Wire – Nocturnal Koreans [Album-Review]

Die Entwicklungen der meisten zur Zeit alternden Bands – ich spreche hier von der Ü20, oder sogar Ü30-Riege – scheinen sich in wenige grundlegende Szenarien aufgliedern zu lassen:

  • beinah völlige künstlerische Stagnation bei mäßigem Erfolg
  • schlicht irrwitzige Glorifizierung
  • schleichender Kontroll- Gesicht- und Fanverlust durch vermeintlich “zu wildes Experimentieren” mit den Grundbausteinen der eigenen Identität.
  • Akte XY-würdiges Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit
  • Bands wie Wire, die Platten wie Nocturnal Koreans machen!Wire Nocturnal Koreans Cover Artwork

„Do you think you are able, finding your way?“ – Nocturnal Koreans, Wire

Colin Newman, Graham Lewis und Robert Grey sind Männer, die sich scheinbar extrem ungern auf etwas festlegen. Jedenfalls haben die drei weder im Sound von dem was sie über die Jahre als Wire zusammen auf Platte gepresst haben, noch in der Frage, ob es diese Band überhaupt geben sollte, in den letzten Jahrzehnten ihren Hang zur Konsequenz bewiesen. Seit der Gründung 1976 haben sich Wire insgesamt drei Mal aufgelöst, zum Glück – wie sie auf Nocturnal Koreans beweisen – vier Mal neu gegründet und dabei jedes Mal das gemacht, was so viele Bands immer und immer wieder erfolglos versuchen: Sich neu erfunden und definiert!

Was in den 70ern mit straighten drei Akkorden auf Pink Flag angefangen hat, ist spätestens mit Nocturnal Koreans zu waschechter Studiomusik geworden. Zu den Gitarren gesellen sich Synthies, Synthies und… Synthies! Dazu ein immer präsenter leichter Flanger auf dem Gesang und teilweise verworrene Songstrukturen, in denen sie sich auch mal Zeit für die ausführliche Begehung der ein oder anderen weitläufigen Soundfläche nehmen. Trotzdem klingen Wire nach wie vor nach sich selbst. Da sind  immer noch die Staccato-Gitarren, der drückende Bass. Nur eben gut versteckt hinter einer neuen Fassade an der die drei Briten seit ihrer letzten Gründung vor zwölf Jahren arbeiten. Erst haben sie feinsäuberlich und vorsichtig die Schale, dann das Fleisch von ihrer Identität gepult, um sie dann mit einem düsteren, aber durchaus gelungenen neuen Gesicht zu versorgen.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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