Sophie Hunger – Supermoon [Review]

Die Musikwelt leidet. Unter einer Flut aus Mittelmaß und Einfallslosigkeit. Unter dem ewigen Kopieren von Idolen und dem Nachjagen des aktuellen Hypes. Der Zuhörer wird müde, die Kanäle sind verstopft mit dem immer gleichen Einheitsbrei und das Herausfischen der Perlen wird ein immer schwierigeres Unterfangen. Also macht man es sich bequem im Unaufdringlichen und gibt sich zufrieden mit dem, was Spotify und Co. durch die heimischen Boxen ins Wohnzimmer spülen.

Aber dann landet plötzlich Supermoon von Sophie Hunger auf dem Plattenspieler. Ein Album das wachrüttelt und deutlich aus der Flut der Belanglosigkeiten herausragt. Das Genres eher als Herausforderung, als als Orientierung sieht – sie gekonnt demontiert und mit neuen Facetten wieder zusammenfügt. Das fernab von angenehmem Hörfluss und poppigen Anbiederungen trotzdem perfekt funktioniert.

Nach ihrem letzten Album The Danger of Light, einer fiktiven Tourdoku und ihrem Doppel-Live-Album The Rules of Fire, wollte die 32-jährige Schweizerin erstmal nichts mehr vom  Musikmachen wissen. Es zog sie über den Atlantik nach Kalifornien. Um den Kopf frei zu bekommen. Vielleicht auch um sich nochmal neu zu finden – ganz ohne die Musik.

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Nach nur 2 Wochen in San Francisco kaufte sie sich aber, von einem Museumsbesuch inspiriert, wieder ein Gitarre und begann damit Songs zu schreiben, die jetzt auf ihrem vierten Studioalbum erschienen sind. Sie begibt sich also doch mit der Musik auf die Suche und liefert mit Supermoon jetzt ein Remümee, das vor keiner noch so großen Frage Angst hat.

Immer wieder versucht man das Chaos nachzuvollziehen. Das kreative Durcheinander zu ordnen und zu verstehen was Sophie Hunger sich dabei gedacht hat. Sie springt wild zwischen Genres, Stimmungen und den vier, von ihr perfekt beherrschten, Sprachen hin und her. So richtig will sich beim Hören von Supermoon kein Hörfluss einstellen, trotzdem wird man eingefangen von der Dichte und Komplexität der 12 Songs. Zusammen mit ihrer Band und dem Produzenten John Vanderslice (Spoon) platziert sie, wie selbstverständlich, sperrige unpassende Sounds um anzuecken und alle noch so abgestumpften Indie-Pop-Synapsen zu reaktivieren.

Nach dem typisch hungerschen Opener und Titelsong Supermoon mit gezupfter Gitarre und zurückhaltendem Schlagzeug muss man sich zurechtfinden, zwischen dem bass- und beatlastigen Love Is Not The Answer mit Retro-Synthie-Sounds, dem eingängigem Indie-Rock von We Are The Living, nur um spätestens mit ihrer Coverversion von La Chanson d’Helene, nach acht von zwölf Songs, wieder jeglichen Faden zu verlieren. Zwischendurch erinnert ihr Gesang in Superman Woman plötzlich an Courtney Barnett. Die ihr gewidmete Textzeile bestätigt den Inspirationsverdacht!

I couldn’t move for paralysis at a courtney barnett show.

Bisher hab ich Sophie Hunger noch nicht Live gesehen, aber ich bin mir sicher, ich würde das Gleiche über sie sagen!

aktuelle Tourdaten:

21.10. Mannheim – Alte Feuerwache

22.10. Ulm – Roxy

30.10. Wiesbaden – Schlachthof

05.11. Dresden – Alter Schlachthof

06.11. Hannover – Capitol

08.11. Rostock – M.A.U. Club

09.11. Kiel – Die Pumpe

11.11. Münster – Skaters Palace

12.11. Leverkusen – Leverkusener Jazztage

08.11. Rostock – M.A.U. Club

13.11. Bremen – Schlachthof

14.11. Erfurt – HsD

16.11. Stuttgart – Im Wizemann

20.11. München – Alte Kongresshalle

13.12. Hamburg – Kampnagel

14.12. Berlin – Huxleys

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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