Oum Shatt – Oum Shatt [Album-Review]

Integration ist im Moment ein heikles Thema. Flüchtlinge und so. Pegida, AfD – Untergang des Abendlandes und so. Etwas zu dem wir uns an dieser Stelle zur medialen Abwechslung eigentlich einfach nicht äußern wollten. Aber dann flatterte uns das selbstbetitelte Debüt von Oum Shatt ins Haus! Auch wenn die Band das Album ursprünglich sicher nicht als politisches Statement verstanden haben wollte, ist das kleine Experiment, das sie innerhalb von den 12 Songs auf Oum Shatt wagen, an Aktualität und politischer Aussagekraft zur Zeit wohl kaum zu übertreffen! Diese Platte ist die musikalische Inkarnation von Integration arabischer Kultur in das ach so bedrohte christliche Abendland und wahrscheinlich eines der besten Beispiele für die gegenseitige Bereicherung der Kulturen bei einem Zusammentreffen auf Augenhöhe!Oum Shatt Album CoverDabei kommt der Opener erst einmal gar nicht so experimentell orientalisch daher. Viel mehr ist Power to the Women of the Morning Shift auf den ersten und auch auf den zweiten Blick vermeintlich klassische Gitarrenmusik. Unaufgeregter Offbeat auf der einen, ein catchy Riff als Leitmotiv auf der anderen Gitarre und darunter eine lässige Bassline, die schön dicht am tanzflächenfreundlichen Drum-Pattern daherbrummt. Auch wenn die gesamte Platte wäre wie diese einjährige Single, wäre ein Kauf von Oum Shatt absolut zu empfehlen!

Allerdings ruht sich das mittlerweile drei Jahre alte Kollektiv um den ehemaligen Kissogram-Sänger Jonas Poppe aber nicht auf der Tatsache aus, dass sie ganz offensichtlich verstanden haben, wie Beine von Leuten, die Gitarren mögen, zu begeistern sind. Stattdessen greifen sie in gut der Hälfte der Songs ganz offensichtlich tief in einen Sack mit musikalischen Kniffen, die das durchschnittliche europäische Ohr völlig überfordern. Spätestens bei Silly Girl (With Silly Scarf) stellt sich unweigerlich das Gefühl ein, dass mit diesen Riffs irgendetwas nicht stimmt. Dann dauert es eventuell noch einen kleinen Moment bis endgültige Gewissheit herrscht, dass Oum Shatt hier nicht einfach nur ein Rock-Album gemacht haben, sondern einen gewagten Zwitter aus einem sympathisch unaufgeregtem aber konsequenten “Dreh auf und tanz, du Schwein!” und kulturell anspruchsvollem Grenzgang auf CDs und Platten pressen lassen, dem wahrscheinlich nicht mal die härtesten Hardliner unter den “besorgten Bürgern” widerstehen könnten!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s