DMA’S im Molotow! [Live]

Eine alte Dame steigt in die U-Bahn. Ihren Rollator mit zittrigen Händen umklammernd, bleibt sie im Gang stehen und wendet den Kopf ein wenig hilflos auf der Suche nach einem Sitzplatz von links nach rechts. Plötzlich steht genau die Person auf, von der man es am wenigsten erwartet hat – von der man sich schon auf den ersten Blick ein nahezu fertiges Bild gemacht hat, das der “Jugend von Heute” nicht zwangsläufig schmeichelt. Diese Diskrepanz zwischen Erwartungen und dem tatsächlich Erlebtem ist es, die die ersten Minuten einer Show von DMA’S für Ersthörer wahrscheinlich ausmacht – so auch am 07.05 im Hamburger Molotow!

Nachdem die Consolers als Support an diesem, für die Band äußerst undankbar sonnigen Tag, mit lässigem Surf-Rock ihr bestes gaben, um die Menschen endlich von draussen in den kleinen, dunklen Raum vor der Bühne zu locken, betraten DMA’S zusammen mit ihrer Live-Besetzung ein nicht unerheblich aufgekratztes Molotow. Die Leute hatten offensichtlich schon gehört, von den drei Australiern, die nach Europa kommen, um dem kränkelnden Brit-Pop wieder auf die Beine zu helfen!

20:45 Uhr. Da stehen sie  – Tommy, Johnny und Mason – und strahlen so gar nicht das aus, was ihr Debütalbum Hills End zu versprechen scheint. Statt Verletzlichkeit gibt es tätowierte Finger, T-Shirt mit Tribalaufdruck, Jogginghosen und jede Menge Metallkettchen. Und ich spreche hier von der Sorte Metallkettchen, wie man sie sonst nur von den Handgelenken braungebrannter Baustellenveteranen kennt, die mit grimmigem Blick an der Baumarktkasse ungeduldig hinter einem stehen.

Tommy spendiert ein kurzes „Hello“, dann den ersten Song Timeless und das Kartenhaus aus Vorurteilen bricht schlagartig zusammen – die Scham steigt sekündlich. Da ist sie, die laute Gitarrenmusik mit den wunderschönen Melodien – begleitet von einem riesigen Drang zum Mitsingen. DMA‘S sehen gefährlich aus, mag sein. Sie grinsen nicht breit und “entertainen” nicht. Stattdessen schreit Sänger Tommy mit viel zu großem T-Shirt und hängenden Armen fast bewegungslos in das Mikro am Stativ und Johnny und Mason starren mit ernsten Mienen in eine vorgestellte Ferne. Schnell wird klar, dass es hier nicht darum geht eine Show zu machen. Es geht nicht darum die Leute mit ihrem vermeintlichen Image zu schocken. DMA’S geht es in der folgenden Stunde einzig darum, diese, von ihnen geliebten Songs, so gut sie können zu präsentieren. Und das Publikum dankte es ihnen. Erst mit unermüdlich heißer werdenden Kehlen, dann mit Platten unter’m Arm beim Rausgehen. Wohl gemerkt nach einem Konzert ohne Zugabe. Die gehört zu einer Show eigentlich dazu, ja. Aber, dass die nicht das Ding der drei Australier ist, erwähnte ich ja bereits.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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