Digitalism – Mirage [Album-Review]

Es ist Samstag Abend. Die Jacke wird übergeworfen, das Wegbier liegt gut gekühlt und geöffnet in der Hand. Der Weg zum Club kann guten Gewissens angetreten werden. Doch bevor all das passiert, steht Stunden vorher nicht selten eine Grundsatzdiskussion im Raum: Elektro oder Rock? House oder Indie? Die Chancen eine Party zu finden, die die musikalischen Präferenzen von Liebhabern beider Genres gleichermaßen zufrieden stellt, bewegen sich wohl haarscharf über dem absoluten Nullpunkt. Dabei könnte es so einfach sein. Man bräuchte einfach mehr Musik, die zwischen den vermeintlich streng getrennten Welten spielt. Man bräuchte mehr Alben wie Mirage von Digitalism!digitalism_mirage Album CoverSchon auf den beiden Vorgängern der neuen Platte, Idealism und I Love You, Dude – oh ja, vor allem hier! – hatten die beiden Hamburger DJs und Produzenten einen nicht ganz unauffälligen Hang zu mehr oder minder konsequent versteckter Gitarrenmusik in ihren Tracks, über die sie immer wieder wie selbstverständlich Drum-Samples, verschnörkelten Synthies und verfremdete Vocals schichteten und damit irgendwo zwischen der kompromisslosen Direktheit von Crystal Castles und dem leicht verträglichem Epos von The Killers landeten. Jede zweite Rockband fängt in den letzten Jahren damit an, mit Elektro-Sounds zu spielen. Digitalism drehen das Spiel seit jeher um.

Und auf Mirage setzen sie sogar noch einen drauf. Wieder stecken sie den fetten Dance-Track neben die eingängige Partyhymne. Den aberwitzigen Drop, neben Mitsingvocals. Funktioniert. Selbstverständlich. Hat es ja bisher auch. Aber diesmal ist es größer! Nicht wenige der 15 Tracks knacken die 5 Minuten, der Titeltrack Mirage kommt, mittig auf der Platte platziert, als Part I und Part II daher und wabert in seiner Zweigeteiltheit fast eine Viertelstunde durch, von Digitalism bisher fast unbeackertes Land. Fernab von gut besuchten Tanzflächen und möglicher Radiopräsenz.

Und direkt danach sieht man sie schon wieder vor’m inneren Auge, als wäre nichts gewesen, beim spielerischen Verbinden von vermeintlichen Gegensätzen mit den Achseln zuckend in der Ecke stehen und lässig fragen, was die Frage „Rock oder Elektro?“ eigentlich soll!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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