Sofia Brunetta – Former [Review]

Eigentlich hat Sofia Brunetta Punk-Rock gemacht, eigentlich ist sie aus Italien und eigentlich ist ihr Debüt schon seit einem Jahr überall irgendwie zu bekommen. Globalisierung, ahoi! Uneigentlich ist ihre Musik mittlerweile allerdings deutlich milder geworden, sie pendelte für die Aufnahmen zwischen Kanada und dem Stiefel im Süden Europas und trotz prinzipieller Verfügbarkeit hat sie es sich nicht nehmen lassen, Former knapp ein Jahr nach dem italienischen Release jetzt auch ganz offiziell in Österreich,Deutschland und der Schweiz zu veröffentlichen.Sofia_Brunetta_FORMER_coverStatt also wieder die endlos zerrenden Gitarren wie bei ihrer Band Lola and The Lovers zu bemühen, setzt Sofia Brunetta auf ihrem Solo-Debüt alles auf die allzu gern gespielte und geliebte Karte Pop! Nur dass sie die nicht einfach ungarniert und lieblos auf den Tisch knallt und der Welt “deal with it” entgegen brüllt, sondern mit Former eines dieser Alben liefert, die schon nach kurzem Hören weit über das zunächst erwartete hinauswachsen. Sie bringt auf großen Strecken schlicht die Platte in die Regale, die Lena Meyer-Landruth nach ihrer Emanzipierung vom Ziehvater Stefan Raab hätte machen können und sollen, bevor sie sich als, zugegeben recht überzeugendes, Ellie-Golding-Imitat – Slash – Schminkguru – Slash – Youtubesternchen zum gefühlten neuen Toggostar vermarkten lies.

Wo Lena sich dem sehr leicht bekömmlichen und oft gleichförmigen Pop hingegeben hat, macht Sofia Brunetta neben dem natürlich durchaus präsenten Anspruch eines Popalbums eben auch Platz für jede Menge Soul, Funk, hier und da ein wenig klassischen Rock’n’Roll und vor allem einen überall spürbaren Hang zum Indie, mitsamt jeder Menge “uhhs” und “ahhs”. Der Bass lädt nicht selten – mindestens so chrunchy wie ein gerade geöffnetes Knusper-Müsli – zum Tanzen ein. Die Synthies krächzen mit einer ordentlichen Portion Retro-Charme. Der sonst klare Gesang von Sofia wird immer wieder mit Freude inklusive der Gitarren durch ein kleines Distortion-Pedal gejagt, nur um sich im nächsten Song direkt wieder ein wenig mehr in Richtung Amy Winehouse zu lehnen und dem Soul gebührenden Respekt zu zollen. Former ist eben kein Album, das unbedingt Pop sein möchte und versucht durch klar abgesteckte Genregrenzen zu gefallen, sondern ein verdammt überzeugender Rundumschlag für Leute, denen Radio zu Öde und Nische zu ätzend ist!

Sofia Brunetta – Tourdaten:

  • 07. April – Leipzig | Noch Besser Leben
  • 08. April – Berlin | Madame Claude
  • 09. April – Wiesbaden | Wakker
  • 10. April – Zittau | Kronenkino
  • 12. April – Kaiserslautern | The Clearing Barrel 13. April – Bochum | Eden
  • 15. April – Mannheim | Kulturbrücken
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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