Young Fathers – White Men Are Black Men Too [Review]

Eigentlich ging alles seinen normalen Gang: Eine Pressemitteilung flatterte in mein Postfach – wirkte interessant. Nach dem Anschauen von ein paar Youtube-Videos war ich dann definitiv überzeugt! Klang nach Hip-Hop, und zwar nach dem von der guten Sorte. Mit guten Texten, jede Menge Flow und einem sehr interessanten Kontrast zwischen Gesang und Rap-Parts. Young Fathers sollten einen Platz auf reissnadel.com bekommen.

Ich wollte ein Review zu ihrem, am Anfang des Jahres erschienenen, zweiten Album White Men Are Black Men Too veröffentlichen und damit mal wieder ein wenig die angepriesene Genrevielfalt auf dem Blog ankurbeln.

Doch das, was da am 03. April dank Big Dada, Ninja Tune und Rough Trade das Licht der ersten deutschen Plattenläden erblickt hat, klang dann doch anders als erwartet. Statt eingängigen Beats, die dahingrooven, drückt sich beim Auflegen von White Men Are Black Men Too eine Naturgewalt aus der heimischen Anlage.

Selten klang ein Album, das nichts von verzerrten Gitarren, Bässen und punk-esken Drums wissen möchte, so ursprünglich, so spontan und wild – wobei wohl gerade Letzteres keine Vokabel mit historischem Hip-Hop Bezug ist.

It was easy – it’s always easy. You can hear the smiling. – Young Fathers

Alloysious Massaquoi, ‚G’Hastings und Kayus Bankole sind Young Fathers und damit die wahrscheinlich spannendste Hip-Hop Kombo, die es zur Zeit gibt. Ihr gesamtes zweites Album haben sie geschrieben und aufgenommen, während sie 2014 auf Tour waren und mit ihrer wilden und ungezähmten Art Musik zu machen eine Vielzahl an Preise gewannen.

So plakativ und klar politisch der Titel White Men Are Black Men Too auch sein mag, so undurchsichtig ist die Musik, die die drei in 12 Songs auf ihrer zweiten Platte untergebracht haben. Jeder der Tracks schraubt sich, zwischen Vocalfetzen, fettem Beat, Bass, Kongos und einer Menge anderer Percussions, innerhalb seiner kurzen Spielzeit von einem entspannt groovigen R&B-Song in die absolute Ekstase.

Jede zu Beginn vorgetäuschte Struktur wird in dem konsequent vordergründigen Mix aller Instrumente und Stimmen zermalmt. Jeder Versuch der Orientierung scheitert schon im Ansatz. Bei diesem Album gibt es nur zwei Möglichkeiten: Fallenlassen und mitschwimmen, oder ausschalten.

Ersteres wird empfohlen!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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