Roseau – Salt [Review]

Ambitionen. Sind sie zu klein, bleibt das Geschaffte weit hinter dem eigentlich Erreichbaren und alles hört sich simplifiziert an. Ideen werden aus Angst nicht konsequent umgesetzt und stattdessen Mittelmaß toleriert. Sind sie zu groß wirkt alles schnell bemüht, vielleicht ein wenig abgehetzt. Der Ergebnis frustriert – Musiker und Zuhörer.

Salt von Roseau ist ein Album, das an seinen Ambitionen scheitert und  Potenzial verschenkt. Am 18. September kam das Debüt der 30-jährigen gebürtigen Irin, die eigentlich Leatham heißt, mit der Hilfe von Big Dada auf den deutschen Markt, nachdem sie in der Vergangenheit, abseits ihres Projektes als Roseau, schon bei Grey´s Anatomy und in einer Kampagne von Adidas Originals ihr Talent bewies und wohlverdiente Aufmerksamkeit bekam.

Genau deswegen drängt sich beim Hören von Salt so schnell die Frage auf, ob es die zu großen Ziele und die Ungeduld, oder aber Angst und inkonsequentes Pop-Kalkül waren, die verhinderten, dass diese Platte dem Können von Roseau gerecht wird. Statt der erhofften neuentdeckten Elektro-Perle ist dieses Album eine Berg- und Talfahrt zwischen perfekt produziertem Electronica und kitschig anbiedernden R&B-Momenten.

In der ersten Single New Glass spielt Roseau gekonnt mit psychedelischen Electronica-Sounds und einem schweren Beat, der jedem Gangster-Rapper das Blut in den Adern gefrieren ließe, Kids and Drunks ist perfekt inszenierter Indie-Pop und der Opener Salt gibt sich minimalistisch, intim und ist Vorbote eines genialen Albums.

Man hört die Roseau, die mit 16 auf einem Zoom MRS-802 ihre ersten unbedarften Experimente mit elektrischen Sounds machte und in einer alten Lagerhalle bei Essex von Schreien, Flaschenklimpern und dem Geräusch von Holz auf einem alten Gummireifen zu ihrer Musik inspiriert wurde. Man hört die Roseau, die man sich auf dem ganze Album wünscht.

Doch immer wieder tun sich mittendrin Lücken im Konzept auf. Sei es die plötzlich fast zwanghafte Radiotauglichkeit von Florida, die Uninspiriertheit von Accelerate oder die stetig wachsende Belanglosigkeit gegen Ende des Albums. Es ist dieses Gefühl “Füllmaterial” zu hören, das das sich Verlieren im sonst so gelungen Konzept dieses Debüts leider unmöglich macht.

Im November ist Roseau als Support von Lianne La Havas in Deutschland unterwegs:

13.11.2015   –    Gloria (Köln)
16.11.2015   –    Kesselhaus (Berlin)
19.11.2015   –    Muffathalle (München)
22.11.2015   –    Große Freiheit 36 (Hamburg)
23.11.2015   –    Gibson (Frankfurt am Main)

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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