Durch die Nacht mit Lampe! [Interview]

Ich bin klatschnass, mir ist kalt und es regnet immer noch. Ich biege endlich in die Straße meiner heutigen Herberge ein. “Ahhh, Fuck – wir haben ganz vergessen Bilder zu machen und wo ist der verdammte Schlüssel?”

Sieben Stunden vorher:
Ich stehe in der Hamburger Abendsonne vor’m kleinen Donner – einem Venue im Untergrund der Schanze und warte auf die Jungs von Lampe um mit ihnen ein Interview zu führen. In meinem Kopf wird es ein kurzes, denn der vorherige Abend mit Isolation Berlin liegt noch vergleichsweise schwer im Magen und außerdem muss man das ja auch nicht überstrapazieren, denke ich.

Als Tilman und Julian aus der benachbarten Bar kommen, macht sich Erleichterung breit: Ersterer sieht auch nicht gerade aus, wie frisch aus dem Ei gepellt – was natürlich an der 6-stündigen Fahrt von Köln nach Hamburg im stilechten und nicht ungleich sympathischen Tour-Kleinwagen liegen könnte, in dem sie seit ein paar Tagen zu dritt und mit komplettem Equipment, über die Autobahnen von Gig zu Gig juckeln, um ein wenig Kleinkunst-Pop im Vorprogramm von Albrecht Schrader zu verbreiten.

Nach kurzem Nachdenken entscheiden wir einstimmig, das Interview auf nach der Show zu verlegen. Die beiden müssen in einer halben Stunde auf die Bühne und gerade möchte wirk- lich niemand hetzen. Lieber ein wenig quatschen. Über Facebook, Instagram, den einherge- henden Social-Media-Zwang als Kulturschaffender und das allgemeine Unverständnis für Snapchat. Leider nicht hundertprozentig ironischer Tenor dazu: Offenbar sind wir zu alt für den Scheiß.

So langsam bewegen sich die ersten Menschen aus der sinkenden Sonne in den Kellerclub und die Aufregung bei den beiden steigt merklich. Ein paar Tage vorher haben sie bei einer Show als Vorband für Die Sterne gespielt und die Erwartungshaltung ist seitdem etwas höher.

„Vielleicht läuft vieles schief, vielleicht läuft vieles glatt. Am Anfang weiß man doch nie, was man am Ende hat“ – Perlentaucher, Lampe

Nach dem Konzert dann die gute alte “Zigarette danach” vor dem Venue. Jetzt sind die beiden entspannt. Die Show ist überstanden, die Lampe wieder aus, das Publikum war so begeistert, wie es das bei einer Vorband nur sein kann und das gesamte Geraffel – inklusive Lampe – ist wieder heile im absurd winzigen Kleinwagen verstaut. Während der Hauptact noch Equipment schleppt, fangen wir an, ein wenig über das „Business“ zu reden. Über die aktuelle deutsche Indie- Szene mit all ihrer aufgesetzten Provokantheit. Drangsal und so. Es fallen Sätze wie: „Weißt du, wenn man ein Arschloch sein muss um erfolgreich zu sein, oder die ganze Zeit so tun muss als wäre man eins, dann kann ich auf Erfolg ganz gut verzichten. Wir fühlen uns eher wie Hippies und wollen die Dinge etwas entspannter angehen: Wie wär’s, wenn wir uns alle einfach ein bisschen lieb haben?“

„Und die Mädchen haben mich immer nur süß gefunden – süß gefunden. Aber süß sein ist auf Dauer ganz schön bitter.“ – Single, Lampe

Es wird kalt, wir müssen irgendwo rein und das Interview wird nochmal vertagt. “Erstmal was zu essen suchen und dann machen wir das einfach bei ‘nem Bier, oder?” Es wird einvernehmlich genickt.

4 Stunden, 4 Currywürste, eine unbestimmte Anzahl Bier, Anekdoten und 0 Interviews später:
“Waaas, es fährt keine Bahn mehr? Kacke! Ja, egal, dann laufen wir eben erstmal zu uns und dann finden wir schon ‘ne Lösung.” Dazu: Es hatte in Hamburg drei Tage nicht geregnet, hat Tilman auf der Bühne gesagt – die Stadt hatte offensichtlich etwas nachzuholen.

Nach 30 Minuten Fußmarsch durch “typisch Norddeutsches Wetter” kommen wir klatschnass bei einem Kumpel der Band an, der mich zum Glück noch nach Hause fahren kann. Beim Rausgehen fällt mir wieder ein, was dieser ganze Abend eigentlich sollte und ich stelle dann doch noch die erste und letzte Interviewfrage des Tages: “Wie sieht das eigentlich bei euch mit zukünftigen Plänen aus?” “Naja, in ein paar Stunden müssen wir ja erstmal zur Küchensession, das ist schon ganz geil. Und bald machen wir dann wohl die nächste EP, mit den ganzen neuen Songs, die wir vorhin gespielt haben.”

Gut. Dann wäre das ja auch geklärt.

Lampe-Tourdaten:

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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