Edward Sharpe and The Magnetic Zeros – PersonA [Album-Review]

Da fehlt etwas, auf dem neuen Album von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros. Das fällt sofort auf. Es fällt ins Ohr, sozusagen. Es ist die Stimme von Jade Castrinos, die  fehlt. „The Girl of the Hour“, wie Bandleader Alexander Ebert sie einst nannte. Jade Castrinos, die als Musikerin, als Performerin und Mensch immer einen wesentlichen Teil des Charmes und des Zaubers dieser Band ausgemacht hat. Jade, die mit Life is Hard und Remember to Remember zwei der wundervollsten Songs der Gruppe verfasst hat.Edward_Sharpe_and_the_Magnetic_Zeros -PersonA_Album CoverVor zwei Jahren, als die Magnetic Zeros und Castrinos unglücklich auseinander gingen, als die Sängerin via Facebook verkündete, die Band habe sie nach sieben gemeinsamen Jahren per Mail hinausgeworfen, mochte sich niemand so recht vorstellen, dass es für eine der beiden verstrittenen Seiten eine fruchtbare musikalische Zukunft geben werde. Geschweige denn, wie diese klingen könnte.

Nun ist sie da, die erste Magnetic Zeros-Platte ohne Castrinos und sie ist – was soll’s – beeindruckend.

PersonA klingt bemerkenswert gewagter als seine drei Vorgänger. Klar, auch Up from Below (2010), Here (2012) und das selbstbetitelte Album von 2013 versammelten große Hymnen auf sich. Lieder, die – man kommt kaum um die ganz großen Worte herum – das Leben feiern, das Überleben, das Miteinander-leben. Spirituelle Lieder – in gewisser Weise. Aus der Zeit gefallen, jubilierend und dem großen Unheil trotzend: „Life is hard, come celebrate“, hieß es da zuletzt.

Doch einen derartigen Mut zum musikalischen Experiment, wie er sich jetzt auf dem neuesten Streich offenbart, hätte man den Magnetic Zeros trotz aller bisherigen Bewunderung doch nicht zugetraut. Zehn Songs haben den Weg aufs Album gefunden. Songs, die einer ganz eigenen Logik folgen, sich Schicht für Schicht entfalten,  entpuppen und immer wieder von sich selbst abzuschweifen scheinen. Songs, die klingen, als wären sie vor vierzig Jahren in einem gewaltigen Rausch aufgenommen worden und seither verschollen gewesen.

Hot Coals und Wake up the Sun sind unverschämt monumentale Sieben-Minuten-Kompositionen, die sich euphorisch höher und höher schrauben, ab und zu die Kontrolle über sich zu verlieren scheinen und deren Botschaft dann doch wieder eine alte und einfache ist. Nämlich die, dass jede Reise letztlich ins eigene Innere führt: „All that you wanted/Is all that you found in your heart.“

Mit Perfect Time und Lullaby schmuggeln die Magnetic Zeros zwei wundervoll-klassische Sechziger-Jahre-Klavier-und-Streicher-Balladen ins Jahr 2016 und Somewhere und Free Stuff reihen sich als zwei Popsongs in die Tracklist ein, die ebensogut von einem gutgelaunten Paul McCartney in seiner frühen Post-Beatles-Zeit geschrieben worden sein könnten.

Abgeschlossen wird das Album, das irgendwie nach einer großen, leicht verdrogten Zeremonie klingt, von der fantastischen Ballad of Yaya. „I see you changing/Oh you’re not the only one“, singt Alex Ebert da. Wie recht er hat.

Lasse

Lasse studiert Literaturwissenschaft. Und liest. Und hört Musik.

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