Kytes auf dem Oben – [Interview]

Am Samstag haben die Jungs von Kytes auf dem Oben Festival in Kassel gespielt. Die Gelegenheit haben wir uns nicht entgehen lassen und ein kleines Interview mit den vier Münchenern geführt. Wie passend, dass das Oben da auch noch fast genau an ihrem einjährigen Jubiläum war.


reissnadel: Erstmal nochmal ein dickes Lob an euch für die Show! Fand ich, wie im Nochtspeicher in Hamburg auch schon, wieder sehr geil. Aber Clubs sind ja jetzt erstmal durch, oder? Jetzt sind Festivals angesagt.

Thomas: Ja genau. Heute ist irgendwie das Fünfte oder sowas.

reissnadel: Habt ihr letztes Jahr auch schon ein paar gespielt?

Timothy: Ja, wir waren letztes Jahr auf dem Taubertal und dem Utopia IIand. Das war auch cool, aber da waren wir eben noch ganz am Anfang. Jetzt ist doch nochmal viel besser. Wir haben schließlich ein cooles Team dabei.

Kerim: Wir sind einfach ein wenig gewachsen. Das Set ist ausgearbeiteter, wir haben jetzt eine Mischerin dabei und haben natürlich noch mega viel geprobt und neue Songs geschrieben und jetzt wird das Ganze langsam so, wie wir es uns vorstellen.

reissnadel: Dann mal ganz plump ‘ne generelle Frage zum warm werden: Festival oder Club?

Michi: Boah, das ist so schwierig! Das Ding ist, bei ‘ner Club-Show kommen die Leute halt meistens wegen dir, wenn sie kommen – kommt aber drauf an wie gut dich die Leute schon kennen. Und beim Festival ist es so nach dem Motto „Joa schaun wir mal vorbei, mal sehen was hier so los ist”. Ich finde beides hat seine geilen Seiten und wenn man sich jetzt entscheiden müsste – keine Ahnung. Es ist beides so geil, du kannst es fast nicht sagen! Aber komplett anders auf jeden Fall. Jungs, jetzt müsst ihr einfach mal: Festival oder Clubshow.

Timothy: Ich würde sagen, so eine kleine intensive Club-Show hat schon noch mehr Energie als so ein Festival.

Kerim: Aber ich finde nach so einer nicen Club-Show hast du auch schon wieder mega Bock auf ein Festival. Draußen, bei schönem Wetter. Vielleicht auch einfach mal im Matsch rumhüpfen.

reissnadel: Um die Leute nochmal abzuholen: Ihr seid ja noch recht frisch. Als Kytes seid ihr erst 1 1/2 Jahre unterwegs.

Thimothy: Ein Jahr tatsächlich erst. Im Mai 2015 haben wir uns gegründet. Wir nähern uns dem Jubiläum der ersten Show.

Michi: Wir hätten eigentlich mal Geburtstag feiern müssen!

reissnadel: …deswegen muss ich natürlich auch noch mal fragen: Ihr habt als Schülerband angefangen, habt euch da über die Jahre ein Image zurecht gespielt, was dann schwierig war loszuwerden und mit dem ihr irgendwie brechen wolltet. Wo war denn der Punkt, wo ihr gesagt habt: „Okay, jetzt Schluss damit, wir müssen was Neues machen.“ und warum vor allem?

Timothy: Das war im Studio glaube ich, als wir einen neuen Song geschrieben haben für unsere alte Band damals noch. Und dann haben wir gecheckt dass das einfach weiter ist. Wir haben gemerkt: Okay fuck, das was wir machen ist immer noch unser altes Projekt, womit wir als Schülerband angefangen haben aber da gibt’s noch mehr. Und dann haben wir uns die Frage gestellt, ob wir das jetzt als Hobby machen oder wir da einen Job draus machen wollen? Und dann haben wir beschlossen, dass wir uns da jede Minute reinhängen und unser Leben damit bestreiten wollen.

reissnadel: Und deswegen seid ihr dann zu Kytes gewechselt, weil ihr euch gesagt habt, dass sich das unter dem Namen Blind Freddy nicht realisieren lässt?

Michi: Ja genau, wir wollten das ganze Alte dann einfach hinter uns lassen und neu starten.

Thomas: Es gab ein Album der alten Band und der Zeitraum zum nächsten neuen Album, wenn es denn rausgekommen wäre, wäre so lang gewesen, dass wir gesagt haben „Ja komm, dann machen wir gleich was Neues“. Und außerdem hatte auch der Stil echt krass gewechselt. Früher haben wir ja diesen ost-ungarischen Balkan gemacht.

Kerim: Die Jahre haben wir genutzt um unseren Stil zu finden und hatten dann nicht mehr so Lust das weiter zu machen, was wir mit 16 oder 17 gemacht haben. Wir wollten einfach aufhören Pizza mit Rucola bei Facebook zu posten und so eine Kacke, die keinen interessiert. Einfach noch mal alles auf Anfang, seriös, sodass die Leute checken, dass das ernsthaft ist was wir da machen.

Thomas: Wir stehen trotzdem noch zu der Zeit und wollen die auch gar nicht abschütteln. Aber das musste sein.

reissnadel: Um auf das „seriös“ zurückzukommen. In dem Moment, wo ihr gesagt habt, „Okay, wir wollen gerne davon leben, dass wir Musik machen“, war das dann auch mit Kompromissen verbunden zum Beispiel beim Sound oder öffentlichen Auftritten? Habt ihr angefangen Business-Entscheidungen zu treffen, obwohl ihr eventuell auch gerne mal anders gehandelt hättet?

