Lusts – Illuminations [Review]

Wenn sich ein roter Faden durch ein Album zieht, hat das in jedem Fall etwas Gutes. Allerdings sollte aus diesem Faden auch auf keinen Fall ein Seil werden, das die einzelnen Lieder so sehr miteinander verknotet, dass kaum noch zu unterscheiden ist, welches Lied welches ist. Lusts, die Brüder Andy und James Stone aus Leicester, UK, haben das mit dem roten Faden wahrscheinlich ein bisschen zu gut gemeint.

Am Freitag erscheint bei 1965 Records und [PIAS] ihr New Wave beeinflusstes Debütalbum Illuminations. Vom ersten Ton hört man diesem Album großes Potenzial an. Voll ausgeschöpft wird es jedoch nicht.

Illuminations beginnt mit einem Orgelintro, das Spannung aufbaut und zunächst überhaupt keinen Schluss zulässt, wie es weiter geht, bis es in Sometimes übergeht, das sich als sehr starker Opener entpuppt: Choruslastige Gitarre, ein eingängiger Retro-Synthi-Sound und eine sehr schöne Gesangsmelodie. Perfekt!

Doch im weiteren Verlauf kommen Lusts nicht mehr an diesen starken Beginn heran. CarelessTemptation, die erste Single und das titelgebende Illuminations, bieten lediglich relativ einfallslose Ein-Wort-Refrains. Im Großteil der verbliebenen Lieder hört man den immer gleichen Gitarrensound und die bis dahin längst vertraute, simple 3-Akkorde-Struktur. Klar ist das irgendwie genretypisch, aber mehr ist schon drin. Da hilft auch das zweieinhalbminütige Interlude Attraction, das als Intro zur dritten Single Waves fungiert, nicht.

Gegen Ende zeigen die Brüder mit Don’t Kiss Me schließlich doch noch ein bisschen Variabilität und belohnen all diejenigen, die es bis dahin geschafft haben.

Was diesem Album, das sich übrigens trotz seiner vermeintlichen Eintönigkeit ganz gut nebenbei hören lässt, vor allem fehlt, ist die Spannung. Zu Beginn ist sie da, reißt aber viel zu schnell ab. Zu schnell wird alles zu harmonisch, zu Friede-Freude-Eierkuchen. Am Ende bleibt immerhin die Erleuchtung, dass Brüderstreits, wie sie die Gallagher Brüder einst im großen Stil ausfochten, zwar unglaublich nerven, aber dennoch zu legendärer Musik führen.

Tobias Kolle

Lehramtsstudierender und leidenschaftlicher Musik(hör)er.

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