiht sich in ihrer Entstehung ein Zufall an den anderen: Wäre Patrick nicht aus Kanada zurückgekehrt, hätte Nima sich für ein anderes Studium entschieden, hätte Elena sich nicht bereit erklärt, von Gitarre auf Bass umzusteigen, hätte Sabrina nicht das Video von den Musikern gesehen…

Alles dem Zufall und einer Offenheit gegenüber spontanen Handlungen verschuldet und voilá: Seit einem Jahr gibt es den Namen und regelmäßige Proben. Entsprechend sehen allerdings auch diese alles andere als durch-strukturiert aus, sondern jede_r trägt was Eigenes zu dem stehenden Text bei und am Ende haben alle „irgendetwas gemacht“, ein sympathisches Einfach-mal-machen und das, was am Ende rauskommt, kann sich definitiv hören lassen. Aus der Situation heraus den Texten den passenden musikalischen Rahmen verschaffen und, um der Kreativität dann mal auf die Sprünge zu helfen, ist für demnächst ein Kreativ-Wochenende angesetzt. Die Ergebnisse zeigen sich dann hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft in einem Album, das sich zu der EP „The Circle“ gesellen kann, deren Cover einen Eindruck davon vermittelt, welche kanadische Idylle (die) Shipley Road auszeichnet.

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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