Timothy: Ne, also musikalisch nie! Definitiv nicht. Vielleicht eher wenn es darum geht, wie wir unser Facebook machen. Jetzt nicht ständig irgendwelche Bilder posten wie wir ohne Zusammenhang barfuß und oberkörperfrei durch die Gegend rennen- obwohl das wahrscheinlich sogar funktionieren würde(lacht) – sondern da wollen wir schon die professionelle Schiene fahren.

Thomas: Aber musikalisch war das schon immer das was wir wollten. Wir haben schon immer das gemacht, was wir auch selber gerne hören wollten und machen dabei auch keine Kompromisse. Also wir sagen auch nicht: „Nee das geht nicht, das wird den Leuten nicht gefallen.“ Sondern eher: „Das gefällt uns, und wenn es anderen Leuten auch gefällt, ist das geil!“

Michi: Das ist aber auch wichtig. Wenn du nicht dahinter stehst und was machst, was dir nicht gefällt, dann hat das alles keinen Sinn.

reissnadel: Ihr schließt das also kategorisch aus. Auch wenn ihr wüsstet, dass ihr durch einen Song, der euch eigentlich nicht ganz so passt, ein richtig krasses Feature irgendwo bekommt oder ähnliches?

Michi: Das ist immer eine unglaublich krasse Frage! Diese Schwelle: Was mache ich, um den Leuten zu gefallen und was, damit ich selbst hundert Prozent dahinterstehe.

Kerim: Natürlich bist du als Band auch irgendwo ein Unternehmen und musst in irgendeiner Form im Blick haben, wo deine Zielgruppe ist oder ähnliches. Einfach auch um zu wissen in welchen Bereich du dich bewegst.

Timothy: Das läuft aber eher so, dass wir irgendwo, zum Beispiel hier auf dem Festival,  spielen, gerade einen neuen Teil probieren und dabei gucken, ob die Leute dazu abgehen oder nicht. Aber ich stelle mir nie die Frage was wir machen müssen damit es im Radio besser angenommen wird.

Michi: Für mich ist immer das Hauptding, wenn ich mit denke: „Ich werde dazu jetzt einfach richtig krass dancen!“

reissnadel: Wenn ihr jetzt auf das Jahr als Kytes zurückguckt. Würdet ihr sagen, dass es ein voller Erfolg war und würdet ihr den Schritt wieder gehen?

Timothy: Auf jeden Fall. Allein schon, weil wir jetzt unglaublich viele Konzerte spielen. Was definitiv eines unserer Hauptziele war.

reissnadel: Das war vorher weniger?

Thomas: Ja, klar. Dadurch dass wir jetzt ein Booking-Agentur und ein Team hinter uns haben, geht es natürlich leichter voran als wenn man selbst hundert Leute anrufen muss, um zu fragen, ob man bei ihnen eine Show spielen kann.

Michi: Naja, wir haben früher auch viel gespielt. Aber man muss dazu sagen, dass wir auch jeden Scheiß gespielt haben. Jetzt spielen wir immer noch viel, aber eben geilen Scheiß, weil wir so ein super Team am Start haben. Ob es das Label ist, oder das Booking, Tourmanagment – alle mit denen wir unterwegs sind. Das gibt einfach halt und fühlt sich total krass an und dadurch schafft man selbst auch nochmal viel mehr, glaube ich.

reissnadel: Wie war das eigentlich: Erst Plattenvertrag oder Namenswechsel?

Michi: Der Name. Wir hatten schon den Plan und haben überlegt, was wir brauchen und wie wir das aufziehen wollen.

Timothy: Wir hatten auch schon ein paar Songs, die wir schon fertig aufgenommen hatten – zum Beispiel Inner Cinema und On The Run – und die haben wir einfach ein wenig rumgeschickt an Freunde und Bekannte von denen wir wussten, dass sie irgendwo in der Musikbranche arbeiten.

reissnadel: Woraus dann die On The Run-EP bei Lichtdicht geworden ist. Jetzt haben wir ja heute auch schon den ein oder anderen neuen Song gehört. Wie steht’s denn um ein Album?

Timothy: September!

Kerim: Mehr können wir noch nicht sagen. Wir haben in der Vergangenheit schon öfter mal den Fehler gemacht da mit genauen Daten um die Ecke zu kommen und die Leute waren am Ende enttäuscht.

Thomas: Aber wir können sagen, dass es irgendwann Juni bis Dezember rauskommt (lacht).

Timothy: Also irgendwann zwischen jetzt und in drei Jahren.

Kerim: In diesem Jahrzehnt auf jeden Fall!

reissnadel: Titel?

Thomas: Haben wir. Können wir leider aber auch noch nicht verraten.

reissnadel: Wie sieht es mit dem Sound aus? Das was ihr heute gespielt habt, klang ja nochmal elektronischer als die Songs auf der EP – an manchen Stellen sogar ein wenig house-mäßig. Ist das eine generelle Richtung in die ihr euch entwickelt?

Thomas: Findest du? Cool.

Kerim: Das ist eben wieder genau das Ding. Wenn uns ein Song gefällt und wir im Studio sind, dann wollen wir auch was in die Richtung machen.

Timothy: Bei einem Song war es auch so, dass wir die Strophen schon fertig hatten und dann einfach mal ein wenig genreübergreifend was machen wollten. Einfach mal nicht sagen: „Ok wir machen Indie und es ist immer Indie!”. Sondern es einfach ein wenig ausweiten.

Thomas: Trotzdem hat das Album definitiv einen roten Faden und es wird nicht so, dass jeder Track komplett anders ist als der davor. Es wird einfach genau so, wie ein Album halt sein sollte.

Michi: Das ist ja mal eine geile Aussage: „Das Album wird so, wie ein Album sein sollte!“ (lacht)

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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