GoGo Penguin – Man Made Object [Review]

“Kommt da noch Gesang irgendwann, oder bleibt das die ganze Zeit so?” Elektronische Musik ist präsenter denn je, die Clubs voll Tanzwütiger und trotzdem scheint es die meisten Menschen nach wie vor zu irritieren, wenn eine Band komplett auf Stimme und Text verzichtet. Musik, die in der Popkultur stattfindet muss mit Gesang sein, sonst ist das doch nicht fertig – oder so ähnlich. GoGo Penguin verzichten auf ihrem dritten Album Man Made Object, das gestern auf dem Jazzlabel Blue Note erschien, trotzdem drauf und je öfter das Album auf dem Plattenspieler seine Runden dreht, umso weniger fällt auf, dass da angeblich etwas fehlen soll. Und desto weniger wirkt es wie eine Platte, die auf einem Jazzlabel erschienen ist.Album_Cover_GoGo_Penguin_Man_Made_ObjectIn den zehn Stücken auf dem Nachfolger von ihrem überall gefeierten Album V 2.0 balancieren Chris Illingworth, Nick Blacka und Rob Turner mit Schlagzeug, Klavier und Bass wieder beeindruckend gekonnt und leichtfüßig auf dem Grat, der sich irgendwo zwischen Jazz und Pop befindet. Oder vielleicht eher Jazz und Elektro? Erstaunlich oft klingt das, was GoGo Penguin auf Man Made Object festhalten nämlich so gar nicht jazzig, so gar nicht “man made”, sondern wirkt in der Präzision, Eingängigkeit und dem nachdrücklichen Wiederholen von einzelnen Phrasen, eher wie das Werk eines leicht durchgedrehten Electronica-Produzenten, der der Welt aus einem kleinen Kellerstudio heraus endlich beweisen will, dass Musik aus vermeintlich unromantischen Einsen und Nullen nicht immer geradlinig und weitestgehend schnörkellos bleiben muss!

Von dieser Verwirrung und der Erleichterung, die GoGo Penguin mit den simplen Strukturen, die sie zwischen Jazzausbrüche packen, die für vom Pop und leichtem Indie verwöhnte und deswegen vielleicht etwas verweichlichte Ohren extrem verworren klingen, lebt es, dieses Man Made Object. Und wie ein kleiner Roboter aus einem dieser schwarz-weißen Dystopie-Filme, infiltriert es damit die Plattenregale von unzähligen ahnungslosen Popaffinen, die an irgendeiner Stelle des Albums dann erschreckt feststellen werden, dass sie da tatsächlich gerade Jazz hören und, dass sie dafür doch eigentlich viel zu jung sind. Aber vielleicht gar nicht so schlimm. George Orwell und Fritz Lang haben sowieso maßlos übertrieben.

GoGo Penguin Tourdaten:

  • 06.04.16 Hamburg – Mojo
  • 07.04.16 Berlin – Silent Green
  • 08.04.16 Köln – CBE
  • 09.04.16 Frankfurt – Hafen 2
  • 10.04.16 München – Ampere
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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