Romano – Jenseits von Köpenick [Review]

Als ich die Acts vom diesjährigen Dockville durchging, stach mir ein Bild direkt ins Auge. Eine herausfordernde Geste, ein blasses Gesicht und zwei geflochtene Zöpfe, die über die Schulter hängen. Ich dachte nur: Junge, wer ist dieser Vogel? Und was tut er da?

Ich will euch gar nicht lange auf die Antwort warten lassen, Romano heißt mit bürgerlichem Namen Roman Geike. Er hat sich schon in seiner Kindheit mit Rap-Texten auseinandergesetzt, hat sich auch mal mit Drum and Bass versucht und ist sogar schon in Richtung Schlager abgedriftet. Seinen Gesang kennen einige vielleicht aus Stücken von Oliver Koletzki oder Siriusmo, wo er als Cornerboy auftritt. Ich könnte an dieser Stelle anfangen Fakten von Wikipedia zu kopieren, um den Artikel aufzupumpen aber das ist langweilig und wird Romano als Künstler nicht gerecht. Denn bei seiner Musik geht es um den Mythos seiner Person! Man soll sich ständig fragen, wer kommt auf sowas und warum macht der sowas?

Das geht schon bei der Einordnung in ein Genre los. Ist das jetzt wirklich Hip Hop? Die Jungs vom Basketballplatz nebenan sagen dazu bestimmt nein. Klar, man kann das hier weder mit amerikanischem Oldschool noch mit deutschem Hip-Hop vergleichen. Dennoch ist das Hip-Hop, wenn auch mit einem Hang zum Schlager.

Romano arbeitet in vielen Songs nur mit einzelnen Wörtern oder Satzfetzen. Man muss automatisch zwischen den Zeilen „lesen“ und es entstehen wundervolle Bilder im Kopf. Mit dem wiederholten Hören der Lieder ändern die sich immer wieder, weil man plötzlich doch alles anders versteht. Aber auch die Lieder mit einem zusammenhängenden Text machen wirklich Spaß. Man lässt sich von der Musik tragen und muss ständig schmunzeln. Und zack! Das ist wirklich Schlager, witzig, unterhaltsam und eine Welt ohne Probleme. Eigentlich gar nicht so schlecht! Musik darf auch gerne mal einfach sein. Die ausgefeilten Beats werten das ganze nochmal ungemein auf: Ein guter Drop an der richtigen Stelle und schon kann gefeiert werden!

Aber Vorsicht, hört ihr euch ein Lied häufiger an, steigt die Ohrwurmgefahr drastisch! Wie oft höre ich meine Freundin in der Wohnung „komm, komm, komm, komm mit mir nach Köpenik“ singen, obwohl sie am Anfang sehr kritisch gegenüber Romanos Musik war. Ob er dazu einlädt mit nach Köpenick zu kommen, es darum geht Patches von bekannten Metallbands auf die Kutte zu nähen, oder einfach um ihn, den schönen General – Die Lieder gehen ins Ohr und kommen nicht mehr heraus. Wenn ihr also gleich nach dem Lesen ein Lied von Romano hört und es nicht mehr loswerdet, sagt nicht ich hätte euch nicht gewarnt!

Übrigens:Auf dem Dockville war sein Auftritt wirklich stark. Romano gibt sich auf der Bühne ganz wie in den Videos – „Dominant, aber immer charmant“. Er hat das passende Outfit zu seinen Liedern an, pafft auch mal an geeigneter Stelle eine Zigarette und kann die Menge zum Toben bringen. Was will man mehr von gutem Schlager-Hip-Hop?

Philipp Iske

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