Get Well Soon – Love [Review]

Das Wort “Love” ist wohl das mit großem Abstand am inflationärsten benutzte in der Popmusik. Aber leider setzen sich die Texte der meisten Songs nur selten auch tatsächlich mit der Liebe auseinander. Viel mehr wird oft in nur bedingt gehaltvollen Metaphern und Phrasen auf einen von Sex, oder tiefer Depression geprägten Chorus hingearbeitet. Keine besonders gute Ausgangslage also für Get Well Soon und den Versuch, auf ihrem am 29.01 erscheinenden Album Love, die treibende Kraft der meisten Menschen ausnahmsweise mal mit einem ernsthaften Interesse von allen Seiten zu begutachten.Get Well Soon Love CoverHinter Get Well Soon steckt der 33 jährige Mannheimer Konstantin Gropper. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat er sich nicht nur mit diesem Projekt eine beeindruckend lange Diskografie erarbeitet, sondern seinen Namen auch noch als Produzent in das Booklet von Caspers Hinterland gemogelt und zusammen mit  Kat Frankie den Soundtrack zur wohl angesagtesten Hipster-Talkshow, mit dem dünnen blassen Jungen, Jan Böhmermann, und dem Kasperle von Halli-Galli, Olli Schulz, gemacht.

Auf seinem vierten Studioalbum versucht Konstantin Gropper jetzt in elf Songs und 51 Minuten endlich mal auf den Punkt zu bringen, was die Liebe denn nun eigentlich ist. Nachdem auf seinem letzten Album The Scarlet Beast O’ Seven Heads die Welt unterging, diesmal also mal ein nicht ganz so pessimistisches Thema. Vielleicht ist das Ergebnis deswegen so ungewohnt poppig und leicht zugänglich. Die Arrangements sind zwar nach wie vor komplex, aber neben Klavier und Bläsern setzen Get Well Soon auf Love auch immer wieder auf Eingängigkeit und Popappeal: Hier ein leicht treibender Beat, da ein Chor mit eindeutigem Ohrwurmpotenzial und mittendrin die vermeintlichen Antworten auf die einzig wichtige Frage: It’s a Catalogue, It’s an Airlift, It’s a Mess, It’s Love.

“It’s love and I can’t get rid of it. It’s love and I can’t make sense of it”

So ganz poppig kann Gropper dann aber scheinbar doch nicht. Statt einer einfachen Platte mit elf aneinandergereihten Songs über Romantik und bedingungslose Zuneigung, ist Love viel mehr eine gelungene Inszenierung der Jagd auf das wohl präsenteste und gleichzeitig flüchtigste Gefühl überhaupt. Eine Jagd, die mit dem versuchten Finden des Kerns in It’s a Tender Maze beginnt, in It’s Love eine fast schon lächerlich plakative Lösung publiziert, nur um nach ein wenig einsamen Selbstmitleid in 33 und dem Eingeständnis von durchaus unbequemen Seiten, It’s a Mess, zum ernüchternd schönen Ergebnis zu kommen, dass die Liebe wohl doch zu groß zum Fassen ist und jeder seinen eigenen Zugang zu ihr finden muss. Auch, wenn das Verirren dabei sehr wahrscheinlich ist!

„Welcome to the tender maze!“

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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