Daughter – Not To Disappear [Review]

Je elektronischer Musik wird, umso mehr wird ihr die Fähigkeit abgesprochen, echt zu sein. Sofort werden Assoziationen gefühlskalter Synthiemelodien, die auf plumpen, aber durchaus tanzbaren Beats vor sich hin dudeln, wach. Das Londoner Trio Daughter beweist auf seinem zweiten Album Not To Disappear, das am 15.01 via 4AD in die Läden kommt, allerdings, dass es sich durchaus lohnen kann, die Gitarren auch mal zur Seite zu stellen, ein wenig experimentierfreudiger mit dem eigenen Sound zu sein und sich mehr den Versuchungen eines modernen Musik-Studios hinzugeben, als der manchmal starren Erwartungshaltung der Fans.Not To Disappear Cover

“Experimentierfreudig? Danach klingt das, was in den ersten Momenten von Not To Disappear aus den Lautsprechern kommt, aber erstmal nicht”, könnte man meinen. Eher nach standardisiertem Indie-Pop, wie er 2016 nun mal klingt um auch im Radio stattfinden zu können. Mit eben diesen typisch wabernden Synthies, großen Soundsphären, Texten über das Alleine sein und wie sehr man das doch eigentlich hasst. Zugegeben, oberflächlich erscheint Not To Disappear vielleicht erstmal recht stereotypisch und funktioniert damit herrlich als Liebeskummeralbum für Leute, die sonst eigentlich nie Musik hören. Allerdings zeigt sich spätestens in Doing The Right Thing, dass das Abwenden vom klassischen Folksetup nicht immer automatisch zu plattem Songwriting und fadem Plattitüdendreschen führen muss und, dass Not To Disappear unter der Oberfläche eventuell doch einiges zu bieten hat.

“And they’re making children, they’re making love. With their old excuses: We’re made for reproduction”  Doing The Right Thing

Als einer dieser lieblichen Indie-Folk-Bands gingen Daughter in das New Yorker Vernhes Studio und kamen als deutlich erwachsener und selbstbewusster klingende Band wieder heraus. Tatsächlich schaffen sie es mit den viel verbreiteten Vorurteilen gegenüber elektronischer Musik zu brechen – nichts klingt plump, nichts wirkt gefühlskalt – Not To Disappear klingt sogar noch intimer und noch unmittelbarer nach dem, was die drei Londoner um Sängerin Elena Tonra mit ihrer Musik transportieren möchten.

Manchmal erzählt Elena, dass sie das Album im Hochsommer aufgenommen haben und das es deswegen auch ein wenig sommerlich klingt; jedenfalls so sommerlich, wie Daughter eben klingen können. Und tatsächlich ändert sich der Blick auf die 10 Songs dieses Albums extrem, wenn man sie aus dem aktuellen Dauergrau und Nieselregen befreit und stattdessen ein wenig in die mentale Sonne stellt. Vielleicht muss die Musik von Daughter auch gar nicht zwangsläufig nach einsamen, grauen Wintertagen klingen. Vielleicht genauso wenig, wie Synthies immer nach Konservendose klingen!

Hier könnt ihr das Video zur aktuellen Single  Doing The Right Thing sehen!

Daughter Tourdaten:

  • 31.01.16 Köln, Kantine
  • 03.02.16 Hamburg, Grünspan
  • 07.02.16 Berlin, Kesselhaus
  • 08.02.16 München, Technikum
Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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