I Have A Tribe – Beneath A Yellow Moon [Album-Review]

A hat is a message to the sky; Beneath A Yellow Moon is a message to the moon.

Ich trage einen gelben Mond in meiner Tasche oder eigentlich das, was darunter liegt, also die Erde oder einen Teil davon. Sie ist nicht schwer, nur an manchen Stellen wirkt es ein wenig so, aber eigentlich lässt sie sich ganz leicht tragen und durch das Loch in der Mitte sieht der Himmel deutlich schärfer aus als bei einem einfachen „Kopf-in-den-Nacken-legen“.

Ich fahre durch die Stadt und habe das vom Mond beschienene Stückchen Welt bei mir, lege es bei meinem Babysitter-Baby in den Kinderzimmer-CD-Player und versuche mich mit einem freudigen Gesichtsausdruck zu den Klaviertönen und den schwingenden Stimmbändern zu bewegen, die sich an Legosteinen und Plastikobst vorbei ihren Weg bahnen; es klappt eher mäßig. Mein Babysitter- Baby guckt mich an, sieht soweit zufrieden, aber auch nicht begeistert aus und irgendwann hängt die Scheibe, obwohl die Erde ja eigentlich rund ist, und ich entscheide mich spontan dann doch wieder für die CD vom reiselustigen Hasen Felix. Vielleicht später, wenn M. müde ist, als Einschlafhilfe dürfte das funktionieren. Als Schlagzeug und donnerndes Klavier sich beim nächsten Lied abwechseln, ändere ich meine Meinung und bin nicht schlecht beeindruckt von der Wandelbarkeit der Stimme, die I Have A Tribe mit seinem ersten Album Beneath A Yellow Moon unter Beweis stellt.I_Have_A_Tribe_BEneath_A_Yellow_Moon_CoverAlso doch lieber zu Hause beim Kochen. Ich trage meine Stereoanlage in die Küche und rühre im Reis. G., der Freund meiner Mitbewohnerin, kommt rein und erzählt etwas von seinem spießigen Freund und der spießigen Freundin, die eigentlich gar nicht spießig sind, und dass er mit ihnen Fackeln anzünden geht, dann lauscht er kurz und sagt: So Musik hören die auch. Das klingt abwertend, so als wäre I Have A Tribe spießig. G. verschwindet und ich bleibe mit Patrick O’Laoghaires Stimme und seiner Musik alleine. Ein bisschen dramatisch klingt es schon, finde ich. Melancholisch und gefühlvoll, tiefsinnig und ernst gemeint. Und die Mischung macht’s irgendwie nicht nur ganz schön besonders, sondern auch einfach schön. Außerdem gefällt mir die Idee. Ein Album für den Mond, der die Arbeit an den 11 Stücken von oben betrachtet und beleuchtet hat, gelb und strahlend. Eine Widmung, die einigen Textzeilen eine ganz neue Bedeutung zukommen lässt und zum Interpretieren und Eintauchen einlädt.

„I miss your face, I miss your heart, I miss your taste, I’m in the dark.“

Ich trage meine Stereoanlage ins Badezimmer und stelle mich unter die Dusche. Einige Lieder kann ich schon mitsingen, einige Textzeilen offenbaren sich in ihrer Klugheit so klar und einfach, dass sie trotz ihrer traurigen Bedeutung lächeln lassen.

„Maybe tomorrow under some cave. We’ll see the future and I’ll look away.“

Dass Beneath A Yellow Moon für I Have A Tribe ein offenes Projekt bedeutet, zeigt sich an seiner Experimentierfreudigkeit, nicht nur in Bezug auf seine Stimme, sondern auch auf die Musik. Hier muss das Klavier drohend klingend, da leicht klimpernd, hier braucht es geschrammelte Akkorde, da sitzt jeder Ton, hier ist die Stimme tief, da hoch, dort kaum mehr Stimme als vielmehr die Spiegelung eines spontanen Gefühlsausbruchs. Doch der Text bleibt immer klar verständlich.

Ich trage die Stereoanlage in mein Zimmer, draußen ist es dunkel geworden, ich sehe zwar keinen Mond, aber ich weiß trotzdem, dass genau jetzt: abends, nachts, vor der dunklen Fensterscheibe, in einer Wohnung, die bis auf Patrick O’Laoghaires Stimme leer und leise ist, der richtige Moment ist, um Beneath A Yellow Moon zu hören. Für mein Babysitter-Baby ist das Album vielleicht noch nichts, aber irgendwann später mal zum Mitfühlen wird es auch für ihn eine eigene Bedeutung haben und zum Englisch-Lernen könnte es eigentlich schon in gar nicht ganz so ferner Zukunft genutzt werden, denn das dürfte bei der deutlichen Aussprache problemlos funktionieren.

„I think I’m gonna quit this game, find a new job. I’ll cut my hair and change my name, do something useful. I have 27 years now, do I seem reborn?“

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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