VAGUE in der Goldgrube! [Live]

Im Internet stand 20:30 Uhr. Vorher nochmal die Mails gecheckt – keine andere Uhrzeit gefunden. Dann geht’s wohl auch um 20:30 Uhr los. Also stehe ich um 20:10 Uhr vor der Goldgrube in Kassel und die Tür ist zu. Außer mir ist auch irgendwie noch niemand da. Hm. Dann warte ich um die Ecke halt noch ein bisschen. Mich befällt ein leichtes Hungergefühl. Um 20:27 Uhr gucke ich nochmal wie es um die Tür steht. Offen. Ich gehe rein und folge einer Treppe nach unten. „Habt ihr schon geöffnet?“, frage ich in den Raum. „Jo!“, ruft Udo mir zu. „6€ bitte!“ „Ich stehe auf der Gästeliste“, sage ich verlegen. „Ach nee. Kennste die Band, oder was?“ „Nee, ich schreib für’n Blog.“

Unauffällig setze ich mich an die Bar und bestelle mir ein Bier. „Wann geht’s denn los?“, frage ich die Frau an der Bar. „Jetzt um halb 9 ist Einlass und um halb 10 geht’s dann los.” Ich trinke mein Bier und beschließe auf halbem Weg zum Boden der Flasche, noch was zu essen zu besorgen. Seufz. Also gehe ich zum Halitplatz und hole mir was. Auf dem Rückweg begegne ich Udo vor der Mutter: „Ach, du schon wieder.“ „Jo.“ Wir lachen. Ich gehe weiter und er in die Mutter. In der Goldgrube angekommen, steht Udo hinter Bar – wie hat er das denn gemacht?

Es wird jetzt merklich voller. Gabriel und Konstantin von VAGUE aus Wien stehen hinter einem kleinen Verkaufstresen und verkaufen angegrauten mittelalten Männern ihr Debütalbum In The Meantime auf Vinyl. Auf das Album und die Tatsache, dass es auch auf Vinyl gepresst wurde, scheinen sie ziemlich stolz zu sein. Konstantin kommt auf mich zu. „Wer bist du denn?“ „Tobi. Ich schreibe einen Bericht über euren Auftritt. Und du?“ „Ah! Sehr schön!” sagt er mit österreichischem Dialekt. „Ich bin Konstantin.“ Wir geben uns die Hand und reden ein bisschen über die Tour und das Drumherum und ob sich das ganze überhaupt lohnt. „Ja, ist witzig. Insgesamt kommen wir ungefähr bei 0 raus. Wenn’s gut läuft sind noch zwei bis drei Proberaummieten drin. Weißt du wie spät es ist?“ Beim Blick auf meine Armbanduhr sagt er: “Oh. Ja, dann fangen wir mal an.”

Was nun folgt, erlebe ich in einer Art Trance: Zusammen mit VAGUE verliere ich mich in zahlreichen und schier endlos scheinenden aber doch nie zu langen Instrumentalparts, die viele Stücke der Band durchziehen und die aus einer ganz anderen Zeit zu kommen scheinen. Choruslastige Gitarren wabern melancholisch durch die Goldgrube. Gregor und Juan halten sie mit Schlagzeug und Bass im Zaum. Dazu singen abwechselnd Simon, Gabriel und Konstantin. Die Band wirkt trotz wenig Zeit zum Proben vor der Tour unglaublich gelassen und routiniert in dem was sie tut. Zu einer ausgewachsenen Show wird ihr Auftritt allerdings nicht. Das würde ihnen auch nicht stehen. Vielmehr strahlen VAGUE eine gesunde Bodenständigkeit und Ruhe aus. Juan wird später sagen: „Man muss kein Arschloch sein – nicht immer.” Es entsteht der Eindruck, dass es bei VAGUE um mehr geht als nur Spaß auf der Bühne: totale musikalische Ekstase. Selten sieht man eine Band, die so sehr in dem versinkt was sie tut. Als das Publikum nach einem letzten psychedelisch ausufernden Stück auch noch lautstark eine Zugabe einfordert, wirken VAGUE ehrlich überrascht und spielen noch einen. Und weil’s so schön war, noch einen.

Kaum ist die Band von der Bühne verschwunden, bildet sich um den kleinen Verkaufstresen eine Traube begeisterter Zuschauer. „Die Tour habt ihr komplett selber gebucht, richtig?“, frage ich Juan. „Ja, genau. Läuft auch ganz gut bisher.” Das mag wohl vor allem am Album liegen, das am 22.04. bei Siluh Records erschien. Auf In The Meantime klingt die Band nach dem Undergroundrock der 80er und 90er auch wenn Gabriel meint, dass man sich genretechnisch gar nicht so sehr festnageln lassen wolle. “Es ist halt Gitarrenmusik.” Dennoch ist es erstaunlich, dass jeder, der im Kulturjournalismus etwas auf sich hält, sofort eine Verbindung zwischen VAGUE und zwei der momentan bekanntesten österreichischen Bands herstellen muss. Ja ja, schon klar, die kommen alle aus Wien aber: „Man vergleicht ja auch nicht Mando Diao mit ABBA!”


In The Meantime von VAGUE ist hier erhältlich:

VAGUE In The Meantime Album Cover

 

(CD/LP)

(Digital)

 

 

 

Tobias Kolle

Lehramtsstudierender und leidenschaftlicher Musik(hör)er.

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