jennylee – right on! [Review]

Immer wieder packen einzelne Musiker, aus mehr oder minder erfolgreichen Bands, ihre Instrumente zusammen, entfernen sich ein wenig von den Bandkollegen und wollen ihr eigenes Ding durchziehen. Meistens sind es wohl die stereotypisch egomanischer veranlagten Sänger/-innen und Gitarristen, die endlich auch mal zeigen wollen, dass sie auch ganz alleine richtig was reißen können. Auch wenn Jenny Lee Lindberg nicht dieser Gruppe anhört, lieferte sie Ende letztes Jahres als jennylee mit right on! ein beeindruckendes Solo-Debüt!

Bekannt als Bassistin von Warpaint, begeistert Jenny schon seit deren Debüt The Fool aus 2010 mit unsagbar treibenden und verspielten Basslinien, aber auf ihrer eigenen, am 11.12.2015 bei Rough Trade / Beggars veröffentlichten Platte, right on!, übertrifft sie sich noch einmal selbst!

jennylee Right On Artwork

Angeblich griff die Kalifornierin mit 19 Jahren zum Bass um Musik machen zu können, zu der man sich bewegen kann. Auf right on! leisten die Basslinien von jennylee allerdings viel mehr als nur stumpfe Bewegungsanregung für die Beine. Jedem einzelnen der zehn Songs hört man sofort an, dass hier niemand mit einer Gesangsmelodie und einer Hand voll Akkorde ins Studio stolperte, sondern alles fein säuberlich von unten nach oben aufeinander geschichtet wurde. Bass – Schlagzeug – Gitarre – Gesang.

Wer jetzt ein Album mit ordentlich Club-Affinität und unübertreffbarer Tanzbarkeit in den Ohren hat, liegt allerdings völlig falsch. Jennylee baut aus Drums und Bass nicht einfach ein grooviges Grundgerüst, an dem sich der Rest des Songs festhalten kann, sondern lässt sie viel mehr die Geschichte erzählen – zwischen ihren Textzeilen und den, mit unendlich viel Chorus belegten, zurückhaltenden Gitarrensounds, aus denen sich die fast durchweg düstere Stimmung auf right on! entwickelt. Der vierte Song des Albums, long lonely winter, ist das Paradebeispiel dieser Erzählweise. Nach etwas mehr als zwei Minuten, die von einer bis dahin untypischen Zurückhaltung des Viersaiters geprägt sind, wird schon nach den ersten Tönen auf jennylee’s Lieblingsinsrument wieder klar, wer die wirkliche Hauptrolle auf diesem Album spielt!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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