Mogli – Bird [Review]

Polaroids. Würde man Leute auf der Straße fragen, was sie mit den kleinen viereckigen Sofortbildern verbinden, wäre das Ergebnis wohl eine Mischung aus Leichtsinn, Spontanität und einer von der Nostalgie weichgezeichneten “Zeit unseres Lebens”. Vielleicht wollte Mogli ihr Debütalbum deswegen ursprünglich nach den kleinen Sofortbildern benennen, schließlich sprudelt es nur so vor Lebensfreude, Leichtigkeit und Pop-Appeal!

Dass das Album jetzt Bird heisst, statt dem Namen des ohnehin viel zu klischeebehafteten Erinnerungsträgers mal wieder ein junges Gesicht zu geben, hat Polaroid sich selbst und der eigenen Marketingabteilung zuzuschreiben.

Mit Bird, jedenfalls, liefert Selima Taibi, die sich hinter dem Projekt Mogli versteckt, ein für ihr Alter spektakulär erwachsenes Album. Schon nach den ersten Sekunden des Openers und Titeltracks Bird tummeln sich Namen wie Adele und Katie Melua im Kopf. Sieht man Bilder dieses zierlichen Mädchens rechnet man nicht mit so großer und kraftvoller Musik. Und vor allem nicht mit dieser Stimme! Schon mit elf hat sie in der Oper gesungen, damit Geld verdient und, ganz das pubertierende Mädchen, alles innerhalb der nächsten Jahre für diverse Reisen um die Welt verprasst, um so viele Erfahrungen zu sammeln, wie es nur irgendwie geht.

Vielleicht macht sie auch deshalb schon mit 21 ein Album, das so ausgereift klingt, dass man es eigentlich eher von einer mindestens zehn Jahre älteren Künstlerin erwarten würde. Alle 8 Songs sind liebevoll arrangiert, perfekt produziert und setzen zu jeder Zeit die Stimme von Mogli klar in den Fokus des Albums. Fast alle Songs sind absolut radiotauglich, überall hört man den Hang zum Soul und Jazz und das Verständnis für diese Genres. Ihre Texte sind kurz und nicht sonderlich komplex, aber dafür auf den Punkt; sie selbst sagt, dass die Songs für sie einfach kurze Momentaufnahmen sind; und Bird ist das Album.

Natürlich kann man Mogli jetzt vorwerfen nicht innovativ genug zu sein und kein erstes, wildes Debüt produziert zu haben, allerdings ist die Frage, muss ein Pop-Album unbedingt unglaublich innovativ und wild sein, um zu begeistern? Müssen die Texte hochkomplexe Gefühlszustände beschreiben, oder darf es auch einfach gut ins Ohr gehen, ein gutes Gefühl mitgeben und es sich nebenbei still und heimlich im Kopf gemütlich machen?

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

3 thoughts on “Mogli – Bird [Review]

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