The Kills – Ash & Ice [Album-Review]

Sie waren weg. Sie waren sogar verdammt lange weg. So lange, dass man nicht selten traurig zu Hause vor den Platten von Midnight Boom und Blood Pressure saß und sich langsam Stück für Stück damit abfand, dass da wohl nichts mehr von The Kills nachkommen wird, schließlich liegt das letzte Album fast fünf Jahre zurück und seitdem hat man nicht wirklich etwas von den beiden gehört. Ach, wie schön es ist, wenn solch lange und mühsam erarbeiteten Erwartungen dann doch enttäuscht werden: The Kills sind wieder da. Mit Album und Singles und sogar ein paar Tourdaten! Ash & Ice heißt die neue, fünfte Platte des britisch-amerikanischen Duos und man hört ihr an, dass sie gerne da weitermachen würde, wo Album Nummer Vier aufgehört hat.The Kills Ash & Ice Album CoverDas liegt wohl auch daran, dass The Kills 2011 keinesfalls entschieden hatten, dass sie einen künstlerischen Dornröschenschlaf halten sollten, sondern durch einen Unfall, der Jamie Hinces Hand jegliche Fähigkeit zum Gitarrenspielen raubte, dazu gezwungen wurden. Nach vier Jahren in denen er sich Bund für Bund zurück an die Saiten gearbeitet hat, begann das Duo direkt mit den Aufnahmen für Ash & Ice, dem man den harten biografischen Einschnitt gar nicht so extrem anhört, wie zunächst erwartet.

The Kills bleiben weitestgehend bei ihrem alten, zugegebenermaßen verdammt wohlschmeckenden, Rezept aus extrem geradlinigen und reduzierten Strukturen und einer großflächig über alle Songs gestülpten leicht überheblichen Lässigkeit. Nur das nötigste wird aufgenommen und Schnörkel sind nur dann erlaubt, wenn sie mit noch mehr Zerre auf der Gitarre, noch mehr Druck untenrum, oder noch klirrenderen Becken um die Ecke kommen. Die kleinen Ausreißer aus diesem Konzept, wie der Chorus von Hard Habit To Break, wirken mit ihrer im Vergleich feinen Melodik fast wie kleine Fremdkörper zwischen der sonst so rohen und kompromisslosen Atmosphäre aus Coolness und unterschwelliger Bedrohlichkeit, die Alison Mosshart und Jamie Hince schaffen.

Mit Ash & Ice knüpfen die beiden da an, wo sie mit Blood Pressures aufgehört haben. Aber wie beim Häkeln bleibt dabei eben doch immer ein kleiner Knoten. Er ist vielleicht  kaum wahrnehmbar, aber trotzdem ist er da. Und wenn man genau hinhört, dann kann man diesen Knoten auf Ash & Ice hören. Als kleinen Makel, aber auch als unscheinbaren Boten einer neuen Farbe!

The Kills live:

  • 22.10.2016 Berlin – Tempodrom
  • 23.10.2016 Hamburg – Große Freiheit 36
  • 25.10.2016 Köln – E-Werk
  • 26.10.2016 München – Tonhalle
  • 27.10.2016 Zürich (CH) – Volkhaus
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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