Locas In Love – Kalender [Review]

Es kann hart sein, sich seiner eigenen Einfältigkeit und Einfachheit bewusst zu werden, oder wenn all deine Großeltern sterben und dir klar wird, dass dich jetzt auch nur noch eine Generation vom Tod trennt. Es kann hart sein, verlassen zu werden und nichts dagegen tun zu können. Was hilft ist abwarten. Oder vielleicht Locas In Love hören.

“Einerseits ist es in Ordnung und wie es eben funktioniert. Andererseits werde ich mich nie daran gewöhnen, dass ständig alles stirbt”

Am 21.11 veröffentlicht die 2001 in Köln gegründete Band Locas In Love, die manchmal so sehr nach Hamburger Schule klingt, dass man ihren Gründungsort fast als Versehen abtun muss, ihr mittlerweile siebtes Studioalbum Kalender beim Berliner Indie-Label Staatsakt und damit eine Ode an das Anderssein und das viel zu häufige Scheitern – mal fernab vom ironisch, coolen Hipstertum und fernab von lyrisch aufgeblasenen Texten hinter denen inhaltsleere und schlecht pointierte Aussagen versteckt werden könnten.

Ganz im Gegenteil sind die Texte von Björn Sonnenberg und Stefanie Schrank oft irritierend einfach formuliert und wirken im ersten Moment schnell unbeholfen und unambitioniert. Manchmal scheint sich fast gar nichts zu reimen, ständig wiederholen sie die gleichen Wörter und drücken Dinge so unbeholfen und gestelzt aus, dass es beim ersten Zuhören frustrieren kann, den nicht enden wollenden Ausführungen des immer gleichen Gedankens zuzuhören.

“Einsamkeit und innere Leere sind nicht wie ein Loch, das man stopfen kann, indem man einfach irgendetwas hineinwirft, sondern eine ausgestanzte Form. Wie ein Schlüsselloch. Das einzige was die Lücke schließt ist die eine Sache, die exakt die richtige Form hat.”

Doch relativ schnell wird klar, dass das scheinbare Stümpertum der beiden Texter ein geniales Stilmittel ist und Locas In Love, wenn schon nicht mit ihrem Indie-Electro-Sound, damit bewusst mit Konventionen der modernen Popmusik brechen. Vielleicht um den eigenen künstlerischen Ansprüchen standhalten zu können. Vielleicht aber auch um die vielen Blender der Popwelt und ihre immer gleiche Rhetorik ein wenig zu enttarnen.

“Und ich bete zu Gott und entschuldige mich, dass ich nicht an ihn glaube. Und sage, wie aufrichtig es mir Leid tut, dass es ihn nicht gibt”

Nach 12 Songs und guten 45 Minuten voller Scheitern, Hilflosigkeit und stillem Frust bleibt doch nur die Erkenntnis, dass man meistens wohl nichts dagegen tun kann. Aber guckt man mal auf den Kalender stellt man fest: Morgen ist ja auch noch ein Tag. Sei’s drum!

Tourdaten:

04.12. Hamburg, Kleiner Donner (Wintergala)
05.12. Berlin, Badehaus Szimpla Musiksalon (Wintergala)
06.12. Köln, Gebäude 9

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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