Von Wegen Lisbeth – [Interview]

Also ab nach Berlin. Ab in die Hauptstadt, um eine Band zu treffen, vor der ich, ehrlich gesagt, ein bisschen Angst habe. Ich war mir nicht sicher, ob ich das aushalte; die geballte Menge an witzigen Facebookposts, Tourtagebucheinträgen und schonungslosem Berlinertum, die die fünf Jungs von Von Wegen Lisbeth in die Welt blasen. Aber hey: Im Zweifel wird es bestimmt ‘ne witzige Geschichte. Wenigstens im Nachhinein.

Julian, der Bassist, schlug vor, dass wir uns im Rotbart treffen – einer “sehr nicen” Bar in Neukölln. Google Maps sagt, einfach mit der S41 bis Haltestelle Sonnenallee und dann bloß noch ein paar Meter laufen. Die Sonnenallee ist doch die Straße aus dem Film, oder? Den fand ich eigentlich ganz gut und da fühle ich mich doch direkt nicht mehr so fremd. Vielleicht wird es ja doch was, dieses “Interview in einer Bar” mit den fünf Spielkindern, die ständig ein dutzend Instrumente quer durch’s Land zerren, darauf herumblödeln, das dann als Indie-Musik verkaufen und damit tausende Studenten begeistern.

Google Maps hat natürlich gelogen: Die S41 fährt heute nicht und dann ist Neukölln tatsächlich gar nicht mehr so nah am Hostel wie zunächst gedacht. Nach diversen Buswechseln, U-Bahnverwechselungen und Irrwegen stehen wir dann trotzdem vor dem Rotbart – zugegeben ein bisschen zu spät, aber egal. Das Bier steht auf dem Tisch, Julian guckt mich auffordernd an und jetzt muss ich wohl entscheiden, wie das hier abläuft. Alles mitzuschneiden ist irgendwie eigenartig, also einfach ganz Oldschool mit Notizen – im Kopf, schließlich hab ich nichts zu schreiben dabei. Auf geht’s!

Aha, also eine Tour mit  Element of Crime nächstes Jahr. Geil! Und dann ist da was mit AnnenMayKantereit im Gespräch, aber leider noch nichts Handfestes, zu dem er wirklich was sagen kann. Und das Album ist im Moment in Arbeit. Schätzungsweise soll es irgendwann Mitte nächsten Jahres released werden; inklusive eigener Headline-Tour natürlich. Wird definitiv anders klingen als die EP Und plötzlich der Lachs und sie wollen diesmal alles ein weniger roher machen. Klar, sind sie stolz auf die EP, aber mittlerweile klingt ihnen das alles ein wenig zu produziert und glattgezogen. Ok, perfekt. Alles geistig notiert.

Ja, das war es eigentlich auch schon mit meinen Fragen, aber das Bier ist noch halb voll. “Okay, was macht ihr eigentlich so, wenn ihr nicht gerade auf Tour seid und wart ihr nicht mal mehr?”

Es studieren alle; das war zu erwarten. Architektur, Filmmusik, Mathe, Elektrotechnik, Mediengestaltung und tatsächlich waren sie mal Sechs, aber Daniel schreibt jetzt seine Bachelorarbeit und.. huch, da ist er ja! Und direkt daneben Keyboarder Robert mitsamt Begleitung, die meine Begleitung aus dem Studium in Oldenburg kennt. “Darauf erstmal ‘ne Runde Sambuca. Und ‘ne Runde Bier. Auf die kleine Welt!” Eigentlich wollen Robert, Daniel und Begleitung gleich noch weiter ins Bäreneck. “Quasi unsere Stammkneipe. Ist zwar mega fertig, aber das Bier kostet nur 1,40€, deswegen hängt man da eigentlich rum. Wollt ihr mitkommen? Aber vorher erstmal ‘ne Runde Kickern, oder?”

Also Kicker, Bier, Kicker. Julian wär total gern schwarz, weil schwarze Bassisten einfach geiler sind. Bier. Daniel zelebriert die Eintönigkeit seiner Rolle in Störung im Betriebsablauf, “Ich glaube ich zeig’ dir das einmal kurz und du bekommst das auch hin. uieeeuhhh, uieeeeeuhhh.” Bier. Kurz zusammen Moneyboy und sein Interview bei JOIZ feiern und mal wieder diskutieren, ob er wirklich so fertig ist oder einfach den genialsten PR-Gag aller Zeiten abzieht. Bier. Saufgeschichte: “Wir haben mal irgendwo in Bayern betrunken so einen riesigen Weihnachtsbaum geklaut. Nachts hat das total Sinn ergeben: Der Typ, bei dem wir pennen konnten war total nett und wir brauchten noch ein Gastgesschenk!” “Der Baum war nur viel zu groß für die Wohnung und steckte dann quasi wie ein Propfen in der Wohnung. Am nächsten Tag konnten wir den außerdem schlecht einfach wieder rausstellen. Also haben wir Plastiksäcke besorgt, ihn in kleine Teile zersägt und an der nächsten Raststätte rausgeworfen. ‘Nen bisschen wie ‘ne Leiche eigentlich”

Bier. Bäreneck. Bier. Bett.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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