Amanda Bergman – Docks [Album-Review]

Neulich habe ich einen Film gesehen, in dem eine Frau, die vor kurzem ein Burn-Out hatte, zur Beruhigung Ponys streichelt.
Ich kenne mich auf dem Gebiet zwar nicht aus, aber, dass es Therapieformen gibt, die mit Pferden arbeiten, habe ich schon mal gehört. Doch selbst, wenn einem Begriffe wie therapeutisches Reiten unbekannt sind, lässt es sich doch gut vorstellen, dass es überaus beruhigend sein kann, einem Pony mit der Hand durchs Fell zu fahren, die weichen Nüstern anzufassen oder ihm einfach in die großen sanften Pony-Augen zu gucken. Ich kann mir das jedenfalls gut vorstellen, außer man leidet unter Equinophobie, dann sieht die Sache natürlich anders aus.
Jetzt aber mal angenommen, die Ponys und Pferde haben eine beruhigende Wirkung, wie darf man sich dann entsprechend die Musik vorstellen, die im Umfeld vieler Pferde entsteht?
Amanda Bergman zeigt es uns mit ihrem Soloalbum Docks.Amanda Bergman Docks Album CoverDocks. Hafenanlage.
Hafen, das ist nach Hause kommen und wegfahren. Und Wasser.
Wasser, blaues Meer, blaue Augen, Meerjungfrauen, Sirenen und, wenn Feuer auf Schnee trifft, gibt es auch wieder Wasser. Und davor flackern die Flammen und leuchten ein bisschen golden durch die Windschutzscheibe des Taxis, mit dem wir zum Fluss fahren, wo dann wieder Wasser ist. Noch Fragen?
Wäre die Aufgabe, ein paar Sätze aus den Songtiteln von „Docks“ zu basteln, wäre sie hiermit erledigt und irgendwie lassen sich die Worte tatsächlich mit der Musik verbinden,  mindestens stimmungstechnisch.
Die Musik schwingt aus den Kopfhörern in die Ohrmuscheln, in der Fensterscheibe des Zuges spiegelt sich der eigene Blick und, wenn ich mich jetzt auf meine Fenster-Augen konzentriere, fahren meine Pupillen nicht hinter den Bäumen neben den Schienen her und man könnte problemlos, die Musik aus den Kopfhörern in den Hintergrund fließen lassen und das Ganze in eine sentimentale Filmszene verwandeln, bei der sich die Zuschauer_innen anschließend fragen, wie die Schauspielerin es geschafft hat, dass ihre Iris‘ nicht aussieht, als hätte sie sich gerade 1 Minute im Kreis gedreht und würde abrupt stehen bleiben. Der Trick ist tatsächlich, sich auf Dreck an der Scheibe zu konzentrieren oder eben auf das eigene Spiegelbild.
Aber darum geht’s ja gar nicht und daran denke ich ja auch gar nicht und außerdem bin ich auch nicht sentimental, sondern einfach nur voll – von der Musik, von Amanda Bergmans Stimme, von meinem eigenen Herzschlag und Emotionen, die bei Weitem nicht mit dem Begriff „Sentimentalität“ auf den Punkt gebracht werden können.
Die Musik erfüllt, füllt an, wie Wein, aber nicht mehr als zwei Gläser, so, dass der Fuß auf jeden Fall mitwippt und ein bisschen die Hüften, aber auf der Tanzfläche durchstarten ist doch ein bisschen viel des Guten. Warm wird einem trotzdem und zwischendurch kann sich gerne seufzend an eine Schulter gelehnt werden, um beim nächsten Schluck wieder glücklich zu lächeln. Und ob die glasigen Augen jetzt vom Wasser oder vom Wein kommen, ist im Dämmerlicht der Kneipe auch egal.

„No hills on the side. You were born with a fright. A Flickering light, we can’t see where we’re going tonight.“

Der perfekte Opener für einen Abend unter Freund_innen, Amanda Bergmans Musik generell: der perfekte Soundtrack für eine Zugfahrt, einen Abend im Kneipendämmerlicht oder ein gemütliches Zusammensitzen unter Freund_innen.

Ein Album, das an bestimmten Stellen den Text durch die Musik wiedergibt und berührt, egal wie, wo und wen. Mindestens genauso effektiv wie Ponystreicheln, das ist sicher.

Zarah

Ich mache gerne viel und Vieles gern. Angeln gehört nicht dazu, aber Tanzen!

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