Balthazar – Thin Walls [Review]

Der Bass wummert lässig durch alle 10 Songs. Zusammengehalten durch ein minimalistisches Gerüst aus Hi-Hat, Snare und Bassdrum bildet er das Fundament für eine Platte, die gerade durch ihre bewussten Leerstellen und den Verzicht auf ausgefeilt geschnörkelte Arrangements und effektreiche Produktionen ein bemerkenswert ausladendes Selbstbewusstsein ausstrahlt.

Hier und da zurückhaltende Streicher von Patricia Vanneste und aufbrausende Gitarren, die sich aber immer wieder der Stille und dem stets im Zentrum stehenden Gesang beugen müssen. Statt künstlich Emotionen durch immer weiter aufgeblähte Synthie-Ebenen, oder gedoppelt und gedreifachte Gitarren zu erzeugen, lehnen sich Balthazar zurück, setzen auf Minimalismus und erzeugen damit eine Intimität und Intensität, wie sie nur selten auf Studioalben zu finden ist.

Balthazar Thin Walls Cover Vinyl
© Caroline Hoops

Mit Thin Walls veröffentlichten die fünf Belgier Anfang dieses Jahres ihr mittlerweile drittes Album. Das Erste, das sie nicht selbst, sondern mit der Hilfe von Ben Hillier in den englischen Yellow Fish Studios in Lewes produziert haben. Zusammen mit dem Indielabel Play It Again Sam bringen sie damit das wahrscheinlich beste und atmosphärischste Indie-Album des Jahres in die Plattenregale.

Der Titel, Thin Walls, ist der Entstehung der Platte zu verdanken, von der Jinte Deprez und Maarten Devoldere fast alle Songs schrieben während sie mit Balthazar auf Tour waren. In stickigen Hinterzimmern, mit der ständigen Rastlosigkeit im Nacken und ohne jegliche Rückzugmöglichkeit haben sich Deprez und Devoldere noch mehr als bei den Vorgängeralben Rats und Applause an ihren deutlich unterschiedlichen Stilen aufgerieben und von ihnen profitiert. Maartens Songs sind gitarrenlastiger geworden, Jinte feilte mehr denn je an seinen Texten.

„We know each other’s darkest secrets now. We grew together. You live together as each other’s brother and sister. We actually discovered we really like each other.” – Jinte Deprez

Trotzdem bleibt der Kontrast, von dem ein Balthazar Album lebt. Der ständige Wechsel zwischen dunkler Melancholie und fast provozierender Lässigkeit. Zwischen seichten Streicherpassagen und einer rotzig geschrammelten Gitarre.

Den Konsens findet man dann in den Pausen. Vielleicht sind sie deshalb so gut.

 

Tourdaten:

25.09. Hamburg – Grünspan, Reeperbahnfestival

29.10. Düsseldorf – Tanzhaus NRW

05.11. Oldenburg – Kulturetage

06.11. Frankfurt – Batschkapp

23.11. Wien – Arena

27.11. Nürnberg – Hirsch

28.11. Leipzig – Täubchenthal

03.12. Mannheim – Alte Feuerwache

04.12. Stuttgart – Im Wizeman

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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