Sarah P. – Free EP [Review]

 

Es gibt Wörter, die im Laufe der Zeit immer mehr von ihrer eigentlichen Bedeutung verloren haben, die mit den falschen Sachen in Verbindung gebracht wurden und so irgendwann einen fahlen Beigeschmack bekamen. Popmusik ist eines dieser Wörter. Dieses Genre, in dem immer alles glücklich ist, sich Harmonien bis zur vollständigen Abnutzung wiederholen und alles irgendwie gleich klingt. Aber ab und zu muss man auch als Verfechter des Indie und der Hipsterkultur über den Tellerrand schauen, sich mutig einen kleinen Löffel schnappen und ein bisschen von der trüben Popsuppe probieren – in der Hoffnung auf eine geschmackliche Überraschung!

Am 14.12 veröffentlicht Sarah P. ihre Solo-Debüt EP Free auf ihrem eigens dafür gegründeten Label Eraserestart. Wobei gerade der Name des Labels ein klares Statement ist: Nach 4 Jahren als Sängerin des Pop-Duos Keep Shelly in Athen löste Sarah sich von ihrer Band und blieb 2014 in Berlin, um einen Neustart zu wagen und sich selbst neu zu erfinden und jetzt schließlich mit Free auch alle anderen dazu aufzurufen, zu resümieren, neu zu bewerten und eventuell sogar dem Pop eine neue Chance zu geben.

Und natürlich ist das, was Sarah P. auf Free in die Regale bringt prinzipiell Pop, aber zum Glück eben nicht jene Sorte, die man ständig im Radio hört und die für den schlechten Ruf des Genres verantwortlich ist: Gemacht von den immer gleichen uninspirierten Produzenten und Künstlern, die einer riesigen Industrie billiges und leicht zu verkaufendes neues Material in den Rachen werfen.

Stattdessen sammelt sie was sie gut findet, arrangiert neu und fügte ihre eigene Vorstellung von guter Musik hinzu. Das Ergebnis ist kunterbunt, manchmal nicht ganz ernst zu nehmen und könnte, wenn man böse ist, wohl leichtfertig als “Plastikpop” verschrien werden; immer wieder fühlt es sich kurz so an als wären die späten 90er zurück – und wer möchte das schon. Aber so einfach ist es eben doch nicht: Die Free EP mag zwar hier und da Erinnerungen an Britney Spears, oder die Spice Girls wecken, aber gerade dadurch hebt Sarah P. sich endlich wieder ab, aus dem ewigen Kreislauf von monotonen EDM-Tracks und massiven Deep-House-Drops, und gibt der ansonsten so faden Popsuppe der letzten Jahre endlich wieder ein bisschen mehr Würze!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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