Alice Phoebe Lou – Orbit [Album-Review]

Früge man – ganz Familienduell und alter Fernsehkultur like – hundert zufällig ausgewählte Menschen auf Berlins Straßen nach Assoziationen mit dem Begriff “Freigeist”, Alice Phoebe Lou würde wahrscheinlich die drei bis fünf am Häufigsten genannten Antworten in ihrer Person vereinen! Aufgewachsen an der Küste Südafrikas, zwischen riesigen Stapeln schwarzen Vinyls, dann mit 16 nach Paris um die Welt zu erkunden, nur um dann dort von Straßenkünstlern dazu inspiriert zu werden, direkt nach dem Abschluss der Waldorfschule durch Europa zu reisen, um schlussendlich in Berlin von der eigenen Musik zu leben. Nach knapp drei Jahren in Berlin erscheint heute ihr Debütalbum Orbit und hält, was die Songwriterin regelmäßig im Mauerpark verspricht!Alice Phoebe Lou Orbit_Album_Cover

“When you brainwashed me with formulas of how I should be, shaped me and raped me of my individuality” – Society , Alice Phoebe Lou

Dabei klingt das, was Alice Phoebe Lou auf Orbit macht, erstmal gar nicht nach dem, was die hundert Leute wohl mit Straßenmusik verbinden würden. Viel mehr klingt es  dank der weichen, souligen Stimme und behutsam inszeniertem Jazz-Pop nach großer Bühne, statt schmuddeliger U-Bahnstation. Nach wohl geordnetem Pony, statt fransigen Dreadlocks. Nach “Ich muss noch eben in die Maske”, statt “Ick mach ma’ ne Kippenpause”. Wahrscheinlich ist es genau das, was die Leute regelmäßig zum Stehenbleiben bewegt, wenn das schmale blonde Mädchen den Verstärker anstellt und unerwartet ein wenig Jazz und Blues auf die Straßen holt, auf denen sonst vor allem Punk und die größten Hits der letzten Jahrzehnte zu hören sind.

Trotz dem vermeintlich glatten Sound ist Orbit gefüllt mit jeder Menge Indie-Idealismus! Denn wo Leute in Berlin stehen bleiben, um Musik zu hören, da sind auch ab und zu Label-Ohren dabei, die gerne Verträge an Künstler wie Alice Phoebe Lou verteilen würden. Statt aber einem Major die Hand zu reichen, erscheint ihr Debüt bei Motor Entertainment, denn sie will ihre Freiheit behalten. Und jedesmal, wenn jetzt der Opener Girl On An Island aus einer heimischen Anlage erklingt, hört man irgendwo einen Labelchef der ganz ganz Großen leise fluchen.

Alice Phoebe Lou – Tourdaten:

  • 16.04.16 DE Berlin, Dussmann Record Store Day
  • 27.04.16 DE Hamburg Mojo Club, (w/ Allen Stone)
  • 03.05.16 DE Hamburg, Knust
  • 05.05.16 DE Koeln, Gebaude 9
  • 06.05.16 NL Amsterdam, Paradiso
  • 13.05.16 DE Berlin, Passionskirche
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

3 thoughts on “Alice Phoebe Lou – Orbit [Album-Review]

  1. Sehr schön zu lesen, dass es nun ein Album gibt ;-)
    Ich kenne Sie bereits vom vorletzten Reeperbahnfestival und fand echt erstaunlich, was dieses scheinbar kleine Mädchen auf dem Kasten hat.
    Danke Dir :-) Jetzt habe ich, weil auf deinem Blog gelesen, mir die Hamburger Termine vorgemerkt… zu einem Schaffe ich es hoffentlich :-)
    Beste Grüße, Sandra

    Gefällt 1 Person

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